Der Gönner – Die Sponsoren

Wer lebt mit und von der Kunst?

In der Kunst sind es oft die Ernergieversorger wie EON oder Banken, die kulturelle Veranstaltungen wie Kunstausstellungen unterstützen.

Wer Kunst-Sponsor ist, poliert sein Image auf. Es findet ein „Image-Transfer“ statt. Der Sponsor gibt zum einen das Geld, jedoch auch einen Teil seine Images an den Sponsornehmer ab. Dafür erhält er aber im Gegenzug das Image der Kunst. Kunst steht für Stil, Schönheit und Ästhetik sowie für Entdeckung und Freiheit.

Der Sponsor bekommt etwas für sein Geld.

Die Synthese von Altruismus und Egoismus formulierte Josef Abs, ehemaliger Vorstandssprecher der Deutschen Bank, 1981 in einem
FAZ-Beitrag zum Kunstengagement der Deutschen Bank trefflich so: „Die Kreditwirtschaft wie auch die Industrie oder private Mäzene haben das verständliche Bedürfnis, jenseits der Welt ihrer beruflichen Belange einmal Uneigennützigkeit zu üben, auf der anderen Seite aber auch den Wunsch, jenen Glanz, der von den schönen Künsten ausstrahlt, auf sich selbst zu lenken.“ (Kunst-Sponsoring durch Banken — Das Beispiel des Kunstkonzepts der Deutschen Bank AG von Professor Dr. Hans E. Büschgen, 1996)

Im Jahr 2007 war die Deutsche Bank zum ersten Mal Hauptsponsor vom Deutschen Pavillon der Biennale in Venedig und hatte ein so großes Spektakel veranstaltet, dass der damalige Auftritt der Künstlerin Isa Genzken in der Erinnerung vom Logo der Firma kaum mehr zu trennen ist. Hier färbt das Image der Weltoffenheit und das gute Gefühl, was man mit Kultur verbindet, auf den Geldgeber ab.

Wie viel Geld als Sponsoringmittel dafür zur Verfügung gestellt wurde ist geheim. Nur eines weiß man: Der Beitrag bewegt sich im oberen sechsstelligen Bereich. (Wer kann das bezahlen? von Swantje Karich, FAZ, 19.11.2008)

Nach eigenen Angaben, gab die Deutsche Bank 2007 weltweit 82,2 Millionen Euro für gesellschaftliches Engagement aus, davon entfielen 24 Prozent auf die Kunst. (Sponsoren bleiben der Kunst auch in der Krise treu, DerWesten, 27.11.2008, http://www.derwesten.de/nachrichten/kultur/2008/11/26/news-93944107/detail.html aufgerufen am 27.11.2008)

Einer IFO-Studie zufolge, förderten 1993 etwa 40 Prozent aller deutschen Unternehmen Kultur im weitesten Sinne und gaben dafür 1994 mindestens 500 Millionen DM aus, wovon auf den Finanzdienstleistungssektor inklusive Versicherungen rund 220 Millionen DM gleich 44 Prozent entfielen.  (Kunst-Sponsoring durch Banken — Das Beispiel des Kunstkonzepts der Deutschen Bank AG von Professor Dr. Hans E. Büschgen, 1996, S.2) Aktuelle Zahlen gibt es nicht. „Leider hat das ifo Institut keine aktuellen Veröffentlichungen zu diesem Thema anzubieten, die entsprechende Forschungsabteilung gibt es schon seit Jahren nicht mehr“, so Susanne Makedonski in einer E-Mail an den Autor.

Professor Dr. Hans E. Büschgen erklärt 1996 in seinem Vortrag „Kunst-Sponsoring durch Banken – Das Beispiel des Kunstkonzepts der Deutschen Bank AG“ warum gerade Firmen, die mit hohem Erklärungsaufwand ihre Komplexität vor ihrer Kundschaft erklären müssen, gerne Kunst fördern. „So verlangt die Bankleistung ab einer gewissen Komplexität einen überdurchschnittlich hohen Erklärungsaufwand, was insbesondere für innovative Finanzdienstleistungen zutrifft, was bewirkt, daß sie oft wie zumindest teilweise die zeitgenössische
Kunst als zunehmend undurchsichtige Sachverhalte empfunden werden.“ Weiter sagt er: „Charakteristisch für Bankleistungen ist das Nichtvorhandensein eines körperlichen Gutes nach dem Leistungserstellungsprozess. Die Immaterialität der Bankleistung induziert, daß sich Banken als Dienstleistungsunternehmen nicht – wie z.B. Konsumgüterhersteller – mit ihren Produkten visuell präsentieren können; ein objektbezogenes Marketing ist damit nicht möglich.“ Wenn die Unternehmung mit ihrer nicht leicht kommunizierbaren Dienstleistung die Nähe zur Kunst sucht und dies auch nach außen hin dokumentiert, kann das die „fehlende körperliche Darstellbarkeit der Bankleistung kompensieren.“ (Kunst-Sponsoring durch Banken — Das Beispiel des Kunstkonzepts der Deutschen Bank AG von Professor Dr. Hans E. Büschgen, 1996, S.7)
Das Komplexe wird nur am Rande wahrgenommen, bleibt aber positiv in Erinnerung. Gerade in Branchen, in denen starke Rivalitäten und hoher Konkurrenzdruck herrscht, können sich Unternehmen mittels der Kunst positiv von ihrem Wettbewerb abheben.

Stets wird von den Sponsoren aber darauf geachtet, dass die unterstützte Ausstellung oder die Kunst ein Mindestmaß an Zeitlosigkeit besitzt, um nicht ungewollt in eine bestimmte Ecke gedrängt zu werden. Es ist dem Sponsor ebenfalls wichtig, dass die unterstütze Veranstaltung zu der Corporate Identity, der Unternehmensphilosophie, passt. Jemand der für Modernität, Dynamik und Originalität sowie Verantwortungsbewusstsein steht, investiert er vielleicht Geld in junge Kunst, die eben solches auch ausdrückt.

Kunst ist beim Sponsoring nur Mittel zum Zweck. 1982 schreibt George Weisman, damaliger Vorstandsvorsitzender von Philip Morris: „Das fundamentale interesse der Wirtschaft an Kunst ist Eigeninteresse.“ (Weisman, George. Philip Morris und die Kunst. München 1982. zit. Dossi, Piroschka: Hype. Kunst und Geld. Deutscher Taschenbuch Verlag, München. 2007. 4. Auflage 2008, S. 96)

Kultursponsoring dient als Symbol. Brücken werden branchenübergreifend geschlagen und dienen dem Image-Transfer, der dem Sponsor, ohne dass er mit der anderen Branche etwas direkt zu tun hat, das positive Image des anderen überträgt. Folge ist die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit des anderen.
Besonders im Kultur- oder Kunstsponsoring unterstreicht das Unternehmen seine Intellektualität. So schreibt Büschgen: „Die Auseinandersetzung mit der Kunst sowie der Besitz von Kunstwerken signalisiert die Zugehörigkeit zu Gruppen von Gebildeten. Dies liegt mitunter in dem Sachverhalt begründet, daß Kunst sich besonders zur Demonstration von Kenntnis, Wissen und Urteilsfähigkeit eignet, bilden sich die Fähigkeiten zum Erkennen von Qualitätsmerkmalen bei Kunstwerken doch erst im dauernden Umgang mit Kunst heraus.“ (Kunst-Sponsoring durch Banken — Das Beispiel des Kunstkonzepts der Deutschen Bank AG von Professor Dr. Hans E. Büschgen, 1996, S.22)

Dadurch ist anzunehmen, dass Kunstsponsoren auf die Zielgruppe der gebildeteren Bevölkerung mit tendenziell höherem Einkommen abzielen, „da aufgrund der sozioökonomischen Merkmale hier ein stärker ausgeprägtes Kunstinteresse zu vermuten ist.“ (Kunst-Sponsoring durch Banken — Das Beispiel des Kunstkonzepts der Deutschen Bank AG von Professor Dr. Hans E. Büschgen, 1996, S.22) Große Banken erhoffen sich Kontakt zu den vermögenden Privatkunden, große Energieversorger hingegen auf mittelständische Unternehmen. Beide Zielgruppen sind durch kommerzielle Werbung eher schwer erreichbar und sind besonders betreuungswürdig. Durch Sponsoring kann Kontakt in einer „nicht-kommerziellen“ Situation oder einem Rahmen hergestellt werden.
Dies geschieht in der Kultur oft durch exklusive Eröffnungen, zu denen das Unternehmen ebenfalls seine Kunden exklusiv einladen kann. Im feierlichen Rahmen finden ungezwungen und in lockerer Atmosphäre Unterhaltungen statt. Sponsoring ist somit neben der Imagepflege eben auch Kundenpflege.

Die Angst vor finanziellen Kürzungen in den Krisenzeiten geht im Kulturbetrieb um, aber die Signale aus der Wirtschaft sind weiter positiv. So betont der Sprecher der Deutschen Bank, Klaus Winker: „Wir bleiben bei dem Level, das wir jetzt haben.“ Das kulturelle Engagement des Konzerns sei mittel- bis langfristig aufgebaut. (Sponsoren bleiben der Kunst auch in der Krise treu, DerWesten, 27.11.2008, http://www.derwesten.de/nachrichten/kultur/2008/11/26/news-93944107/detail.html aufgerufen am 27.11.2008) Jedoch ist allgemein anzunehmen, dass nun Projekte, die gefördert werden sollen, strenger unter die Lupe genommen werden. Außerdem widerspricht dem Sprecher der großen Bank das Gerücht, dass die Deutsche Bank plant, sich als Sponsor des Deutschen Pavillons in Venedig zur nächsten Biennale und der Kölner Art Cologne zurückzuziehen.
Angeblich standen diese Pläne jedoch schon Anfang des Jahres fest und haben nichts mit der Finanzkrise zu tun. (Wer kann das bezahlen? von Swantje Karich, FAZ, 19.11.2008)

Aber auch hier wird die Zeit der Krise und die damit zusammenhängenden Absprünge der Sponsoren als Chance für die Kunst gesehen. Nicolaus Schafhausen, Kurator des deutschen Beitrags in Venedig 2009, bestätigt, dass die Ausführung von Ausstellungen sich „in den vergangenen Jahren drastisch verteuert“ haben. Aber auch das Sponsoring produziere eigene Kosten. Die Eröffnungen werden pompöser und aufwändiger, immer mehr Einladungen würden verschickt und immer mehr Besucher herbeigeflogen. Gerade wegen dieser hohen Kosten kann heute keine Kulturveranstaltung mehr ohne Sponsor existieren. Wenn es weniger „Drumherum“ gäbe, würden die Kosten sinken und man könnte sich wieder auf die Kunst einlassen.

Aber auch den Privatleuten gibt Kunst und dessen Förderung eine Identität. Die Freunde der Nationalgalerie sind ein Verein, in dem sich meist Wohlhabende gegen einen Jahresbeitrag von 600 Euro pro Jahr das Image des Kunstliebhabers oder des Mäzens zulegen. „Am Anfang des Vereins der Freunde der Nationalgalerie standen Leidenschaft für die bildende Kunst, Lust am Wagnis und der Enthusiasmus, den Dieter Honisch und Peter Raue vor über 30 Jahren in den Gründungsmitgliedern ausgelöst haben“, so heißt es auf der Website des Vereins (www.freunde-der-nationalgalerie.de, aufgerufen am 29.11.2008)
Während im unternehmerischen Sinne die Förderung als „Sponsoring“ bezeichnet wird, hört man hier wohl doch lieber den Begriff des „Mäzens“. Das „Mäzenatentum ist die nach dem Römer Gaius Cilnius Maecenas (um 70 bis 8 v.Chr.) bezeichnete Förderung künstlerischer Tätigkeiten durch einen Gönner.“ Maecenas verschafft den Dichtern Horaz und Vergil die nötigen Schaffensfreiräume, so dass sie sich ganz und gar ihrem kreativen Potenzial widmen konnten. Bis heute prägt der Name das Fördern und Unterstützen des Kunstschaffenden.
Obwohl der Mäzen eigentlich ohne Eigennutz handelt, hat er doch Motive für die Förderung des Künstlers. Er demonstrierte damit schon damals Besitz und Macht und machte sich so zu einem Gönner.

Text aus der Diplomabschlussarbeit (2009) von Peer Kriesel
»Wie Kunst und Design aufeinandertreffen. Eine Studie über die Vermarktung von Kunst.«

Der Sammler – Der Konsument

Wer lebt mit und von der Kunst?

Wo die Passion des Sammelns ihre Geburtsstätte hat, ist bei jedem sehr unterschiedlich. Viele Sammler berichten, dass die Leidenschaft zum Sammeln auf einer der vielen Kunstmessen entbrannt ist.
Sie sind oft reiche Erben. So kann man die Namen der weltweit reichsten Familien auf den internationalen Käuferlisten lesen. Aber auch die Selfmade-Milliardäre sammeln zeitgenössische Kunst. Darunter sammeln der französische Unternehmer François Pinault und der Hedge-Fond-Manager Steven Cohen neben Burda und Co.

Insgesamt zählen 2006 laut der Zeitschrift Forbes wohl 500 der 793 Milliardäre weltweit zu den Groß- und Größtsammlern von Kunst. Die Zahl hat sich im Vergleich drei Jahre zuvor verdreifacht. (Rauterberg, Hanno: Und das ist Kunst. Eine Qualitätsprüfung. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 2008, S. 42)

Platon schrieb, dass es die Betrachtung des Schönen ist, wofür es sich zu leben lohnt. Dem Sammler reicht das Betrachten jedoch nicht. Er möchte besitzen. Der deutsche Kunstsammler Christian Boros bestätigt diese These: „Als Sammler willst du haben.“ (Dossi, Piroschka: Hype. Kunst und Geld. Deutscher Taschenbuch Verlag, München. 2007. 4. Auflage 2008, S. 54, Anmerk. 2)
Der Sammler sieht in dem Besitz Macht. Es ist die Herrschaftsmacht desjenigen über die Sache im privaten Universum.
Vergleichbar ist das Sammeln von Kunst, dem Objekt der Begierde mit der Jagd nach dem Kopf in primitiven Gesellschaften, oder das Sammeln von Reliquien im Mittelalter. In der Vorstellung sind all diese Objekte mit einer Kraft beseelt, die auf den Besitzer übergeht. Ob Gefühle des Alleinseins, Ohnmacht, das Streben nach Einzigartigkeit oder Zugehörigkeit – es gibt immer ein passendes Objekt, der den Seelenzustand lindert, oder für kurzen Augenblick an dessen Stelle tritt. Ist der Moment vorbei, gibt es einen nächsten Wunsch.

Der Sammler ist aber auch ein Kind. Infantil erweckt er das Objekt, das Kunstwerk, wie einen Teddy zum Leben. Das Sammeln ist dann die Anhäufung von Gegenständen, zu denen der Sammler eine langlebige und persönliche Bindung aufbaut. Sie dient dem Schutz vor dem Gefühl der Verwundbarkeit.

In der Vorstellung beherbergt der Schädel des Feindes für einen melanesischen Kopfjäger „mana“, eine unsichtbare Kraft, die den Krieger zum Sieg führt. Für den mittelalterlichen Christen besaßen die Knochen eines Märtyrers eine Energie, die ihm unermesslichen göttlichen Schutz bot.

Heute bietet uns die Industrie Schönheit und Erfolg, wenn wir deren, in der Werbung beworbenen, Produkte benutzen. Dieses Übertragen von Vorstellungen auf Produkte und ihre positive Wirkung wird als „emotional branding“ bezeichnet.

Jedoch ist Sammeln noch eine gesteigerte Form des Konsums. Eine Sammlung drückt immer die Identität und die Beschaffenheit seines Besitzers aus. Und so möchte der Sammler auch gesehen werden, als Schaffender nach dem Schaffenden. Er ist nicht nur Käufer und Manager seiner Sammlung, er sieht sich gerne als moderner Medici. (Hype, S. 61, Anmerkung 8). Das ist die ein Gruppe der Sammler.
Die andere sehnt sich nur nach Prestige und Anerkennung. Dort fehlt ein Zusammenhang zwischen den Werken. Oft lassen Sammler sammeln. Die Auswahl übernimmt dann eine Galerie, die weiß, was im Wert steigen wird.
Es sind diejenigen im Auktionshaus, die eh schon alles haben und ihren Reichtum durch Schmuck oder ihr Auto nicht mehr präsentieren können, die die Preise ins Unermessliche steigen lassen. Es geht hier um Provokation und infantilen Machtstreit im Raum der Auktion. Wer bekommt den Zuschlag? Derjenige, der den längeren Atem hat und die tiefere Tasche besitzt, profiliert sich durch den Gewinn der Versteigerung und die Genugtuung, jemand anderem das Objekt der Begierde weggeschnappt zu haben. Für die neu aufkommende Sammlerschaft aus Osteuropa und China ist der Kauf teurer Kunst die Eintrittskarte in die Luxuswelt. Geld spielt hier keine Rolle – Hauptsache es ist teuer!

Das Sammeln unterliegt meist einer Ordnung und einem Gleichgewicht der Dinge untereinander. Die Reihenfolge ist die Aneignung des Objekts, das Ordnen, die Gestaltung und die Vervollständigung, die auch in einer Sammelsucht enden kann. Räumt man eine Ecke des Zimmers auf, kann es gut sein, dass danach die ganze Wohnung geputzt ist.

Das Sammeln ist die unendliche Geschichte des Konsums. Hat der Sammler das eine ergattert, ist der Wunsch nach dem anderen geweckt.

Wie auch beim Sammeln von Überraschungseierfiguren ist der Sammler stets auf der Suche nach Schnäppchen und Neuentdeckungen. Der Trend zeichnet sich ab, dass sich die Zahl der Sammler für Gegenwartskunst in den letzten zehn Jahren verdoppelt bis verfünffacht hat. (Dossi, Piroschka: Hype. Kunst und Geld. Deutscher Taschenbuch Verlag, München. 2007. 4. Auflage 2008, S. 65) Es wird in die Junge Kunst investiert und auf junge Künstler gesetzt. Berühmteste Sammlerin, die ausschließlich die jüngste Generation sammelt, ist Ingvild Goetz, die in München ihr eigenes Privatmuseum eröffnet hat.
Wer früh genug den Riecher hat, und wenn zum Schluss alle in die gleiche Richtung schwimmen und alle dem Hype hinterherhechten, desto mehr Genugtuung hat der Käufer. Wer spät einsteigt, muss mehr bezahlen.
Es scheint ein Spiel der Superreichen zu sein. Man schaut neidisch zu der Sammlung seines Rivalen, der schon einen bestimmten Künstler hat, der momentan voll im Trend liegt und gerät unter Druck. Im Gegensatz zum Aktienhandel bei dem Insidergeschäfte seit 1995 unter Strafe stehen, sind diese im Kunstbetrieb erlaubt. Wer dazu gehört, weiß, wann eine Retrospektive bevorsteht und die Preise eines Künstlers in die Höhe schießen.

Es gibt die Sammler, die auf Namen der Künstler vertrauen und das Sammeln, was gerade in der Mode ist und es gibt die Giganten, die vorgeben, welche Marken angesagt sind. Wenn beispielsweise Charles Saatchi Werke eines Künstlers kauft, kann man davon ausgehen, dass sich dieser danach kaum noch vor Anfragen retten kann. Es geht hierbei aber um Gewinnmaximierung.

Die leidenschaftlichen Sammler, bilden jedoch das Gros, die Kunstwerke kaufen, die ihnen etwas sagen oder zu sagen scheinen. Es sind dann auch nicht immer die Superreichen, sondern auch „normale“ Privatsammler, die aus Überzeugung kaufen und sich mit der Arbeit identifizieren.
„Viele Sammler sind um die fünfzig Jahre alt, haben zwanzig oder dreißig Jahre hart gearbeitet und möchten ihr Geld nun in bleibende Werte investieren. Andere sind zwischen dreißig und vierzig und interessieren sich für ein bestimmtes Sammlungsgebiet wie Modephotographie, experimentelle oder Aktphotographie. … Es gibt auch eine ganz neue Generation von Sammlern, die sich auf Photographie spezialisieren. Diese Sammler mischen ganz verschiedene Stile und Epochen. Wieder andere kaufen nur ein einziges Werk, das Ihre Aufmerksamkeit gefesselt hat, und leben damit. Der Anteil von jungen Sammlern (bis Mitte 30) liegt bei etwa 20-30 Prozent.“, so beschreibt die Galerie Kicken in Berlin ihre Käufer. (E-Mail an den Autor, 8.1.2008)

Der kleine Sammler macht 95 Prozent des Umsatzes aus. (Und das ist Kunst?, S. 41) Die Gemeinsamkeit: Egal ob reich oder nur Geringverdiener, die Sammler sind diejenigen, die gerne über das Werk und dessen Hintergrund philosophieren und sich mit dem Künstler austauschen wollen. Sie verwirklichen sich und ihre – meist unterdrückten – Gefühle im Kauf einer künstlerischen Arbeit, die die Freiheit widerspiegelt, die sie selbst meist nicht besitzen. So ist es doch keine Seltenheit, dass äußerlich spießige Manager im Anzug, in ihrem Büro ein „wildes“ Kunstwerk zu stehen oder zu hängen haben. Und der innerlich Zerrissene gönnt sich die ersehnte Ruhe in einem Bild voller Harmonie. Aber alles geschieht mit dem Hintergrund der Freude an der Neuentdeckung und dem Erleben der Kunst.
So betont der italienische Sammler Giuseppe Panza di Biumo 2004 im Schweizer Kulturmagazin „du“: „Das, was alle sowieso kannten und was außerdem viel zu teuer war, das interessierte mich nicht. Ich wollte neues entdecken und den schöpferischen, künstlerischen Moment miterleben, verstehen, was die Künstler dachten, wollten, liebten. […] Solange ich lebe, werde ich nach Dingen suchen, die die Intensität des Lebens ausdrücken.“ (Blomberg, Katja: Wie Kunstwerte entstehen. Das Geschäft mit der Kunst. Murmann Verlag, Hamburg, 2005. 3. Ausgabe März 2008, S. 79, Anmerk. 58)
Ivo Wessel, Softwareentwickler und Sammler in Berlin, kauft nur, was ihm Lust bereitet. (Blomberg, Katja: Wie Kunstwerte entstehen. Das Geschäft mit der Kunst. Murmann Verlag, Hamburg, 2005. 3. Ausgabe März 2008, S. 80, Anmerk. 59)

So muss man zum Schluss doch zwischen den Sammlern, Käufern, Spekulanten und wirklichen Kunstliebhabern unterscheiden, obwohl das Resultat das Gleiche ist: Wer Geld für Kunst ausgibt, hat etwas für die Bildung und die Menschlichkeit getan, indem er dem armen Künstler, dem Außenseiter, geholfen hat. Er darf sich als Sponsor der Künste fühlen, auch wenn er nur kauft, ohne wirklich zu konsumieren. Prestige ist nirgendwo so gegen Geld einzutauschen, wie im Kunstbetrieb.

Text aus der Diplomabschlussarbeit (2009) von Peer Kriesel
»Wie Kunst und Design aufeinandertreffen. Eine Studie über die Vermarktung von Kunst.«

Werbung in der Kunst

WIE ENTSTEHEN TRENDS, HYPES UND WER BILDET MEINUNG?

Eigentlich ist es unmöglich, spezifische Merkmale in der Werbung für Kunst festzumachen. Es gibt eine Vielzahl an Gestaltungen und Anzeigenkonzepten.
Ich werde im Folgenden auf eine Auswahl an Gestaltungsprinzipien eingehen.

Um die Werbung in der Kunst zu beschreiben, muss man zum einen die unterschiedlichen Zielgruppen betrachten, an die die Anzeigen oder Plakate gerichtet sind. Außerdem variieren die Anzeigen je nach den Bereichen der Kunst, in der die Werbetreibenden tätig sind.

Für reine Ausstellungen, die „nur“ um Besucher werben, werden andere Gestaltungen und Strategien entwickelt als für Galerien im Allgemeinen. An der Typografie in der Kunstwerbung erkennt man ebenfalls, ob es sich um eine etablierte Galerie für moderne Kunst handelt, oder ob in der Galerie „Contemporary Art“ oder Junge Kunst zu finden ist. Auf letztere möchte ich eingehen.

Die Zielgruppe der Käufer und Sammler wird anhand von Anzeigen in den Fachzeitschriften wie Artforum informiert. Dieses Magazin besteht aus einer Aneinanderreihung von Anzeigen internationaler Galerien.

Fast ausschließlich wird in diesen auf den Namen des Künstlers, die Dauer der Ausstellung sowie den Namen und Adresse der Galerie hingewiesen.
Handelt es sich um zeitgenössische Kunst, werden serifenlose Schriften verwendet.  Um Kunst der Moderne anzupreisen, nutzen Galerien und Auktionshäuser klassische Serifenschriften.
Die Schriftart Helvetica ist ein beliebtes Stilmittel, um kenntlich zu machen, dass die Galerie „junge Kunst“ anbietet. Diese sind oftmals in Versalien gesetzt. Die rein typografischen Anzeigen bestehen nur aus einer Auflistung von Überschriften, die hierrachisch zuerst auf den Künstler, den Ausstellungszeitraum und dann auf die Galerie aufmerksam machen.
Einige Galerien verwenden für ihre Werbung ausschließlich Typografie und verzichten komplett auf Bildmaterial.
Die meisten jedoch präsentieren ein Bild oder einen Ausschnitt einer Arbeit der beworbenen Künstler, das meist in den Hintergrund gesetzt ist. Die Typografie, die Schrift bilden immer das zentrale Gestaltungsmittel.
Umso mehr fiel mir eine Anzeige der Galerie Blum & Poe aus Los Angeles auf, die im Artforum nichts außer ihre Ladenfassade präsentierte. Man konnte nur „Blum & Poe“ auf der Hausfassade lesen. Sie ist auch die einzige Galerie, die sich selbst und keinen Künstler bewirbt.

Die Galerie „El Sourdog Hex“ aus Berlin listet auf einer Doppelseite im Artforum ihre Ausstellungen von 2007 bis 2009 auf. In den Zeiten der Unsicherheit möchte sie vielleicht Stabilität und Beständigkeit ausdrücken.

Max Hetzler verwendet immer einen Gestaltungsrahmen, im wahrsten Sinne des Wortes. In immer wechselnden Farben ist der Name des jeweils vertretenen Künstlers eingerahmt dargestellt.

Im Allgemeinen würde man davon ausgehen, dass die einzelnen Anzeigen in diesem „bunten Sammelsurium“ untergehen. Jedoch scheinen Sammler, da ist sich Jan Wentrup sicher, die Anzeigen aufmerksam durchzublättern und wirklich zu lesen. Sonst würde diese Konzentration an Werbung in einem Magazin nicht funktionieren. Dafür gibt es im Artforum keine Werbeanzeigen von Unternehmen, die mit Kunst nicht direkt in Kontakt stehen wie beispielsweise im Monopol oder ART Magazin. Dort findet man die Luxusgüterindustrie mit ihren Anzeigen für Champagner, Luxuslimousinen und Uhren.

Die andere Zielgruppe, die Kunstinteressenten, Ausstellungsgänger, das kulturell interessierte „normale“ Volk, wird in populären Magazinen, Tageszeitungen und auf der Straße angesprochen. Der Unterschied ist hier, dass auch die Menschen, die noch nicht wussten, dass sie sich für Kunst interessieren, auf das Ereignis aufmerksam gemacht werden müssen. Dafür werden neben Anzeigen und Plakaten ganze Werbekampagnen geschmiedet, um einen Wiedererkennungswert zu schaffen. Die Ausstellung oder das kulturelle Ereignis wird zu einer Marke.
So gelang es der Neuen Nationalgalerie mit der Werbekampagne für die Ausstellung „Die schönsten Franzosen kommen aus New York“, 680.000 Besucher in vier Monaten anzulocken. Die Farben der Tricolore Frankreichs waren in der ganzen Stadt wahrzunehmen. Wie auch bei der Ausstellung „Das MoMA in Berlin“, wo während der Zeit die Farbe Magenta überall zu sehen war, wurde das Ereignis zu einer Marke. Die nicht abreißen wollende Schlange vor der Nationalgalerie verstärkte das Bedürfnis eines Besuches der Ausstellung. Allgegenwärtig wurde das Ereignis zu einem Muss für jeden Berliner und für jeden Touristen. Jeff Koons’ „Hanging Heart“ sieht man auf Werbebannern im Internet auf Seiten von populären Lifestyle-Magazinen.

Um eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen, muss die Werbung populärer aufgestellt sein und sich gegen alle anderen Bedürfnissen der Menschen neben Douglas, McDonalds und Co behaupten. Großereignisse wie auch das Art Forum in Berlin und öffentliche Ausstellungen sind breitgefächerter in Medien präsent, um mehr wahrgenommen zu werden. Einen Zusammenhang und die schon erwähnte Wiedererkennung erreicht man durch Entwicklung eines Corporate Designs sowie einer Vermarktungsstrategie. Diese werden medienneutral entwickelt, um später ein breites Publikum, die breitere Zielgruppe in unterschiedlichen Medien, sei es durch Werbung auf Bussen, Radiospots, Plakatwerbung, Anzeigenschaltung und im Internet erreichen zu können.

Da im Allgemeinen die Kulturinteressierten auch eine bessere Bildung haben, kann man diese Zielgruppe ebenfalls durch konsequente und professionelle Pressearbeit erreichen. Ein Grundinteresse ist ebenfalls vorhanden.

Die Rolle des Internet auf dem Kunstmarkt

Das Internet gilt heute mit zu den bedeutendsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte. Noch nie war es einfacher an Informationen zu kommen und eben solche auch zu versenden.

Sir Timothy John Berners-Lee hat das Internet wohl nicht erfunden, aber er hat es der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Vorher nur als eine Geheimwaffe des Pentagon genutzt, erfand Berners-Lee – heute im Vorstand des World Wide Web Consortiums und Professor am MIT in Massachusetts (USA) HTML (Hypertext Markup Language), eine Seitenbeschreibungssprache der heutigen Websites und begründet das World Wide Web.

Nie zuvor ließen sich Bilder und Informationen in alle Welt und zu jedem Kunstinteressierten senden, der eine Anfrage gestellt hat.
Das macht das Internet für den Kunstmarkt zu einem wichtigen Hilfsmittel und Medium, um die Kunst an den Mann zu bringen. Das bestätigt die Galerie Kicken: „Der Kunstmarkt war einer der ersten globalen Märkte überhaupt, der sich unglaublich erweitert hat durch das Internet, das billige Reisen. Das ist der Vorteil der Globalisierung“. (E-Mail an den Autor, 8.1.2009)

Es lassen sich schneller Gerüchte streuen, Hypes generieren und eine Bekanntschaft des Künstlers erringen.

Inzwischen gibt es kaum noch Museen, Galerien, Auktionshäuser, Messen sowie Publikationen, die ohne eine Präsenz im Internet auskommen. Jede Kunstveranstaltung bedient sich den Möglichkeiten der digitalen Technik, sei es das Generieren einer wachsenden Newsletterdatenbank für Interessenten oder die Presseakkreditierung in digitaler Form.

Außerdem sind immer mehr Kunst-Portale im „Netz“ entstanden, die eine fast unbegreifliche Fülle an Wissen und Nachrichten bieten, indem sie wieder mit anderen Websites und Portalen vernetzt sind.
Ein Klick genügt und man gelangt zu den gewünschten Informationen auf einer der immer mehr werdenden Seiten im Internet.

Die Website einer Galerie dient heutzutage als Visitenkarte und als Schaufenster zur Öffentlichkeit. Der Besucher und Kunstinteressent kann sich schon im Vorfeld einen Eindruck der ausgestellten Kunstwerke verschaffen. Auf manchen Seiten kann man E-Mail-Newsletter abonnieren. Wie aber auch in allen anderen Medien spielt die Internetpräsenz eine wichtige Rolle für das Image der Galerie oder des Händlers und dessen Kunst er vertreibt. Trotzdem gibt es deutliche Unterschiede in der Qualität der Internetpräsenzen der Berliner Galerien. Teilweise wimmelt es von Rechtschreibfehlern, Verlinkungen, die ins Leere führen. So haben teilweise die großen Galerien Webseiten, die eigentlich einem alten Standard entsprechen, obwohl sie sie selber als sehr wichtig und umfangreich beschreiben.

Für Galeristen kann das Internet aber auch andere Schattenseiten aufzeigen. Im Zeitalter von Amazon und eBay werden teilweise Preise erschüttert.
Am 20.10.1999 lautet ein Titel auf Golem.de, dem Online-Magazin für „IT-Profis“ und die Medienwelt: „eBay attackiert Christie’s und Sotheby’s“. Unter dem Namen „Great Collections“ hat eBay einen Trend entdeckt und eine eigenständige Online-Plattform für hoch- und höchstwertige Kunstgegenstände eingerichtet.

„Jetzt kommt erstmals echte Kunst in das Internet. Das ist das Ende der bisherigen Quasi-Monopole von Christie’s und Sotheby’s“, meinte eBay.
Als Zielgruppe für Great Collections nannte  das weltweit größte Online-Auktions-Portal in erster Linie Galeristen, Kunsthändler, Auktionshäuser und Juweliere, spricht aber in Wirklichkeit ein Millionenpublikum an. (http://www.golem.de/9910/4876.html / 20.10.1999 / aufgerufen am 18.9.2008)

Das Monopol der Traditionshäuser, in denen Versteigerungen exklusiv zwischen Champagner und Kaviar, stattfinden, ist seitdem gebrochen.

Im Oktober 2006 versteigerte der Münchener Förderverein des Hauses der Kunst seinen gesamten Bestand. Darunter fanden sich Bilder von Picasso, Dix, Mirò und Richter. Die Erklärung dafür waren die hohen Kosten für Lagerung und Versicherung der Bilder, die bis zu dieser Zeit im Keller auf ihre Kunstinteressenten warteten.

Im Juli 2007 wurde damit begonnen, Lagerbestände niederländischer Museen bei eBay zu versteigern.
Weil die Depots maßlos überfüllt seien, wurden 1.300 Arbeiten, Zeichnungen aber auch Gemälde, veräußert. Ab dem 4. Juli sollten an jedem Sonntag um 21 Uhr 50 weitere neue Objekte auf der Startseite des Onlineauktionshauses eBay  angeboten werden. Das „Amsterdamer Instituut Collectie Nederland“ (ICN), das es sich zur Aufgabe gemacht hat, das kulturelle Erbe der Niederlande zu schützen und zu fördern, erhofft sich durch die Erlöse der Auktionen neue Kunstankäufe und Aufbau der Sammlungen niederländischer Museen. Fünf Museen nehmen an dem Pilotinternetprojekt, welches Kritiker als „Groß-reine-machen“ bezeichnen, teil.
Etwas komisch erscheint es schon, wenn der Käufer eines Ölgemäldes des niederländischen Malers Ed Dukkers (1923-1996) für 2.020 Euro „pleun123“ heißt.
(http://www.zeit.de/online/2007/29/kunst-ebay-versteigerung?page=1 / Susanne Schmetkamp | © ZEIT online  17.7.2007 – 04:34 Uhr/ aufgerufen am 18.9.2008)

In Deutschland sind jedoch Verkäufe von staatlichem Museumsgut kein Thema, so Markus Gnad vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. „Die staatlichen Museen in Bayern haben einen Sammlungsauftrag und nehmen grundsätzlich nicht am Kunsthandel teil.“
Eine Auktion von Museumsbeständen widerspreche „völlig dem Museumsgedanken“, sagte auch Matthias Henkel, Sprecher der Staatlichen Museen zu Berlin. „Unsere Aufgabe ist es, Sammlungen zu erhalten, auf keinen Fall zu veräußern. Zudem entdeckt man manchmal nach Jahren noch richtige Schätze in den Magazinen, die dann gegebenenfalls unter einem neuen Aspekt gesehen werden.“

Nichts desto trotz scheint das Internet eine Möglichkeit zu sein, Kunst zu verkaufen. Das bietet auch unbekannter, wenig beachteter oder alter Kunst, der es an öffentlicher Aufmerksamkeit mangelt, einen alternativen Vertriebsweg.

In Deutschland, neben Großbritannien und den USA gehört die Rubrik „Antiquitäten und Kunst“ laut eBay zu einer der umfangreichsten auf dem Internetportal. Um die 180.000 Artikel werden unter den virtuellen Hammer gebracht. (http://www.zeit.de/online/2007/29/kunst-ebay-versteigerung?page=2 / Susanne Schmetkamp | © ZEIT online  17.7.2007 – 04:34 Uhr/ aufgerufen am 18.9.2008)

Auch wenn im März 2004 eine Collage von Pablo Picasso für 160.000 Dollar über eBay versteigert wurde, bleibt das eher der Ausnahmefall. Dieses Gebot ist bisher das höchste, welches bei einer Onlineauktion abgegeben wurde. Sotheby’s hatte sich bereits 2003 aus dem virtuellen Auktionsgeschäft mit einer eigenen Plattform verabschiedet. (Blomberg, Katja: Wie Kunstwerte entstehen. Das Geschäft mit der Kunst. Murmann Verlag, Hamburg, 2005. 3. Ausgabe März 2008, S. 21)
Christie’s hingegen eröffnete seinen Kunden im Jahr 2006 die Möglichkeit über „Christie’s Life“ online mitzubieten. Auf diese Weise wurden vom New Yorker Auktionshaus innerhalb eines Jahres um die 39 Millionen Dollar umgesetzt.

Für schnellverfügbare Informationen jedoch scheint es sich eher zu lohnen. Als Pionier entstand in den Neunziger Jahren das Portal von artnet.com aus New York, die inzwischen mit einer deutschen Website (artnet.de) ebenfalls aufwarten. In den Jahren seiner Arbeit entwickelte sich eine Datenbank von über 3,5 Millionen Einträgen, 180.000 Künstlern mit Preisen, 15.000 Künstleradressen im „Gallery Network“ sowie eine Liste von 1.900 Galerien-Websites. Heute führend, gelangt der Benutzer bei Artnet an seriöse Informationen über internationale Kunst.
Andere Plattformen, auf denen man Informationen erhalten und Kunstwerke erstehen kann, sind neben eBay noch kunstmarkt.com, artinfo24.com, Extralot.com, artfacts.net und artprice.com. Die Angebote dabei sind aber im Erscheinungsbild wie auch im Preisniveau sehr unterschiedlich.

Die weltweit größte Kunstmarkt-Datenbank hat dabei artprice.com und bietet dabei Zugriff auf 25 Millionen Auktionsergebnisse und Künstlerbiografien. Permanent werden hier die Ergebnisse von fast 3.000 Auktionshäusern ausgewertet. Noch bis 2002 gab es die jährlichen Ergebnisse in gebundener Form, seit dem auch auf CD-ROM. Ab vier Euro im Monat kommt man auf der Website des Unternehmens an das gesammelte Datenmaterial. (www.artprize.com) (Herstatt, Claudia: Fit für den Kunstmarkt. Hantje Cantz. Ostfildern, 2007, S. 30) Hier scheint der Inhalt weit über dem Design und der Übersichtlichkeit zu stehen. Die Internetpräsenz ist unübersichtlich und scheint seit Jahren gestalterisch nicht bearbeitet worden zu sein.

Die deutsche Wochenzeitung „Die Zeit“ hat ein eigenes Portal unter kunst.zeit.de eröffnet und bietet dort Repliken und Editionen im eigenen Shop an. Diese Website steht in direktem Bezug zum Magazin Weltkunst, das ebenfalls aus dem Hause des Zeitverlags stammt. Neben Terminen findet man hier auch Verweise zu Kunsthändlern und Auktionshäusern. Auffällig ist, dass Weltkunst.de, kunst.zeit.de und  kunstundauktionen.de die gleichen Seiten in unterschiedlichen Farben  darstellen und mit Links untereinander verbunden sind. Damit steigen sie im Google-Ranking.

Auch wenn in der Kunstwelt das Verhältnis zum Internet gespalten ist und sich nur langsam eine Akzeptanz entwickelt, ist der Gründer von Artnet, Hans Neuendorf, optimistisch. „Das Internet ist das ideale Medium für den Kunstmarkt. Er ermöglicht eine Verbesserung der Preistransparenz, eine dramatische Senkung der Werbe- und Kommunikationskosten, einem mühelosen Marktüberblick und schließlich die Lösung des Kernproblems, des Mangels an Liquidität. Käufer und Verkäufer werden sich zu geringen Kosten über das Internet finden, und der Markt wird von seinen Beschränkungen erlöst und insgesamt viel größer und liquider werden … Die Galerien und mit Ihnen der Kunde, der fachkundige Beratung schätzt, werden die großen Gewinner des Internets sein.“ (Blomberg, Katja: Wie Kunstwerte entstehen. Das Geschäft mit der Kunst. Murmann Verlag, Hamburg, 2005. 3. Ausgabe März 2008, S. 22 hinweis/Anmerkung)

Es bleibt dabei: Kunst wird fast ausschließlich, jedenfalls im Hochpreissegment, nur als Auflagenkunst oder in Editionen im Internet vermarktet und verkauft. Das sinnliche Erlebnis der Einzelstücke und der Originale findet nur in der realen Welt statt. Die haptische Qualität lässt sich nicht auf dem Bildschirm nachbilden.
Gerade für den Laien lässt sich weder die Echtheit eines Kunstwerks im Internet  feststellen noch die Qualität der Arbeit abschätzen. Durch Farbverfälschungen können ebenfalls Fehlbeurteilungen auftreten.
Das Kunstwerk muss sinnlich auf den Betrachter einwirken und zur Not kann der Galerist live ins Geschehen eingreifen und noch „Überzeugungsarbeit“ leisten.

Das Internet, so kann man sagen, hat sich bis heute nicht als anerkannte Plattform herauskristallisiert, um hochwertige Kunst zu verkaufen. Dieses Medium dient folglich primär der Recherche, und es gibt den Galerien und Künstlern dieser Welt die Möglichkeit, kostengünstig zu kommunizieren und zu werben.

Die Rolle der Printmedien in der Kunst & auf dem Markt

Im Vergleich zu anderen Gütern gibt es in den öffentlichen Medien wie Fernsehen oder Radio zwar immer mehr Informationen über Kunst zu hören und zu sehen. Dennoch ist es in dieser Sparte doch eher das Fachmagazin, welches einen Überblick verschafft.
Magazine, wie das ART Magazin, Kunstforum International oder Monopol erscheinen monatlich und gibt es im gut sortierten Zeitschriftenhandel zu kaufen.
Es gibt aber auch Magazine, die kostenlos in Galerien ausliegen wie das hochwertig gestaltete Kunst Magazin Berlin. Für den Überblick über Ausstellungen und Eröffnungen Berliner Galerien gibt es den Berliner Kunstkalender, der in Galerien gegen einen Unkostenbeitrag von 2,50 Euro zu haben ist.

ART-Magazin
Seit 1979 gibt es das ART Magazin, welches vom Hamburger Verlag Gruner + Jahr vertrieben wird.
ART gilt als populärer Meinungsmacher in der Branche, der die konservativeren Kunstinteressenten bedient. Das Magazin ist zum großen Teil journalistisch recherchiert, bebildert und dokumentiert Tendenzen in der Kunstszene. Es werden Künstler, Galeristen, Sammler und andere Akteure des internationalen Kunstmilieus portraitiert. Es gibt Nachrichten und einen Ausstellungskalender über Kunstveranstaltungen weltweit.
Besonders hervorzuheben ist die Website des Magazins. Unter art-magazin.de kann man ältere Artikel aus vergangenen Heften suchen, finden und nachlesen. Bilder jedoch gibt es nur in dem Heft, auf das verwiesen wird.
Aber auch eigenständig funktioniert das Kunstmagazin online. Es gibt täglich  aktuelle Nachrichten, Ausstellungstipps der Woche unter dem Namen „Gib mir fünf!“ und eben ein Archiv von Artikeln, die seit 1979 im ART-Heft erschienen sind.

Halbjährlich findet sich in der Printausgabe ein postkartengroßes Beilagenheft mit den Ausstellungs-Highlights, Biennalen und Messen im Überblick.

Weiterführende Links:
www.art-magazin.de

KUNSTFORUM International
„… ‚Kunstforum International‘, die wichtigste Zeitschrift für die aktuelle Kunst in Deutschland, …“, so Dr. Wulf Herzogenrath, Vorsitzender des Kölnischen Kunstvereins. (Quelle: http://www.artcontent.de/kunstforum/01_home/020_ueber/feedback.asp/ Aufgerufen: 27.9.2008)
Dieses Magazin erscheint alle zwei Monate und besteht aus einer Sammlung von Texten, die der Verleger Dieter Bechtloff im Kunstforum International zusammenfasst. In diesem schweren Kompendium schreiben international anerkannte Kunstkritiker, oftmals auch Mitglieder des Internationalen Kunstkritikerverbandes (AICA), und geben wohl den umfangreichsten Überblick über das aktuelle Ausstellungsgeschehen.
Das seit 1973 existierende Magazin erschien fast von Anfang an in einem ästhetischen Understatement und besteht aus weißen Buchdeckeln als Grund.
Das Kunstforum International bietet seinen Kunden, Abonnenten und Lesern einen Rechercheservice an. Hier hat man, nach Eingabe einer Kundennummer und einem persönlichen Passwort, Zugang zum, wie sich der Verleger selbst bezeichnet, „größten Informationspool zur aktuellen Kunst mit
Zugriff auf 18.000 Texte und rund 100.000 Abbildungen aller erschienen Bände seit 1973 – 35 Jahre Kunstgeschichte im Überblick“. (Ehemalige Startseite: http://www.artcontent.de/kunstforum/01_home/ / 27.9.2008 > heute: https://www.kunstforum.de)

Weiterführende Links:
https://www.kunstforum.de

MONOPOL
Relativ neu erscheint seit 2004 das Kunstmagazin MONOPOL. Die Herausgeber Amélie von Heydebreck und Florian Illies, ehemaliger FAZ-Feuilletonist, veröffentlichten das Magazin vorerst nur als Blatt von der Szene für die Szene. Durch großen Erfolg und eine Mischung aus Artikeln, die die junge Leserschaft ansprachen und einen anderen Blickwinkel auf den Kunstbetrieb gab, kaufte der Schweizer Sammler und Verleger Michael Ringier das Magazin auf und veröffentlicht seitdem das heutige Monopol Magazin monatlich.
Als Gegenpart zum ART bietet dieses Magazin einen Blick auf jüngere Künstler und Geschehen der aktuellen Kunstszene. Etwas eher am Puls der Zeit bedient dieses Magazin ein breitere Öffentlichkeit. Für Jan Wentrup, Berliner Galerist, ist das Monopol der „Stern“ des Kunstbetriebs. (Interview mit dem Autor, 21.1.2009)

Weiterführende Links:
www.Monopol-Magazin.de

ARTIST Kunstmagazin
Mit der inzwischen schon 76. Ausgabe präsentiert sich das ARTIST Kunstmagazin mit Sitz in Bremen ungemein sachlich, einem klaren Design, und doch bezieht es Stellung.
Konsequent werden Künstler aus der internationalen Gegenwartskunst portraitiert sowie Künstlermeinungen und -editionen vorgestellt.

Weiterführende Links:
www.artist-kunstmagazin.de

Texte zur Kunst
„TEXTE ZUR KUNST steht für kontroverse Diskussionen und Beiträge international führender Autor/innen über zeitgenössische Kunst und Kultur.“ so ist es auf der Startseite dieses eher ideologischen Blattes zu lesen. (Startseite/textezurkunst.de/ 28.9.2008)
1990 wurde das inzwischen zur Institution gewordene Magazin in Köln gegründet und seit 2000 in Berlin vier mal im Jahr herausgegeben.
Es gibt Essays, Interviews und ausführliche Besprechungen zu Kunst, Film, Musik, Markt und Mode aber auch zu Kunstgeschichte und Kulturpolitik zu lesen, die im Gegensatz zu den meisten anderen „Lifestyle-Kunstmagazinen“ intellektuell und scheinbar nicht marktgerecht zugeschnitten sind.
Jede Ausgabe wird von international renommierten Künstlern mit exklusiven Editionen unterstützt.

Weiterführende Links:
www.textezurkunst.de

Weltkunst und Antiquitätenzeitung
Die Zeitschrift Weltkunst war, bevor sie im Zeitverlag Beteiligungs GmbH erschienen ist, nur in den Expertenkreisen zuhause.
Neben Hintergrundinformationen, die das Magazin bietet, wird mit Vor- und Nachberichterstattungen von Auktionen, Messen und Ausstellungen berichtet. Nach einer überarbeiteten Gestaltung öffnet sich Weltkunst nun auch einem größeren Publikum und ist populärer geworden. Heute wird es als Pflichtlektüre für Kunstmarktinteressierte bezeichnet.

Weiterführende Links:
www.weltkunst.de

Einen besonders hohen Stellenwert haben in der Branche internationale Magazine wie Artforum, FRIEZE, Art in America und ART AND AUCTION.
In den Magazinen Artforum und Art in America aus den USA sowie im Blatt Frieze aus Großbritannien wimmelt es geradezu von Werbeanzeigen, die teilweise so in den redaktionellen Inhalt eingebunden sind, dass man Information von Werbung kaum noch unterscheiden kann.
Im Artforum inserieren internationale Galerien und machen auf ihre Ausstellungen und ihre Künstler aufmerksam. Ein buntes Sammelsurium von Anzeigen bietet dem Leser einen Überblick, wer wo wann wen präsentiert.
An dieser Stelle wird es besonders deutlich, wie die Machtverhältnisse von Kunstkritik und Geld verteilt sind. Berliner Galeristen wie die Galerie Upstairs Berlin und Michael Schultz halten FRIEZE und Artforum für die wichtigsten Magazine der Szene. Galerist Jan Wentrup schaltet alle paar Wochen eine ganzseitige Anzeige im Artforum. Denn das sei auch das Kommunikationsmedium, was seine Kundschaft regelmäßig durchblättere.

Weiterführende Links:
www.artforum.com
www.frieze.com
www.artinamericamagazine.com
www.artandauction.com

Aber auch in der Tages und Wochenpresse: FAZ & Co.
Das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gilt als das wichtigste kritische Medium in der Tagespresse. Samstags kann sich der Leser zusätzlich auf den Kunstmarktseiten informieren und sonntags ebenfalls Nachrichten über das Geschehen am Markt erfahren.
Ähnliche redaktionelle Beiträge gibt es zum Wochenende hin in der Süddeutschen Zeitung, dem Tagesspiegel und gelegentlich auch in der Financial Times.
Im Handelsblatt gibt es freitags regelmäßig Berichte über Auktionen und Ausstellungsbesprechungen zu lesen.
Als weiteres Medium ist The Art Newspaper (www.theartnewspaper.com) zu nennen, welches monatlich in einer englischen, französischen und italienischen Ausgabe erscheint und Nachrichten aus der internationalen Kunstwelt bietet. Das Erscheinungsbild ist sehr klassisch. Die Headlines auf der Startseite des Magazins beschäftigen sich mit Beute- und Raubkunst und wirken „investigativ journalistisch“.

Die Magazine sind für den kunstinteressierten Leser die Meinungsmacher. Die Kritiker dienen als Meinungsgeografen.
Mehr und mehr werden die Kunstzeitschriften jedoch infiltriert durch Anzeigen, die aussehen, als wären sie redaktionelle Beiträge und durch Vereinnahmung der Kunstkritik durch den Kunstbetrieb. Die riesige Maschinerie, die eher Schlagzeilen und die Story veröffentlicht sehen möchte, lässt nicht viel Spielraum für wahre Kritik an der Sache. Nicht mehr die Künstler entscheiden, was Kunst ist oder gar wie viel sie wert ist; das machen Sammler, Händler und Kritiker.
Der Beitrag im Magazin oder im Feuilleton der Zeitungen wird zwar als richtungsweisend wahrgenommen und die Fachzeitschriften werden neben den anerkannten und etablierten Internetportalen als Opinion-Leader verstanden. Es ist aber interessant, dass der qualitative Gehalt von geschriebener Kritik eher nachlässt und eigentlich von den PR-Maßnahmen verdrängt wird. Das Magazin ist an sich noch richtungsweisend, obwohl die Kritik an Gewicht verliert und Magazine teilweise hauptsächlich aus gekauften Anzeigen und Beiträgen bestehen.
Es gibt wohl zwei Arten der Berichterstattung und der Kunstkritik.
Zum einen sorgen unredigierte Pressemitteilungen, die als redaktionelle Beiträge getarnt im Internet sowie in Zeitschriften zu finden sind, in hohen Auflagen dafür, dass Gegenwartskunst überhaupt wahrgenommen wird. Zum anderen gibt es die „wahre“ Kunstkritik, die aber nur in geringeren Auflagenzahlen zu finden ist. Die heutige Kunstwelt ist zum großen Teil gar nicht mehr interessiert an wahrer Kritik. So meint Hanno Rauterberg, Kritiker bei der Wochenzeitung Die Zeit, dass außerhalb der Fachkreise „niemand die Kritiker vermissen“ würde, „wenn sie ab sofort schwiegen“. (Wie Blomberg, Katja: Wie Kunstwerte entstehen. Das Geschäft mit der Kunst. Murmann Verlag, Hamburg, 2005. 3. Ausgabe März 2008, S. 178/ Anmerk. 97)

Beiträge in „Lifestyle“-Zeitschriften wie Bunte oder der Vogue stehen anspruchsvollen in der Zeitschrift Kunstforum International gegenüber.
Das Kunstmagazin ART ist ebenfalls bemüht journalistisch zu agieren, ist aber populärer und richtet sich damit schon an ein breiteres Publikum. So findet man eben beim Zahnarzt in Berlin-Zehlendorf, wo auch gleich schon die Käuferschaft zuhause ist, neben der GQ, Bunte, Schöner Wohnen das ART Magazin.

Magazine bilden also in jedem Fall Meinung und bieten der Kunst ein breites Forum, gefiltert und ungegefiltert.