Der Gönner – Die Sponsoren

Wer lebt mit und von der Kunst?

In der Kunst sind es oft die Ernergieversorger wie EON oder Banken, die kulturelle Veranstaltungen wie Kunstausstellungen unterstützen.

Wer Kunst-Sponsor ist, poliert sein Image auf. Es findet ein „Image-Transfer“ statt. Der Sponsor gibt zum einen das Geld, jedoch auch einen Teil seine Images an den Sponsornehmer ab. Dafür erhält er aber im Gegenzug das Image der Kunst. Kunst steht für Stil, Schönheit und Ästhetik sowie für Entdeckung und Freiheit.

Der Sponsor bekommt etwas für sein Geld.

Die Synthese von Altruismus und Egoismus formulierte Josef Abs, ehemaliger Vorstandssprecher der Deutschen Bank, 1981 in einem
FAZ-Beitrag zum Kunstengagement der Deutschen Bank trefflich so: „Die Kreditwirtschaft wie auch die Industrie oder private Mäzene haben das verständliche Bedürfnis, jenseits der Welt ihrer beruflichen Belange einmal Uneigennützigkeit zu üben, auf der anderen Seite aber auch den Wunsch, jenen Glanz, der von den schönen Künsten ausstrahlt, auf sich selbst zu lenken.“ (Kunst-Sponsoring durch Banken — Das Beispiel des Kunstkonzepts der Deutschen Bank AG von Professor Dr. Hans E. Büschgen, 1996)

Im Jahr 2007 war die Deutsche Bank zum ersten Mal Hauptsponsor vom Deutschen Pavillon der Biennale in Venedig und hatte ein so großes Spektakel veranstaltet, dass der damalige Auftritt der Künstlerin Isa Genzken in der Erinnerung vom Logo der Firma kaum mehr zu trennen ist. Hier färbt das Image der Weltoffenheit und das gute Gefühl, was man mit Kultur verbindet, auf den Geldgeber ab.

Wie viel Geld als Sponsoringmittel dafür zur Verfügung gestellt wurde ist geheim. Nur eines weiß man: Der Beitrag bewegt sich im oberen sechsstelligen Bereich. (Wer kann das bezahlen? von Swantje Karich, FAZ, 19.11.2008)

Nach eigenen Angaben, gab die Deutsche Bank 2007 weltweit 82,2 Millionen Euro für gesellschaftliches Engagement aus, davon entfielen 24 Prozent auf die Kunst. (Sponsoren bleiben der Kunst auch in der Krise treu, DerWesten, 27.11.2008, http://www.derwesten.de/nachrichten/kultur/2008/11/26/news-93944107/detail.html aufgerufen am 27.11.2008)

Einer IFO-Studie zufolge, förderten 1993 etwa 40 Prozent aller deutschen Unternehmen Kultur im weitesten Sinne und gaben dafür 1994 mindestens 500 Millionen DM aus, wovon auf den Finanzdienstleistungssektor inklusive Versicherungen rund 220 Millionen DM gleich 44 Prozent entfielen.  (Kunst-Sponsoring durch Banken — Das Beispiel des Kunstkonzepts der Deutschen Bank AG von Professor Dr. Hans E. Büschgen, 1996, S.2) Aktuelle Zahlen gibt es nicht. „Leider hat das ifo Institut keine aktuellen Veröffentlichungen zu diesem Thema anzubieten, die entsprechende Forschungsabteilung gibt es schon seit Jahren nicht mehr“, so Susanne Makedonski in einer E-Mail an den Autor.

Professor Dr. Hans E. Büschgen erklärt 1996 in seinem Vortrag „Kunst-Sponsoring durch Banken – Das Beispiel des Kunstkonzepts der Deutschen Bank AG“ warum gerade Firmen, die mit hohem Erklärungsaufwand ihre Komplexität vor ihrer Kundschaft erklären müssen, gerne Kunst fördern. „So verlangt die Bankleistung ab einer gewissen Komplexität einen überdurchschnittlich hohen Erklärungsaufwand, was insbesondere für innovative Finanzdienstleistungen zutrifft, was bewirkt, daß sie oft wie zumindest teilweise die zeitgenössische
Kunst als zunehmend undurchsichtige Sachverhalte empfunden werden.“ Weiter sagt er: „Charakteristisch für Bankleistungen ist das Nichtvorhandensein eines körperlichen Gutes nach dem Leistungserstellungsprozess. Die Immaterialität der Bankleistung induziert, daß sich Banken als Dienstleistungsunternehmen nicht – wie z.B. Konsumgüterhersteller – mit ihren Produkten visuell präsentieren können; ein objektbezogenes Marketing ist damit nicht möglich.“ Wenn die Unternehmung mit ihrer nicht leicht kommunizierbaren Dienstleistung die Nähe zur Kunst sucht und dies auch nach außen hin dokumentiert, kann das die „fehlende körperliche Darstellbarkeit der Bankleistung kompensieren.“ (Kunst-Sponsoring durch Banken — Das Beispiel des Kunstkonzepts der Deutschen Bank AG von Professor Dr. Hans E. Büschgen, 1996, S.7)
Das Komplexe wird nur am Rande wahrgenommen, bleibt aber positiv in Erinnerung. Gerade in Branchen, in denen starke Rivalitäten und hoher Konkurrenzdruck herrscht, können sich Unternehmen mittels der Kunst positiv von ihrem Wettbewerb abheben.

Stets wird von den Sponsoren aber darauf geachtet, dass die unterstützte Ausstellung oder die Kunst ein Mindestmaß an Zeitlosigkeit besitzt, um nicht ungewollt in eine bestimmte Ecke gedrängt zu werden. Es ist dem Sponsor ebenfalls wichtig, dass die unterstütze Veranstaltung zu der Corporate Identity, der Unternehmensphilosophie, passt. Jemand der für Modernität, Dynamik und Originalität sowie Verantwortungsbewusstsein steht, investiert er vielleicht Geld in junge Kunst, die eben solches auch ausdrückt.

Kunst ist beim Sponsoring nur Mittel zum Zweck. 1982 schreibt George Weisman, damaliger Vorstandsvorsitzender von Philip Morris: „Das fundamentale interesse der Wirtschaft an Kunst ist Eigeninteresse.“ (Weisman, George. Philip Morris und die Kunst. München 1982. zit. Dossi, Piroschka: Hype. Kunst und Geld. Deutscher Taschenbuch Verlag, München. 2007. 4. Auflage 2008, S. 96)

Kultursponsoring dient als Symbol. Brücken werden branchenübergreifend geschlagen und dienen dem Image-Transfer, der dem Sponsor, ohne dass er mit der anderen Branche etwas direkt zu tun hat, das positive Image des anderen überträgt. Folge ist die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit des anderen.
Besonders im Kultur- oder Kunstsponsoring unterstreicht das Unternehmen seine Intellektualität. So schreibt Büschgen: „Die Auseinandersetzung mit der Kunst sowie der Besitz von Kunstwerken signalisiert die Zugehörigkeit zu Gruppen von Gebildeten. Dies liegt mitunter in dem Sachverhalt begründet, daß Kunst sich besonders zur Demonstration von Kenntnis, Wissen und Urteilsfähigkeit eignet, bilden sich die Fähigkeiten zum Erkennen von Qualitätsmerkmalen bei Kunstwerken doch erst im dauernden Umgang mit Kunst heraus.“ (Kunst-Sponsoring durch Banken — Das Beispiel des Kunstkonzepts der Deutschen Bank AG von Professor Dr. Hans E. Büschgen, 1996, S.22)

Dadurch ist anzunehmen, dass Kunstsponsoren auf die Zielgruppe der gebildeteren Bevölkerung mit tendenziell höherem Einkommen abzielen, „da aufgrund der sozioökonomischen Merkmale hier ein stärker ausgeprägtes Kunstinteresse zu vermuten ist.“ (Kunst-Sponsoring durch Banken — Das Beispiel des Kunstkonzepts der Deutschen Bank AG von Professor Dr. Hans E. Büschgen, 1996, S.22) Große Banken erhoffen sich Kontakt zu den vermögenden Privatkunden, große Energieversorger hingegen auf mittelständische Unternehmen. Beide Zielgruppen sind durch kommerzielle Werbung eher schwer erreichbar und sind besonders betreuungswürdig. Durch Sponsoring kann Kontakt in einer „nicht-kommerziellen“ Situation oder einem Rahmen hergestellt werden.
Dies geschieht in der Kultur oft durch exklusive Eröffnungen, zu denen das Unternehmen ebenfalls seine Kunden exklusiv einladen kann. Im feierlichen Rahmen finden ungezwungen und in lockerer Atmosphäre Unterhaltungen statt. Sponsoring ist somit neben der Imagepflege eben auch Kundenpflege.

Die Angst vor finanziellen Kürzungen in den Krisenzeiten geht im Kulturbetrieb um, aber die Signale aus der Wirtschaft sind weiter positiv. So betont der Sprecher der Deutschen Bank, Klaus Winker: „Wir bleiben bei dem Level, das wir jetzt haben.“ Das kulturelle Engagement des Konzerns sei mittel- bis langfristig aufgebaut. (Sponsoren bleiben der Kunst auch in der Krise treu, DerWesten, 27.11.2008, http://www.derwesten.de/nachrichten/kultur/2008/11/26/news-93944107/detail.html aufgerufen am 27.11.2008) Jedoch ist allgemein anzunehmen, dass nun Projekte, die gefördert werden sollen, strenger unter die Lupe genommen werden. Außerdem widerspricht dem Sprecher der großen Bank das Gerücht, dass die Deutsche Bank plant, sich als Sponsor des Deutschen Pavillons in Venedig zur nächsten Biennale und der Kölner Art Cologne zurückzuziehen.
Angeblich standen diese Pläne jedoch schon Anfang des Jahres fest und haben nichts mit der Finanzkrise zu tun. (Wer kann das bezahlen? von Swantje Karich, FAZ, 19.11.2008)

Aber auch hier wird die Zeit der Krise und die damit zusammenhängenden Absprünge der Sponsoren als Chance für die Kunst gesehen. Nicolaus Schafhausen, Kurator des deutschen Beitrags in Venedig 2009, bestätigt, dass die Ausführung von Ausstellungen sich „in den vergangenen Jahren drastisch verteuert“ haben. Aber auch das Sponsoring produziere eigene Kosten. Die Eröffnungen werden pompöser und aufwändiger, immer mehr Einladungen würden verschickt und immer mehr Besucher herbeigeflogen. Gerade wegen dieser hohen Kosten kann heute keine Kulturveranstaltung mehr ohne Sponsor existieren. Wenn es weniger „Drumherum“ gäbe, würden die Kosten sinken und man könnte sich wieder auf die Kunst einlassen.

Aber auch den Privatleuten gibt Kunst und dessen Förderung eine Identität. Die Freunde der Nationalgalerie sind ein Verein, in dem sich meist Wohlhabende gegen einen Jahresbeitrag von 600 Euro pro Jahr das Image des Kunstliebhabers oder des Mäzens zulegen. „Am Anfang des Vereins der Freunde der Nationalgalerie standen Leidenschaft für die bildende Kunst, Lust am Wagnis und der Enthusiasmus, den Dieter Honisch und Peter Raue vor über 30 Jahren in den Gründungsmitgliedern ausgelöst haben“, so heißt es auf der Website des Vereins (www.freunde-der-nationalgalerie.de, aufgerufen am 29.11.2008)
Während im unternehmerischen Sinne die Förderung als „Sponsoring“ bezeichnet wird, hört man hier wohl doch lieber den Begriff des „Mäzens“. Das „Mäzenatentum ist die nach dem Römer Gaius Cilnius Maecenas (um 70 bis 8 v.Chr.) bezeichnete Förderung künstlerischer Tätigkeiten durch einen Gönner.“ Maecenas verschafft den Dichtern Horaz und Vergil die nötigen Schaffensfreiräume, so dass sie sich ganz und gar ihrem kreativen Potenzial widmen konnten. Bis heute prägt der Name das Fördern und Unterstützen des Kunstschaffenden.
Obwohl der Mäzen eigentlich ohne Eigennutz handelt, hat er doch Motive für die Förderung des Künstlers. Er demonstrierte damit schon damals Besitz und Macht und machte sich so zu einem Gönner.

Text aus der Diplomabschlussarbeit (2009) von Peer Kriesel
»Wie Kunst und Design aufeinandertreffen. Eine Studie über die Vermarktung von Kunst.«

Der Sammler – Der Konsument

Wer lebt mit und von der Kunst?

Wo die Passion des Sammelns ihre Geburtsstätte hat, ist bei jedem sehr unterschiedlich. Viele Sammler berichten, dass die Leidenschaft zum Sammeln auf einer der vielen Kunstmessen entbrannt ist.
Sie sind oft reiche Erben. So kann man die Namen der weltweit reichsten Familien auf den internationalen Käuferlisten lesen. Aber auch die Selfmade-Milliardäre sammeln zeitgenössische Kunst. Darunter sammeln der französische Unternehmer François Pinault und der Hedge-Fond-Manager Steven Cohen neben Burda und Co.

Insgesamt zählen 2006 laut der Zeitschrift Forbes wohl 500 der 793 Milliardäre weltweit zu den Groß- und Größtsammlern von Kunst. Die Zahl hat sich im Vergleich drei Jahre zuvor verdreifacht. (Rauterberg, Hanno: Und das ist Kunst. Eine Qualitätsprüfung. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 2008, S. 42)

Platon schrieb, dass es die Betrachtung des Schönen ist, wofür es sich zu leben lohnt. Dem Sammler reicht das Betrachten jedoch nicht. Er möchte besitzen. Der deutsche Kunstsammler Christian Boros bestätigt diese These: „Als Sammler willst du haben.“ (Dossi, Piroschka: Hype. Kunst und Geld. Deutscher Taschenbuch Verlag, München. 2007. 4. Auflage 2008, S. 54, Anmerk. 2)
Der Sammler sieht in dem Besitz Macht. Es ist die Herrschaftsmacht desjenigen über die Sache im privaten Universum.
Vergleichbar ist das Sammeln von Kunst, dem Objekt der Begierde mit der Jagd nach dem Kopf in primitiven Gesellschaften, oder das Sammeln von Reliquien im Mittelalter. In der Vorstellung sind all diese Objekte mit einer Kraft beseelt, die auf den Besitzer übergeht. Ob Gefühle des Alleinseins, Ohnmacht, das Streben nach Einzigartigkeit oder Zugehörigkeit – es gibt immer ein passendes Objekt, der den Seelenzustand lindert, oder für kurzen Augenblick an dessen Stelle tritt. Ist der Moment vorbei, gibt es einen nächsten Wunsch.

Der Sammler ist aber auch ein Kind. Infantil erweckt er das Objekt, das Kunstwerk, wie einen Teddy zum Leben. Das Sammeln ist dann die Anhäufung von Gegenständen, zu denen der Sammler eine langlebige und persönliche Bindung aufbaut. Sie dient dem Schutz vor dem Gefühl der Verwundbarkeit.

In der Vorstellung beherbergt der Schädel des Feindes für einen melanesischen Kopfjäger „mana“, eine unsichtbare Kraft, die den Krieger zum Sieg führt. Für den mittelalterlichen Christen besaßen die Knochen eines Märtyrers eine Energie, die ihm unermesslichen göttlichen Schutz bot.

Heute bietet uns die Industrie Schönheit und Erfolg, wenn wir deren, in der Werbung beworbenen, Produkte benutzen. Dieses Übertragen von Vorstellungen auf Produkte und ihre positive Wirkung wird als „emotional branding“ bezeichnet.

Jedoch ist Sammeln noch eine gesteigerte Form des Konsums. Eine Sammlung drückt immer die Identität und die Beschaffenheit seines Besitzers aus. Und so möchte der Sammler auch gesehen werden, als Schaffender nach dem Schaffenden. Er ist nicht nur Käufer und Manager seiner Sammlung, er sieht sich gerne als moderner Medici. (Hype, S. 61, Anmerkung 8). Das ist die ein Gruppe der Sammler.
Die andere sehnt sich nur nach Prestige und Anerkennung. Dort fehlt ein Zusammenhang zwischen den Werken. Oft lassen Sammler sammeln. Die Auswahl übernimmt dann eine Galerie, die weiß, was im Wert steigen wird.
Es sind diejenigen im Auktionshaus, die eh schon alles haben und ihren Reichtum durch Schmuck oder ihr Auto nicht mehr präsentieren können, die die Preise ins Unermessliche steigen lassen. Es geht hier um Provokation und infantilen Machtstreit im Raum der Auktion. Wer bekommt den Zuschlag? Derjenige, der den längeren Atem hat und die tiefere Tasche besitzt, profiliert sich durch den Gewinn der Versteigerung und die Genugtuung, jemand anderem das Objekt der Begierde weggeschnappt zu haben. Für die neu aufkommende Sammlerschaft aus Osteuropa und China ist der Kauf teurer Kunst die Eintrittskarte in die Luxuswelt. Geld spielt hier keine Rolle – Hauptsache es ist teuer!

Das Sammeln unterliegt meist einer Ordnung und einem Gleichgewicht der Dinge untereinander. Die Reihenfolge ist die Aneignung des Objekts, das Ordnen, die Gestaltung und die Vervollständigung, die auch in einer Sammelsucht enden kann. Räumt man eine Ecke des Zimmers auf, kann es gut sein, dass danach die ganze Wohnung geputzt ist.

Das Sammeln ist die unendliche Geschichte des Konsums. Hat der Sammler das eine ergattert, ist der Wunsch nach dem anderen geweckt.

Wie auch beim Sammeln von Überraschungseierfiguren ist der Sammler stets auf der Suche nach Schnäppchen und Neuentdeckungen. Der Trend zeichnet sich ab, dass sich die Zahl der Sammler für Gegenwartskunst in den letzten zehn Jahren verdoppelt bis verfünffacht hat. (Dossi, Piroschka: Hype. Kunst und Geld. Deutscher Taschenbuch Verlag, München. 2007. 4. Auflage 2008, S. 65) Es wird in die Junge Kunst investiert und auf junge Künstler gesetzt. Berühmteste Sammlerin, die ausschließlich die jüngste Generation sammelt, ist Ingvild Goetz, die in München ihr eigenes Privatmuseum eröffnet hat.
Wer früh genug den Riecher hat, und wenn zum Schluss alle in die gleiche Richtung schwimmen und alle dem Hype hinterherhechten, desto mehr Genugtuung hat der Käufer. Wer spät einsteigt, muss mehr bezahlen.
Es scheint ein Spiel der Superreichen zu sein. Man schaut neidisch zu der Sammlung seines Rivalen, der schon einen bestimmten Künstler hat, der momentan voll im Trend liegt und gerät unter Druck. Im Gegensatz zum Aktienhandel bei dem Insidergeschäfte seit 1995 unter Strafe stehen, sind diese im Kunstbetrieb erlaubt. Wer dazu gehört, weiß, wann eine Retrospektive bevorsteht und die Preise eines Künstlers in die Höhe schießen.

Es gibt die Sammler, die auf Namen der Künstler vertrauen und das Sammeln, was gerade in der Mode ist und es gibt die Giganten, die vorgeben, welche Marken angesagt sind. Wenn beispielsweise Charles Saatchi Werke eines Künstlers kauft, kann man davon ausgehen, dass sich dieser danach kaum noch vor Anfragen retten kann. Es geht hierbei aber um Gewinnmaximierung.

Die leidenschaftlichen Sammler, bilden jedoch das Gros, die Kunstwerke kaufen, die ihnen etwas sagen oder zu sagen scheinen. Es sind dann auch nicht immer die Superreichen, sondern auch „normale“ Privatsammler, die aus Überzeugung kaufen und sich mit der Arbeit identifizieren.
„Viele Sammler sind um die fünfzig Jahre alt, haben zwanzig oder dreißig Jahre hart gearbeitet und möchten ihr Geld nun in bleibende Werte investieren. Andere sind zwischen dreißig und vierzig und interessieren sich für ein bestimmtes Sammlungsgebiet wie Modephotographie, experimentelle oder Aktphotographie. … Es gibt auch eine ganz neue Generation von Sammlern, die sich auf Photographie spezialisieren. Diese Sammler mischen ganz verschiedene Stile und Epochen. Wieder andere kaufen nur ein einziges Werk, das Ihre Aufmerksamkeit gefesselt hat, und leben damit. Der Anteil von jungen Sammlern (bis Mitte 30) liegt bei etwa 20-30 Prozent.“, so beschreibt die Galerie Kicken in Berlin ihre Käufer. (E-Mail an den Autor, 8.1.2008)

Der kleine Sammler macht 95 Prozent des Umsatzes aus. (Und das ist Kunst?, S. 41) Die Gemeinsamkeit: Egal ob reich oder nur Geringverdiener, die Sammler sind diejenigen, die gerne über das Werk und dessen Hintergrund philosophieren und sich mit dem Künstler austauschen wollen. Sie verwirklichen sich und ihre – meist unterdrückten – Gefühle im Kauf einer künstlerischen Arbeit, die die Freiheit widerspiegelt, die sie selbst meist nicht besitzen. So ist es doch keine Seltenheit, dass äußerlich spießige Manager im Anzug, in ihrem Büro ein „wildes“ Kunstwerk zu stehen oder zu hängen haben. Und der innerlich Zerrissene gönnt sich die ersehnte Ruhe in einem Bild voller Harmonie. Aber alles geschieht mit dem Hintergrund der Freude an der Neuentdeckung und dem Erleben der Kunst.
So betont der italienische Sammler Giuseppe Panza di Biumo 2004 im Schweizer Kulturmagazin „du“: „Das, was alle sowieso kannten und was außerdem viel zu teuer war, das interessierte mich nicht. Ich wollte neues entdecken und den schöpferischen, künstlerischen Moment miterleben, verstehen, was die Künstler dachten, wollten, liebten. […] Solange ich lebe, werde ich nach Dingen suchen, die die Intensität des Lebens ausdrücken.“ (Blomberg, Katja: Wie Kunstwerte entstehen. Das Geschäft mit der Kunst. Murmann Verlag, Hamburg, 2005. 3. Ausgabe März 2008, S. 79, Anmerk. 58)
Ivo Wessel, Softwareentwickler und Sammler in Berlin, kauft nur, was ihm Lust bereitet. (Blomberg, Katja: Wie Kunstwerte entstehen. Das Geschäft mit der Kunst. Murmann Verlag, Hamburg, 2005. 3. Ausgabe März 2008, S. 80, Anmerk. 59)

So muss man zum Schluss doch zwischen den Sammlern, Käufern, Spekulanten und wirklichen Kunstliebhabern unterscheiden, obwohl das Resultat das Gleiche ist: Wer Geld für Kunst ausgibt, hat etwas für die Bildung und die Menschlichkeit getan, indem er dem armen Künstler, dem Außenseiter, geholfen hat. Er darf sich als Sponsor der Künste fühlen, auch wenn er nur kauft, ohne wirklich zu konsumieren. Prestige ist nirgendwo so gegen Geld einzutauschen, wie im Kunstbetrieb.

Text aus der Diplomabschlussarbeit (2009) von Peer Kriesel
»Wie Kunst und Design aufeinandertreffen. Eine Studie über die Vermarktung von Kunst.«

Die Galerie – Der Handel

Wer lebt mit und von der Kunst?

Galeristen sind die Botschafter zwischen den oft eigensinnigen, schwer zugänglichen Künstlern und denen, die das Geld haben. Sie verwandeln Kunst in Geld. In der heutigen Zeit sind Galeristen ständig unterwegs, verschicken Bilder im JPEG-Format über das Internet und recherchieren online. Sie halten den Kontakt zu ihren Kunden, halten Reden, geben dem Betrachter von Kunst einen Denkanstoß. Den braucht er, um ein Werk zu kaufen, weil er es dann versteht – oder zu verstehen glaubt.

Galeristen stehen zu ihren Künstlern, die sie vertreten.
Spricht man mit einem Galeristen, würde er nie behaupten, dass die gerade laufende Ausstellung nur eher durchschnittlich ist und die nächste doch bessere Ware bringt. Er steht für die künstlerische Position ein und vertritt sie nach der Linie, die er mit seiner Galerie fährt. Es werden Künstler finanziell unterstützt oder die Galerie zahlt ihrem Sprössling eine Vorauszahlung, damit er seine Miete bezahlen kann. Der Galerist wird zum Vorkämpfer von Visionen, die er mit dem Künstler teilt, um ihn dann in seinem Galerieprogramm aufzunehmen.

Jedoch geschieht das natürlich nur, wenn abzusehen ist, dass sich die Kunst auch verkauft. Die Haltung zu Geld und der Kunst ist ein Doppelspiel, welches statusabhängig vertreten wird. Eine kleine Galerie, die um Anerkennung ringt, entschuldigt sich, für Kunst Geld zu verlangen. Die Großgalerie scherzt über Geld und Preise, wenn überhaupt darüber gesprochen wird. (Dossi, Piroschka: Hype. Kunst und Geld. Deutscher Taschenbuch Verlag, München. 2007. 4. Auflage 2008, S. 108, Anmerk. 8 )

Oft spezialisieren sich Galerien. Sie bieten dann nur Fotografie, nur Malerei oder nur bestimmte Epochen an. Oftmals werden auch nur eine Hand voll Künstler vertreten. Die Arbeit mit Künstlern ist teilweise schwierig und hat man mal einen Künstler gefördert und aufgebaut, intensiviert man die Vermarktung, damit sich die Investition gelohnt hat. Zusammen mit anderen Galerien werden Allianzen geschlossen und ein weltweites Netzwerk aufgebaut.

Paul Durand-Ruel, der den Impressionismus entdeckt hat, Daniel-Henry Kahnweiler, der Wegbereiter des Kubismus und Leo Castelli, der Promoter der Pop-Art gehören zu den visionären Kunsthändlern, die die Künstler entdeckten und  ihnen Bedeutung verschafften. Nur wenige Künstler, in die Energie und Geld gesteckt wird, werden langfristig erfolgreich.

In vierzig Jahren hat die Berliner Galerie Nothelfer zweihundert Künstler ausgestellt, davon waren knapp die Hälfte Neuentdeckungen. Jedoch konnten sich nur acht von ihnen dauerhaft auf dem Kunstmarkt etablieren. (Dossi, Piroschka: Hype. Kunst und Geld. Deutscher Taschenbuch Verlag, München. 2007. 4. Auflage 2008, S. 107, Anmerk. 5) Daher sind Risikobereitschaft und Pioniergeist oftmals den Galeristen zuzuschreiben.

Nicht selten wird ein Startkapital benötigt, um die künstlerische Position und den Künstler bekannt zu machen und ihn zu positionieren. Daher ist es nicht verwunderlich, dass viele Galeristen und Kunsthändler der Zeitgeschichte nicht nur über kulturelles Kapital sondern auch über finanzielle Ressourcen verfügten.
Bedeutende Kunsthändler von Paul Cassirer, über Kahnweiler bis Leo Castelli stammten aus wohlhabenden bis schwerreichen Familien. Es gibt natürlich Ausnahmen, jedoch bestätigt sich bis heute diese Regel.
So verfügt Iwan Wirth mit seiner Partnerin Ursula Hauser, Erbin eines der großen Vermögen in der Schweiz, über einen nahezu unerschöpfliches finanzielles Polster. Die Heirat mit Tochter Manuela Hauser sichert dieses bis auf weiteres.

Neben jeder Art von teurer Vermarktung bis hin zum normalen Verkaufsgespräch in der Galerie – wie sehr die Kunst des Künstlers kaufenswert ist, bringen Galeristen in ganz unterschiedlicher Art zum Ausdruck. Galeristen sind Kunsthändler. Wie Händler in anderen Branchen haben sie unterschiedliche Taktiken, um mit ihren Kunden umzugehen. Es werden Golfturniere und Gänseessen organisiert. Oder wie bei Michael Schultz, eine Auswahl an guten Flaschen Rotwein zusammen getrunken. Der Sammler wird Teil einer neuen Familie.

Die Kundschaft in der Kunst ist oft wohlhabend und interessiert an Luxusgut. Sie möchte vom Galeristen überzeugt werden und dabei das Gefühl haben, selbst das Kunstwerk und den künstlerischen Wert erkannt zu haben. Der Galerist wirkt bestätigend und versucht nicht, den Kunden zu belehren. Verkäufer und Käufer sollten zwar auf der gleichen Ebene sein, jedoch dominiert der potenzielle Käufer das Verkaufsgespräch. Teilweise möchte der Kunde, der aus wohlhabenden Verhältnissen kommt, etwas grober behandelt werden. So spricht Judy Lybke seine Kunden gleich beim ersten Mal mit „Du“ an. Der Galerist bespaßt seine Vernissage-Gesellschaft, hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, ist charmant wie auch Galeristin Petra Lange in Charlottenburg. Durch diese unbeschwerte und lockere Art wird der Kunde an die Galerie gebunden.

Der Galerist muss jedoch neben seinem „Clownsdasein“ das Wissen über die Provenienz besitzen, eine Geschichte über das Werk in der Hinterhand haben und genau über den Wertzuwachs Bescheid wissen. Gerade in Zeiten, in denen die Unsicherheit über die Qualität von Kunst, deren Bilder und Skulpturen und Positionen, werden kundige Händler zu Garanten für die Käufer. Ende des 18. Jahrhunderts fand eine Abwendung von akademischer Schönheit hin zu künstlerischer Authentizität statt. Kunsthändler hatten die Fähigkeit den Stil und die Hand des Meisters zu identifizieren und wurden für Sammler unverzichtbar, die anfingen „Namen zu kaufen statt Werke“, wie ein Kunsthändler 1764 bemerkte. (Dossi, Piroschka: Hype. Kunst und Geld. Deutscher Taschenbuch Verlag, München. 2007. 4. Auflage 2008, S. 106, Anmer. 3)

Text aus der Diplomabschlussarbeit (2009) von Peer Kriesel
»Wie Kunst und Design aufeinandertreffen. Eine Studie über die Vermarktung von Kunst.«

Der Künstler – Der Produzent

Wer lebt mit und von der Kunst?

Der Künstler gilt als Schöpfer und oft ranken sich Mythen um diesen Außenseiter. Er schaffte es, sich aus dem Handwerkerdasein zu lösen und ins Rampenlich zu treten, um seine Position zum Leben auszudrücken und den Fokus der Öffentlichkeit auf seine Sichtweisen zu lenken.
Der Künstler spiegelt die Welt und ihre Gesellschaft in Form seiner Arbeit wieder. Er lebt in einer ambivalenten Wirklichkeit zwischen Außenseitertum und Akzeptanzsuche.
Er kämpft stets um Anerkennung und befindet sich ebenfalls immer in einem Kampf gegen sich selbst. Diese Rolle, die in der Antike die des Helden war, entstand mit der Zeit. Vor der Renaissnance war der Künstler ein Handwerker, der mit Pinsel und Farbe oder mit Hammer und Meißel umgehen konnte. Reine Auftragsarbeiten wurden von ihm erstellt.
Dann jedoch löste sich der Künstler aus den Zwängen. Seitdem hat sich das Bild vom Künstler als universalem  Intellektuellen bis zu einer Art „Popstar“ entwickelt.
Erst nach der Renaissance war die Fähigkeit der Schöpfung nicht mehr nur allein Gott zugewiesen. Die Befreiung des Künstlers leitete die Erfindung der Zentralperspektive durch den Maler, Architekten und Bildhauer Filippo Brunelleschi ein. Durch diese Art der Darstellung  konnte eine Illusion der Wirklichkeit erschaffen werden. Der Betrachter stand nun nicht mehr außerhalb, sondern konnte in eine vom Künstler entwickelte Welt eintauchen.
Als die ersten Maler dann als Hofmaler angestellt wurden, entwickelte sich die Emanzipation der Kunst und der Bilderfindung. Und je mehr Adelige und Päpste Bilder von bestimmten Künstlern besitzen wollten und dieser Ehrgeiz das Bedürfnis überlagerte, desto mehr wuchs auch die Autonomie des Künstlers.

Auch wenn sich der Künstler selbst so nicht wahrzunehmen mag, ist er als gesellschaftliche Ikone ein Produkt aus künstlerischen, sozialen und auch ökonomischen Faktoren. Seine künstlerische Bedeutung ist immer abhängig von allen Marktteilnehmern. Diese sind neben dem Künstler selbst Galeristen, Händler, Kuratoren, Kritiker und Sammler. So sind Künstler selbst als Person und ihr Werk Teil der offiziellen Kultur und Spiegel der gesellschaftlichen Werte, aber auch ein Produkt von ökonomischen Interessen.

Der Künstler sitzt, sobald er sich auf den Markt einlässt, zwischen den Stühlen. Einmal lebt er die Vorstellung des freien Individuums und des Schöpfertums, andererseits ist er vom Profit abhängig, der ihm seine Existenz sichert.

Die Geniereligion um Künstler besteht aber seit jeher und erlaubt ihm diesen Spagat, den er sich oft selbst nicht eingesteht, machen zu müssen.
Sie lebt vom Mythos, der sich oft um den Künstler als Genie rankt. Er ist kreativ, hat Vorstellungen, die der normale Mensch nicht hat und kann diese zum Ausdruck bringen.
Der Künstler als Typ sieht sich gerne als andersartig oder lebt ein Leben als solcher. Man lässt ihm Macken und Allüren durchgehen. Es scheint nicht verwunderlich, dass er sensibel und introvertiert zurückgezogen von der Welt lebt und arbeitet. Er ist von Depressionen zerfressen, eigen, selten wirklich anpassungsfähig und meist vom Alkoholismus gequält. Wie sonst, soll er denn auch dem Schicksal des Schöpfers begegnen? Muss es ihm denn nicht gestattet sein durch den Rausch und durch Drogen einmal eine Auszeit von seinem kreativen Laster zu erlangen?

So sieht man den Künstler gerne, und es treibt den Preis nach oben. Der Künstler ist eine undurchschaubare Gestalt, die an seinen Werken wie besessen arbeitet. Im Jahr 2003 wurde ein Film über den Künstler Dieter Roth von Edith Jud produziert. Roth wird als zerrissener und dadurch faszinierender Mensch portraitiert. Der Film, der finanzielle Unterstützung des Schaulagers in Basel erhielt, das zeitgleich eine Retrospektive Dieter Roths vorbereitete, steigerte nach seiner Veröffentlichung den Auktionspreisindex des Künstlers um 50 Prozent. (Dossi, Piroschka: Hype. Kunst und Geld. Deutscher Taschenbuch Verlag, München. 2007. 4. Auflage 2008, S. 190)

Der Kunde ist begeistert, wenn er hinter die Kulissen des Künstlers blicken darf. Denn durch den Kauf erwirbt er auch einen Teil des Künstlers und taucht mit ein in seine Welt. Und das ist oft das, was eigentlich den Ausschlag gibt. So schwärmte der Großsammler Friedrich Christian Flick nicht von der Videoinstallation von Bruce Naumann, sondern von der Reise in eine andere Welt: „Ich bin einer der wenigen, dem er erlaubt hat, ihn zu besuchen. Er lebt sehr zurückgezogen in Galisteo, New Mexico, auf einer Farm. Er ist Künstler, aber genauso sehr Cowboy. Er züchtet Pferde. Ist doch verrückt, oder?“ (Rauterberg, Hanno: Und das ist Kunst. Eine Qualitätsprüfung. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 2008, S. 47, Anmerk. 24)

Der Starkult und sein Mythos ist in der kommerziellen Kunstwelt zum schlagendsten Verkaufsargument geworden.

Und auch wenn der Künstler sich selbst ungern verkauft, im Endeffekt ist er doch vom Geld abhängig, weil er seine Miete bezahlen muss und nicht wie die anderen 95 Prozent noch einen Nebenerwerb bestreiten möchte. (Rauterberg, Hanno: Und das ist Kunst. Eine Qualitätsprüfung. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 2008, S. 77) Oft ist es die mangelnde Fähigkeit, die eine Selbstvermarktung zulässt. Außerdem sind es die Galerien und Kuratoren, die die wahre Qualität nicht erkennen und sich dem korrupten Kapitalismus verschrieben haben.

Manche halten sich wacker als Hardliner und verachten alles, was mit dem Markt zu tun hat, während sich andere schon „warenförmiger“ geben und ihr Werk dem Gebrauch und den Vorlieben des Sammlers anpassen. Das lernen Studenten der Kunsthochschulen. Die Vernetzung in der Szene ist das A und O. So erarbeiten die freien Kunststudenten zur Abschlusspräsentation doch eine Art erste Auftragsarbeit. Und bei der Vernissage dieser drücken sie den Gästen doch eine Preisliste in die Hand, als ginge es bei der Kunst nur um das Verkaufen.
Es werden Kunstwerke so produziert, dass sie auch gut digital versendbar bleiben, teilweise malen die Künstler gar nicht mehr selber, haben Angestellte oder ganze mittelständische Unternehmen, die ihnen zuarbeiten.

Ob ein Künstler der Vermarktung frönt oder dem Idealismus treu bleibt, er möchte in der Regel seine Werke präsentieren, und er möchte Anerkennung und Bestätigung. Geld und Verkäufe bieten ihm diese Anerkennung, die er durch den Verkauf monetär erfährt.

Die Differenzierung zwischen Maler und Künstler hat Picasso einmal erklärt: „Ein Maler malt, was er verkauft. Ein Künstler verkauft, was er malt.“ (Kunst-Sponsoring durch Banken — Das Beispiel des Kunstkonzepts der Deutschen Bank AG von Professor Dr. Hans E. Büschgen, 1996) S. 7.

Text aus der Diplomabschlussarbeit (2009) von Peer Kriesel
»Wie Kunst und Design aufeinandertreffen. Eine Studie über die Vermarktung von Kunst.«

Beuys – der Film

Joseph Beuys während der Räumung des Sekretariats der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf, 1972. ©zeroonefilm/ Bernd Jansen

Beuys. Der Mann mit dem Hut, dem Filz und der Fettecke. 30 Jahre nach seinem Tod erscheint er uns als Visionär, der seiner Zeit voraus war. Geduldig versuchte er uns schon damals zu erklären, dass „Geld keine Ware sein darf“. Er wusste, dass der Geldhandel die Demokratie unterwandern würde. Doch mehr als das. Beuys boxt, parliert, doziert und erklärt dem toten Hasen die Kunst. Wollen Sie eine Revolution ohne Lachen machen? fragt er grinsend. Sein erweiterter Kunstbegriff führte ihn mitten in den Kern auch heute relevanter gesellschaftlicher Debatten.

Aus einer kongenial montierten Collage unzähliger, bisher unerschlossener Bild- und Tondokumente stellen Regisseur Andres Veiel und sein Team ein einzigartiges Zeitdokument zusammen: BEUYS ist kein klassisches Porträt, sondern eine Betrachtung des Menschen, seiner Kunst und seiner Ideenräume.

Die Große Premierentour beginnt am 2. Mai 2017.

URBAN NATION MUSEUM FOR URBAN CONTEMPORARY ART

„Graffiti und Street-Art gehören zu Berlin und umgekehrt. Sie wirken hier wie eine lokale Kunstform: Dem Westen haben sie geholfen, die Mauer bunt zu halten. Sie gestalten und kommentieren seit der Wende den Wandel der Stadt. Welcher Ort könnte besser geeignet sein für diese internationale und niedrigschwellige Kunst?“, brachte es Tim Renner, Staatssekretär für Kulturelle Angelegenheiten, auf den Punkt. Mitte 2017 wird URBAN NATION die ersten Besucher begrüßen können. Bis dahin wird das bestehende Gebäude in der Bülowstraße 7 komplett umgestaltet und umgebaut – und somit auf die große neue Aufgabe vorbereitet: Künstler und Kunstwerke sollen hier gebührend gewürdigt werden.

URBAN-NATIONTim Renner (Staatssekretär für Kulturelle Angelegenheiten), Hendrik Jellema (Vorstandsvorsitzender der Stiftung Berliner Leben), Markus Terboven (Vorstandsmitglied der Gewobag), Yasha Young (Direktorin URBAN NATION) und Thomas Willemeit (Founding Partner GRAFT) begrüßten die zahlreichen Gäste und Pressevertreter, die teils weite Anreisen in Kauf genommen hatten, um diesem Ereignis beizuwohnen. Denn der Baubeginn von URBAN NATION heißt für die Hauptstadt nicht nur, dass sie das erste deutsche Museum für Urban-Art bekommt, sondern auch, dass ein Stück Kunst- und Berliner Stadtgeschichte geschrieben wird.

Raum für Gedanken: Eine partizipative Kunstinstallation von Kathrin Ollroge

Seit September 2014 reist ein mobiles Wohnzimmer durch die Länder in Ostdeutschland. Die Potsdamer Fotokünstlerin Kathrin Ollroge baut ihren „Raum für Gedanken“ für jeweils einige Tage im öffentlichen Raum auf. Auf einer alten Schreibmaschine lädt sie Passanten und Neugierige ein, ihre

Raum für Gedanken in Neuruppin 2014Raum für Gedanken in Neuruppin 2014

Meinungen und Gedanken zum Thema Flucht, Asyl und Nachbarschaft zu formulieren. Parallel werden fotografische Porträts der Teilnehmer angefertigt. Zwei bemerkenswerte Publikationen wurden nun veröffentlicht.

Am 23. Juni 2016 wandert der „Raum für Gedanken“ in die Kommode der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Hier sollen Meinungen der Jurastudenten zu Themen wie Asylrecht,Aufenthaltsrecht, Migrationsrecht für Flüchtlinge in Deutschland und der EU erfasst werden, denn die Meinung der Rechtsberufler von morgen macht neugierig, kann weitere interessante Resultate hervorbringen und neue Denkanstöße geben. Die Künstlerin lädt einige Tage vor Ort Besucher ein ihre bisherigen Publikationen zu entdecken und sich etwas Zeit zu nehmen und Gedanken, Meinungen und Vorschläge zu rechtlichen „Asylfragen“ im „Raum für Gedanken“ aufzuschreiben und sich porträtieren zu lassen. Die Fotografien und Texte sollen im Nachhinein in einer digitalen oder gedruckten Publikation veröffentlicht werden.

In Königs-Wusterhausen

Ein Projekt von Kathrin Ollroge, kuratiert von Katia Hermann mit der freundlichen Unterstützung der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin

Mehr Informationen: www.raum-fuer-gedanken.com

Berlin Art Week 2015

Die Berlin Art Week ist der Berliner Kunstherbst – die ganze Stadt stellt ihre Kunst aus. Unzählige Veranstaltungen und Ausstellungen sind in der Woche vom 15. bis 21. September zu besichtigen – auch wenn nur eine kleine Auswahl von Ausstellungen wirklich offiziell zur Berlin Art Week zählen wie z.b. die abc oder Positions, gibt es noch mehr interessante Positionen Berliner Künstler zu erleben wie z.B. auf der Berliner Liste.
Im Berliner Herbst öffnen aber auch die kleinsten Galerien und Projekträume Ihre Türen und Berlin wird wieder zur Kunsthauptstadt der Welt.

Es ist ein großer gemeinsamer Abend, mit dem die vierte Berlin Art Week in diesem Jahr eröffnet. Am Dienstag, 15. September von 18 – 22 Uhr laden die Berlinische Galerie, die Deutsche Bank KunstHalle und die KW Institute for Contemporary Art zu Ausstellungseröffnungen unter dem thematischen Dach STADT/BILD zusammen mit der Nationalgalerie, die an diesem Abend das EisblockHappening von Allan Kaprow aus dem Jahr 1967 wiederaufleben lässt, ein. Auch die beiden Kunstvereine n.b.k. und nGbK eröffnen Ihren Ausstellungen zum Auftakt der Berlin Art Week: Der Neue Berliner Kunstverein n.b.k.) widmet sich in Kooperation mit der Berlinischen Galerie dem vielfältigen Wirken des Galeristen und Ausstellungsmachers René Block und eröffnet „Ich kenne kein Weekend. Aus René Blocks Archiv und Sammlung“. Gleichzeitig ist erstmals im Showroom des Vereins die Arbeit von Gustav Metzger „Mass Media – Today and Yesterday (1972/2015)“ zu sehen. Thomas Hirschhorn wiederum markiert mit seiner Intervention „6 Feuer“ den Auftakt einer Reihe von Außenprojekten mit internationalen KünstlerInnen an der Außenfassade.
Die neue Gesellschaft für bildende Kunst (nGbK) eröffnet mit „Redemption Jokes“, eine Ausstellung, die die Verbindung zwischen Humor und Kritik in der zeitgenössischen Kunst untersucht. Wieder den patriarchalen Ernst geht es um den Einsatz von Humor – auch darum, kulturellen Phobien die Stirn zu bieten. Zur Eröffnung gibt es ab 21:30 Uhr das DJ Set Studio Spektral & Special Guest Kurt Ernst im Innenhof. Der Schinkel Pavillon lädt zu einem Empfang anlässlich der Ausstellung des USamerikanischen Künstlers Paul McCarthy ein, dessen Interesse dem Echo von Absurdität und Pathos gilt.

Am Mittwoch Abend eröffnet die Berliner Liste, am Donnerstag Abend dann die abc und Positions.

Erleben Sie die Kunst hautnah – jetzt vom 15. bis 21. September 2015! Danach natürlich auch!

Mehr Infos über die Berlin Art Week finden Sie unter: www.berlinartweek.de

Axel Void in der BC Gallery

Axel Void ist 1986 in Miami geboren. Im Alter von 3 Jahren zogen seine Eltern mit ihm nach Spanien, wo er aufwuchs. Axel Void ist stark inspiriert von der klassischen Malerei und Zeichnung und kam als Jugendlicher im Alter von 13 Jahren mit der Graffiti Szene in Berührung. Void studierte Kunst in Contemporary Art institutions und Fine Art schools in Cádiz, Granada und Sevilla.

2010 zog der Künstler nach Berlin, wo er für drei Jahre lebte und arbeitete, zog dann aber wieder in seine Geburtsstadt Miami zurück.

Seite Arbeiten, die man auf seiner Website sehen kann, sind höchst spannend!

Jetzt sind einige seiner Werke zu sehen in der Ausstellung
„SEHNSUCHT“ – A SOLO EXHIBITION BY AXEL VOID

Ausstellung: 16. Juli bis 15. August 2015
Vernissage: 16. Juli 2015, 18–22 Uhr

BC GALLERY
Libauer Straße 14
10245 Berlin
www.bcgallery.de

Maik Wolf bei Michael Schultz

Verlassene Orte haben manchmal etwas Geheimnisvolles an sich. Etwas Ungewohntes, Unwirkliches. Wenn es zu still ist, zu einsam, wirkt zuweilen auch unsere gewohnte Lebenswelt unecht und zieht uns zugleich magisch an. Wir schauen genauer hin, spüren und hinterfragen. „Wenn man Wirklichkeit beobachtet, wird sie schnell surreal. Magisch ist Realität sowieso“ sagt Maik Wolf, der vom 4. Juli bis 29. August 2015 mit seiner Ausstellung TECHTOTEM in der Galerie Michael Schultz zu sehen ist.

Maik Wolf, Techtotem Prognostikon 2, 2014, Öl auf Leinwand, 100 x 70 cmWolfs Werke zeigen surreal anmutende Momente unserer Lebenswelt: verlassene Stadtansichten, architektonische Ensembles, karge Landschaften in fahles, künstliches Licht getaucht. Als Inspiration dienen ihm eigene Fotografien und digitale Skizzen sowie seine Phantasie. Während seine früheren Werke noch wirklichkeitsgetreuere Darstellungen zeigen, enthalten seine späteren Arbeiten zunehmend surreale Arrangements. So finden sich inmitten von Landschaften einzelne Buchstaben, Formen, Symbole, Zahlen in unterschiedlicher Größe und ohne erkennbaren Bezug. Nichts ist fremd im Einzelnen, die Kombination jedoch gibt Rätsel auf, gleich Projektionsflächen des Unterbewussten, das zwar Vertrautes hervorbringt, es jedoch für unser Bewusstsein oft verschlüsselt hält. Die Titel sind ebenso sowohl komplex als auch rätselhaft und spielen auf den Bildinhalt an. Seine neueste Serie „Vexiere“ referieret an Vexierspiele (lat. vexare „plagen“), Rätselspiele, die gelöst, entwirrt oder sinnvoll zusammengesetzt werden sollen. Wie überdimensionale Bauklötzen für Riesen liegen die Formen, Buchstaben und Zahlen umher, laden ein, mit ihnen zu spielen. Seine Werke schaffen neue Wirklichkeiten, in denen wir als ihre Betrachter uns verorten, Raum gewinnen für Reflexion und beginnen, auch in der heutigen Schnelllebigkeit unseres Alltags, Leere zu fühlen, Stille zu ertragen und mit ihrer surrealen Rätselhaftigkeit, das zu hinterfragen, was wir als gewohnt empfinden.

Maik Wolf studierte an der Hochschule für Kunst und Design in Halle und an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Ausstellung vom 4. Juli 2015 bis 29. August 2015
Vernissage: Samstag, 4. Juli 2015, 19 Uhr

Galerie Michael Schultz
Mommsenstraße 34
10629 Berlin

Bild: Maik Wolf, Techtotem Prognostikon 2, 2014, Öl auf Leinwand, 100 x 70 cm / PR Galerie Michael Schultz