Discovery Art Fair: Neue Frankfurter Kunstmesse feiert am 1. November Premiere

Vom 1. bis 4. November 2018 ist es endlich soweit, die erste Ausgabe der neuen Frankfurter Kunstmesse DISCOVERY ART FAIR öffnet im Forum der Messe Frankfurt ihre Pforten und beweist, wie spannend und vor allem vielfältig aktuelle Kunst sein kann.

Besucher sind herzlich eingeladen ihre neuen Lieblingsstücke aus Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Zeichnung, Mixed Media, Grafik und Urban Art zu entdecken, und das zu Preisen, die Freude machen. Denn das Konzept der DISCOVERY ART FAIR steht für hochwertige Kunst zu bezahlbaren Preisen.
Kunstfreunde dürfen sich auf ein breites Spektrum zeitgenössischer Kunst freuen. Zur Premiere der unter der Schirmherrschaft des Frankfurter Bürgermeisters Peter Feldmann stattfindenden Entdeckermesse zeigen auf 3.000m² Ausstellungsfläche 75 Aussteller aus 14 Ländern die Highlights aus ihren jeweiligen Programmen.

Peintre X, i believe, courtesy the artist

Den international hochbeachteten und äußerst lebendigen Kunststandort Berlin repräsentiert in der Bankenmetropole Frankfurt unter anderen die junge Galerie Z22. Als Produzentengalerie in Wilmersdorf gegründet, entwickelte sich die Galerie schnell zum angesagten Hot Spot, der eigenwillige und starke Künstlerpositionen zeigt und Begleitangebote, wie Filmabende, Lesungen oder Performances offeriert. Wie die Kunstmesse hat sich auch die Galerie zum Ziel gesetzt, nicht nur für erfahrene Sammler hochkarätiger Kunst eine Anlaufstelle zu sein, sondern auch Kunstneulinge zu beraten und Ihnen hochwertige Kunst zu bezahlbaren Preisen anzubieten. An ihrem Messestand zeigt Galerie Z22 neben Arbeiten von Eric Massholder und Andreas Kurus auch Werke des Urban Art Künstlers BENKA. So fröhlich seine in Farbe und Form kräftigen Bilder auch scheinen mögen, sie sind stets Kritik an der Oberflächigkeit unserer Gesellschaft, die Äußerlichkeiten eine absurde Bedeutung zumisst.
Am Stand der in unmittelbarer Nähe zum Berliner Kurfürstendamm angesiedelten Parcus Gallery fallen Besuchern neben Reiner Langers Mixed-Media-Collagen mit altkolorierten Bildelementen vor allem die dicht an dicht mit Nadelspitzen besetzten organisch geformten Objekte von Ildeu Lazarinni ins Auge, in denen sich die brasilianische Künstlerin auf die Suche nach unberührbaren Körpern begibt.

Zahlreiche spannende künstlerische Positionen aus Berlin offenbart auch die Artist Section der Messe.

Anna Vonnemann, Kreuzabnahme, Oel auf Leinwand, 12 Tafeln a 74 x 115 cm, courtesy the artist

Zu den hier vorgestellten Berliner Künstlerinnen zählt Anna Vonnemann, die bei Franz Erhard Walter in Hamburg studierte und in ihren großen Wandtableaus den klassischen Stil des Goldenen Zeitalters der niederländischen Kunst mit den Ideen der Konzeptkunst verbindet. Die überwiegend in Öl auf Leinwand arbeitende Künstlerin verweist auf, und durchbricht aber gleichzeitig, die kunsthistorische Tradition der Nachahmung, indem sie mit Variationen und Details der Einzelmotive experimentiert.

Filigrane und zarte, mithilfe von dünnsten Farbstiften geschaffene Zeichnungen präsentiert die Berliner Künstlerin Kaja el Attar. Ihre kleinen Formate zeigen lebendige und empfindsame, zwischen abstrakten und gegenständlichen Motiven angesiedelte Formen von Fantasiewelten.

Peer Kriesel: Mascarade abstraite I-III, 100cm x 210cm, 2018

Inspiriert von komplexen Problemen der Gegenwart, hat der Berliner Künstler Peer Kriesel ein vielfältiges Œuvre geschaffen. Seine auf Leinwand, Papier oder als Übermalungen von weggeworfenen Papierobjekten wie Verkehrstickets und Eintrittskarten geschaffenen Fratzen und Wimmelbilder sind bewusst gedrängt, eine Explosion von Farben und Charakteren, welche auf den Überfluss an Informationen, Gewalt und Absurditäten hinweisen. In seinen Installationen entwickelt der Künstler diesen Ansatz kalligraphisch zu zeichnerischen Gebilden weiter, so dass sie Betrachter an Graffiti-Tags erinnern.

Peer Kriesel, Bubble, courtesy the artist

Die sehenswerten Arbeiten des Berliner Künstlers Ingo Schrader kreisen um das Thema Raum und seine Wahrnehmung und lassen einen Bezug zur Architektur erkennen. Der Grenzbereich zwischen zwei und drei Dimensionen wird ausgelotet, um dem Geheimnis von Raum auf die Spur zu kommen. Räumliche Illusionen, Spiegelungen oder Farbwirkungen beziehen den Betrachter als Akteur und Empfänger mit ein, erschließen sich meist erst in der Bewegung, in der Veränderung des Umgebungslichtes und machen so die Vielschichtigkeit und Subtilität der eigenen Sinneseindrücke bewusst.

Ronit Baranga, The Choir, courtesy Galerie Klose

Neben den Berliner Teilnehmern präsentiert die DISCOVERY ART FAIR Frankfurt eine Vielzahl internationaler Aussteller-Programme, wie das der renommierten Gallery Tableau aus der südkoreanischen Hauptstadt Seoul oder Arbeiten junger ukrainischer Künstler am Stand der Mironova Gallery aus Kiew, die ein unbändiger Wille auszeichnet, zu aktuellen Themen und Entwicklungen künstlerisch Stellung zu nehmen. Vereint mit etablierteren Positionen wie Günter Uecker, der bei Galerie Nieder zu sehen ist, Carole Feuerman (bei Galerie Klose) oder Mary Bauermeister (präsentiert von Galerie Rosemarie Bassi) ist es vor allem junge und aufstrebende aktuelle Kunst, die die Besucher der Entdeckermesse erwartet. Ob Arbeiten des vielerorts als Newcomer-Star gefeierten Sebastian Herzau (bei dieHO-Galerie), die als „lyrische“ Fotografie bezeichnete Kunst des Stuttgarter Fotografen Rechenmacher, die vielschichtigen und gesellschaftskritischen Werke des Frankfurter Künstlers Richard Reuys oder Urban Art von Eliot the Super und Paintre X – es gibt so viel Neues, was sich zu entdecken lohnt.

Carole A. Feuerman_Contemplation_Öl auf Kunstharz_Courtesy Galeire Klose
Sebastian Herzau, the great below, courtesy DIEHO-Gallery
Katrin Kampmann, Vergiss mich, wenn Du kannst!, courtesy Galerie Rother Winter

Discovery Art Fair Frankfurt – Die Entdeckermesse für zeitgenössische Kunst
2. – 4. November 2018 | Opening 1. November 2018
Forum Messe Frankfurt, Ludwig-Erhard-Anlage 1, 60327 Frankfurt am Main

Messetermin 2018

Freitag, 2. November bis Sonntag, 4. November
First Choice: Donnerstag, 1. November, 16:00 bis 18:00 Uhr (nur mit Einladung)
Opening: Donnerstag, 1. November, 18:00 bis 22:00 Uhr

Öffnungszeiten

Freitag – Samstag: 11:00 bis 21:00 Uhr
Sonntag: 11:00 bis 18:00 Uhr

Veranstaltungsort

Forum Messe Frankfurt
Ludwig-Erhard-Anlage 1
60327 Frankfurt am Main

Eintritt / Preise

Tagesticket: 15,00 € inkl. Katalog
Ermäßigt: 10,00 €
Opening: 15,00 € inkl. Katalog
Weiterer Katalog: 5,00 €

Freitag, 2. November freier Eintritt für Schüler und Studenten
Kinder unter 12 J. Eintritt frei
Der Zugang zur Messe ist barrierefrei

Weitere Informationen erhalten Sie unter
https://discoveryartfair.com/de/fairs/frankfurt/

Der Gönner – Die Sponsoren

Wer lebt mit und von der Kunst?

In der Kunst sind es oft die Ernergieversorger wie EON oder Banken, die kulturelle Veranstaltungen wie Kunstausstellungen unterstützen.

Wer Kunst-Sponsor ist, poliert sein Image auf. Es findet ein „Image-Transfer“ statt. Der Sponsor gibt zum einen das Geld, jedoch auch einen Teil seine Images an den Sponsornehmer ab. Dafür erhält er aber im Gegenzug das Image der Kunst. Kunst steht für Stil, Schönheit und Ästhetik sowie für Entdeckung und Freiheit.

Der Sponsor bekommt etwas für sein Geld.

Die Synthese von Altruismus und Egoismus formulierte Josef Abs, ehemaliger Vorstandssprecher der Deutschen Bank, 1981 in einem
FAZ-Beitrag zum Kunstengagement der Deutschen Bank trefflich so: „Die Kreditwirtschaft wie auch die Industrie oder private Mäzene haben das verständliche Bedürfnis, jenseits der Welt ihrer beruflichen Belange einmal Uneigennützigkeit zu üben, auf der anderen Seite aber auch den Wunsch, jenen Glanz, der von den schönen Künsten ausstrahlt, auf sich selbst zu lenken.“ (Kunst-Sponsoring durch Banken — Das Beispiel des Kunstkonzepts der Deutschen Bank AG von Professor Dr. Hans E. Büschgen, 1996)

Im Jahr 2007 war die Deutsche Bank zum ersten Mal Hauptsponsor vom Deutschen Pavillon der Biennale in Venedig und hatte ein so großes Spektakel veranstaltet, dass der damalige Auftritt der Künstlerin Isa Genzken in der Erinnerung vom Logo der Firma kaum mehr zu trennen ist. Hier färbt das Image der Weltoffenheit und das gute Gefühl, was man mit Kultur verbindet, auf den Geldgeber ab.

Wie viel Geld als Sponsoringmittel dafür zur Verfügung gestellt wurde ist geheim. Nur eines weiß man: Der Beitrag bewegt sich im oberen sechsstelligen Bereich. (Wer kann das bezahlen? von Swantje Karich, FAZ, 19.11.2008)

Nach eigenen Angaben, gab die Deutsche Bank 2007 weltweit 82,2 Millionen Euro für gesellschaftliches Engagement aus, davon entfielen 24 Prozent auf die Kunst. (Sponsoren bleiben der Kunst auch in der Krise treu, DerWesten, 27.11.2008, http://www.derwesten.de/nachrichten/kultur/2008/11/26/news-93944107/detail.html aufgerufen am 27.11.2008)

Einer IFO-Studie zufolge, förderten 1993 etwa 40 Prozent aller deutschen Unternehmen Kultur im weitesten Sinne und gaben dafür 1994 mindestens 500 Millionen DM aus, wovon auf den Finanzdienstleistungssektor inklusive Versicherungen rund 220 Millionen DM gleich 44 Prozent entfielen.  (Kunst-Sponsoring durch Banken — Das Beispiel des Kunstkonzepts der Deutschen Bank AG von Professor Dr. Hans E. Büschgen, 1996, S.2) Aktuelle Zahlen gibt es nicht. „Leider hat das ifo Institut keine aktuellen Veröffentlichungen zu diesem Thema anzubieten, die entsprechende Forschungsabteilung gibt es schon seit Jahren nicht mehr“, so Susanne Makedonski in einer E-Mail an den Autor.

Professor Dr. Hans E. Büschgen erklärt 1996 in seinem Vortrag „Kunst-Sponsoring durch Banken – Das Beispiel des Kunstkonzepts der Deutschen Bank AG“ warum gerade Firmen, die mit hohem Erklärungsaufwand ihre Komplexität vor ihrer Kundschaft erklären müssen, gerne Kunst fördern. „So verlangt die Bankleistung ab einer gewissen Komplexität einen überdurchschnittlich hohen Erklärungsaufwand, was insbesondere für innovative Finanzdienstleistungen zutrifft, was bewirkt, daß sie oft wie zumindest teilweise die zeitgenössische
Kunst als zunehmend undurchsichtige Sachverhalte empfunden werden.“ Weiter sagt er: „Charakteristisch für Bankleistungen ist das Nichtvorhandensein eines körperlichen Gutes nach dem Leistungserstellungsprozess. Die Immaterialität der Bankleistung induziert, daß sich Banken als Dienstleistungsunternehmen nicht – wie z.B. Konsumgüterhersteller – mit ihren Produkten visuell präsentieren können; ein objektbezogenes Marketing ist damit nicht möglich.“ Wenn die Unternehmung mit ihrer nicht leicht kommunizierbaren Dienstleistung die Nähe zur Kunst sucht und dies auch nach außen hin dokumentiert, kann das die „fehlende körperliche Darstellbarkeit der Bankleistung kompensieren.“ (Kunst-Sponsoring durch Banken — Das Beispiel des Kunstkonzepts der Deutschen Bank AG von Professor Dr. Hans E. Büschgen, 1996, S.7)
Das Komplexe wird nur am Rande wahrgenommen, bleibt aber positiv in Erinnerung. Gerade in Branchen, in denen starke Rivalitäten und hoher Konkurrenzdruck herrscht, können sich Unternehmen mittels der Kunst positiv von ihrem Wettbewerb abheben.

Stets wird von den Sponsoren aber darauf geachtet, dass die unterstützte Ausstellung oder die Kunst ein Mindestmaß an Zeitlosigkeit besitzt, um nicht ungewollt in eine bestimmte Ecke gedrängt zu werden. Es ist dem Sponsor ebenfalls wichtig, dass die unterstütze Veranstaltung zu der Corporate Identity, der Unternehmensphilosophie, passt. Jemand der für Modernität, Dynamik und Originalität sowie Verantwortungsbewusstsein steht, investiert er vielleicht Geld in junge Kunst, die eben solches auch ausdrückt.

Kunst ist beim Sponsoring nur Mittel zum Zweck. 1982 schreibt George Weisman, damaliger Vorstandsvorsitzender von Philip Morris: „Das fundamentale interesse der Wirtschaft an Kunst ist Eigeninteresse.“ (Weisman, George. Philip Morris und die Kunst. München 1982. zit. Dossi, Piroschka: Hype. Kunst und Geld. Deutscher Taschenbuch Verlag, München. 2007. 4. Auflage 2008, S. 96)

Kultursponsoring dient als Symbol. Brücken werden branchenübergreifend geschlagen und dienen dem Image-Transfer, der dem Sponsor, ohne dass er mit der anderen Branche etwas direkt zu tun hat, das positive Image des anderen überträgt. Folge ist die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit des anderen.
Besonders im Kultur- oder Kunstsponsoring unterstreicht das Unternehmen seine Intellektualität. So schreibt Büschgen: „Die Auseinandersetzung mit der Kunst sowie der Besitz von Kunstwerken signalisiert die Zugehörigkeit zu Gruppen von Gebildeten. Dies liegt mitunter in dem Sachverhalt begründet, daß Kunst sich besonders zur Demonstration von Kenntnis, Wissen und Urteilsfähigkeit eignet, bilden sich die Fähigkeiten zum Erkennen von Qualitätsmerkmalen bei Kunstwerken doch erst im dauernden Umgang mit Kunst heraus.“ (Kunst-Sponsoring durch Banken — Das Beispiel des Kunstkonzepts der Deutschen Bank AG von Professor Dr. Hans E. Büschgen, 1996, S.22)

Dadurch ist anzunehmen, dass Kunstsponsoren auf die Zielgruppe der gebildeteren Bevölkerung mit tendenziell höherem Einkommen abzielen, „da aufgrund der sozioökonomischen Merkmale hier ein stärker ausgeprägtes Kunstinteresse zu vermuten ist.“ (Kunst-Sponsoring durch Banken — Das Beispiel des Kunstkonzepts der Deutschen Bank AG von Professor Dr. Hans E. Büschgen, 1996, S.22) Große Banken erhoffen sich Kontakt zu den vermögenden Privatkunden, große Energieversorger hingegen auf mittelständische Unternehmen. Beide Zielgruppen sind durch kommerzielle Werbung eher schwer erreichbar und sind besonders betreuungswürdig. Durch Sponsoring kann Kontakt in einer „nicht-kommerziellen“ Situation oder einem Rahmen hergestellt werden.
Dies geschieht in der Kultur oft durch exklusive Eröffnungen, zu denen das Unternehmen ebenfalls seine Kunden exklusiv einladen kann. Im feierlichen Rahmen finden ungezwungen und in lockerer Atmosphäre Unterhaltungen statt. Sponsoring ist somit neben der Imagepflege eben auch Kundenpflege.

Die Angst vor finanziellen Kürzungen in den Krisenzeiten geht im Kulturbetrieb um, aber die Signale aus der Wirtschaft sind weiter positiv. So betont der Sprecher der Deutschen Bank, Klaus Winker: „Wir bleiben bei dem Level, das wir jetzt haben.“ Das kulturelle Engagement des Konzerns sei mittel- bis langfristig aufgebaut. (Sponsoren bleiben der Kunst auch in der Krise treu, DerWesten, 27.11.2008, http://www.derwesten.de/nachrichten/kultur/2008/11/26/news-93944107/detail.html aufgerufen am 27.11.2008) Jedoch ist allgemein anzunehmen, dass nun Projekte, die gefördert werden sollen, strenger unter die Lupe genommen werden. Außerdem widerspricht dem Sprecher der großen Bank das Gerücht, dass die Deutsche Bank plant, sich als Sponsor des Deutschen Pavillons in Venedig zur nächsten Biennale und der Kölner Art Cologne zurückzuziehen.
Angeblich standen diese Pläne jedoch schon Anfang des Jahres fest und haben nichts mit der Finanzkrise zu tun. (Wer kann das bezahlen? von Swantje Karich, FAZ, 19.11.2008)

Aber auch hier wird die Zeit der Krise und die damit zusammenhängenden Absprünge der Sponsoren als Chance für die Kunst gesehen. Nicolaus Schafhausen, Kurator des deutschen Beitrags in Venedig 2009, bestätigt, dass die Ausführung von Ausstellungen sich „in den vergangenen Jahren drastisch verteuert“ haben. Aber auch das Sponsoring produziere eigene Kosten. Die Eröffnungen werden pompöser und aufwändiger, immer mehr Einladungen würden verschickt und immer mehr Besucher herbeigeflogen. Gerade wegen dieser hohen Kosten kann heute keine Kulturveranstaltung mehr ohne Sponsor existieren. Wenn es weniger „Drumherum“ gäbe, würden die Kosten sinken und man könnte sich wieder auf die Kunst einlassen.

Aber auch den Privatleuten gibt Kunst und dessen Förderung eine Identität. Die Freunde der Nationalgalerie sind ein Verein, in dem sich meist Wohlhabende gegen einen Jahresbeitrag von 600 Euro pro Jahr das Image des Kunstliebhabers oder des Mäzens zulegen. „Am Anfang des Vereins der Freunde der Nationalgalerie standen Leidenschaft für die bildende Kunst, Lust am Wagnis und der Enthusiasmus, den Dieter Honisch und Peter Raue vor über 30 Jahren in den Gründungsmitgliedern ausgelöst haben“, so heißt es auf der Website des Vereins (www.freunde-der-nationalgalerie.de, aufgerufen am 29.11.2008)
Während im unternehmerischen Sinne die Förderung als „Sponsoring“ bezeichnet wird, hört man hier wohl doch lieber den Begriff des „Mäzens“. Das „Mäzenatentum ist die nach dem Römer Gaius Cilnius Maecenas (um 70 bis 8 v.Chr.) bezeichnete Förderung künstlerischer Tätigkeiten durch einen Gönner.“ Maecenas verschafft den Dichtern Horaz und Vergil die nötigen Schaffensfreiräume, so dass sie sich ganz und gar ihrem kreativen Potenzial widmen konnten. Bis heute prägt der Name das Fördern und Unterstützen des Kunstschaffenden.
Obwohl der Mäzen eigentlich ohne Eigennutz handelt, hat er doch Motive für die Förderung des Künstlers. Er demonstrierte damit schon damals Besitz und Macht und machte sich so zu einem Gönner.

Text aus der Diplomabschlussarbeit (2009) von Peer Kriesel
»Wie Kunst und Design aufeinandertreffen. Eine Studie über die Vermarktung von Kunst.«

Ben Tolman – Feine Zeichnungen

Einer der größten Zeichner der zeitgenössischen Kunst ist Ben Tolman. Der Künstler lebt und arbeitet in den USA in Washington DC.

Pyramid, 2016. Ink on Paper, 21×15 in.

Seine feinen Zeichnungen präsentieren dem Betrachter eine Art Wimmelbild, auf dem er ständig Neues entdecken kann. Das Kaputte scheint Ben Tolman besonders zu reizen, das er mit schwarzem humor mit feinen Strichen und feiner Mine aufs Papier bringt. Die Szenerien sind surreal und zeigen Touristengruppen, die durch ein gebiet voller Ruinen geführt werden, dabei stehen Dixi-Toiletten wie beim Festival am Rand des Geschehens. Es gibt viele Treppen, Graffiti-Throw-Ups an den Wänden. Leute stehen Schlange für irgendwas. Die Bild sind verschachtelt aufgebaut und viele unterschiedliche Ebene zeigen wie eben in Wimmelbildern verschiedenste Situationen, die gerade parallel stattfinden. In neueren Arbeiten tauchen zusätzlich in diesen Welten geometrische und teilweise organische Formen auf, die scheinbar die Landschaft bzw. die Gebäudewelten zu verschlingen drohen.

Wir warten gespannt auf die erste Ausstellung von Ben Tolman in Berlin!

Diesen Künstler sollte man sich in jedem Fall merken.

Canal, 2016. Ink on Paper, 36×60 in.
Beefy Cheesy Glory, 2016. Ink on Paper, 21 x 15 in.
Forward, 2017. Ink on Paper, 21 x 15 in.
Entrance, 2016. Ink and Gouache on Paper, 21 x 15 in.
Line 2016. Ink on Paper, 21×15 in.
Market, 2016. Ink on Paper, 22 x 30 in.
Purple People Eater, 2016. Ink on Paper, 21×15 in.
Tour, 2016. Ink and Gouache on Paper, 15×21 in.
Quietly, 2016. Ink and Gouache on Paper, 21×15 in.

12. BERLINER LISTE – 17. – 20. September 2015

Berliner Liste 2012Mit 116 Galerien, Projekträumen und Künstlern aus 19 Ländern und vier Kontinenten ist die BERLINER LISTE erneut die größte der Berliner Kunstmessen. Sie findet vom 17. – 20. September 2015 zur Berlin Art Week statt. Eröffnet wird die Messe am Mittwoch, 16. September um 18 Uhr. Veranstaltungsort ist zum vierten Mal das Kraftwerk Mitte, das mit seiner sakralen Industriearchitektur einen spannenden Rahmen für die Präsentation junger, zeitgenössischer Kunst bietet. Den weitesten Weg legen mit 10.572 Kilometern die Kunstwerke aus Curitiba/Brasilien zurück, dicht gefolgt von Bogotà/Kolumbien, Tokio und Hong Kong.

Unter mehreren hundert Bewerbungen traf Kurator Dr. Peter Funken seine Auswahl aus aufstrebenden Galerien und Künstlern mit hohem künstlerischen Potenzial und einem Preisniveau von 500 bis 7500 Euro. „Die BERLINER LISTE 2015 wird eine große, schöne und sehr internationale Messe“ sagt Funken. „Viele Ausstellerinnen und Aussteller sind seit Jahren dabei, es gibt aber auch zahlreiche neue Galerien und Künstler sowie Überraschungen und Neuheiten, Performances und Kunstaktionen. Die Messe ist ein Must-see für alle, die ihren Augen trauen, neue Kunst entdecken und zu erschwinglichen Preisen erwerben wollen.“

Eine besondere Bedeutung kommt der Photography Section zu, die in diesem Jahr zum dritten Mal als eigenes Format innerhalb der Messe gezeigt wird. 13 Galerien, Künstler und ein Verlag aus Deutschland, Niederlande, Belgien, Spanien und Italien präsentieren in diesem Rahmen ihre aktuellen Fotoarbeiten.

Unter den Ausstellern sind Galerien wie Galerie Klose (Essen), 418 Gallery (Bucharest), DUB Gallery (Pelhrimov), Smart Ship Gallery (Tokyo), Gallery HO (New York), Stick Together (Amsterdam), Galerie art and old (Berlin), Nová Galerie (Prag), Galerie Uterstaedt (Berlin), Boiler Galeria (Curitiba/Brasilien), Galerie Flox (Kirschau), OPEN WALLS GALLERY (Berlin), Gallery Godo (Hong Kong), Medienwerkstatt (Berlin),Galeria Casa Cuadrada (Bogotà), Galerie Terbeek (Beetsterzwaag/Niederlande), Atelier Cross Art (Berlin), rivaartecontemporaneo (Lecce/Italien), Atelier Alen (München).

Zu den Künstlern zählen Peer Kriesel (Berlin), Jeanet Hönig (Schaffhausen), Ioana Maria Sisea (Bukarest), Carola Engels (Essen), Donja Rahimzadiany (Berlin), Marlies Fliessbach (Hamburg), Urska Kosir (Ljubljana), Wadim Rakowski (Berlin), Patricia Dreyfus (Berlin), Suet Yi Chan (Hong Kong), Tim Trantenroth. (Berlin), Jörgen Bosse (Angermünde), Jeanne Fredac (Berlin), Jaya Suberg (Berlin), Ioana Maria Sisea (Bukarest) und Katerina Belkina (Berlin).

Die komplette Liste der Aussteller kann unter http://berliner-liste.org/wordpress/aussteller-2015/ eingesehen werden.

Die BERLINER LISTE findet vom 17. – 20. September 2015 statt.

Opening: Mittwoch, den 16. September, ab 18:00 Uhr im Kraftwerk Berlin
Eintritt: Tagesticket 13 €, Tagesticket ermäßigt 9 €, beides inkl. Katalog

Kraftwerk Mitte
Köpenicker Straße 70
10179 Berlin-Mitte

13. Openairgallery Berlin​ 2015 am Sonntag – 5.7.2015

Die 13. OpenAirGallery 2015 findet in diesem Jahr an den ersten Sonntagen im Juni und Juli (Sonntag, den 07.06.2015 und Sonntag, den 05.07.2015), auf der Oberbaumbrücke über der Spree zwischen den Ortsteilen Kreuzberg und Friedrichshain, in Berlin von 10.00 bis 20.00 Uhr statt.

Die Oberbaumbrücke wird am Sonntag den 7. Juni und am Sonntag den 5. Juli wieder für den Verkehr gesperrt und zeigt sich der Stadt von ihrer schönsten Seite. Zum 13. Mal eröffnet über der Spree zwischen den Ortsteilen Kreuzberg und Friedrichshain die OpenAirGallery, Berlins grösste Ausstellung unter freiem Himmel. Präsentiert wird die diesjährige Auswahl von über hundert internationalen Künstler*innen, die ihre Werke an diesem besonderen Ort ausstellen.

Kunst, Begegnung und Austausch auf der gesperrten Oberbaumbrücke
Nur zweimal im Jahr, jeweils am ersten Sonntag im Juni und Juli, wird die Brücke für diesen Anlass für den Verkehr gesperrt. Eine Initiative des Stadtteilausschuß Kreuzberg e.V. Die Oberbaumbrücke wird an diesen beiden Tagen zu einem Ort der Begegnung und des Austauschs. Mit der Befreiung vom Verkehrslärm erhält sie eine Aufenthaltsqualität für alle.

Mehr als 100 Künstler*innen im direkten Dialog mit den Besucher*innen
Die OpenAirGallery bietet ein Forum für jeden, ob Kunstkritiker oder Sonntagsspaziergänger, über die Kunst ins Gespräch zu kommen. Galeristen haben hier die Möglichkeit, auf ganz anderem Wege junge Künstler*innen zu entdecken. Und den Künstler*innen selbst bietet sich die Chance, ihre Arbeiten einem Publikum direkt vorzustellen, auf das sie so, in einem klassischen Ausstellungsraum nie treffen würden – im letzten Jahr begrüßte die OpenAirGallery über 80.000 Besucher*innen.

Kunst aus den Bereichen Bildhauerei, Fotografie, Malerei und Grafik.
Die Vielgestaltigkeit der Besucher*innen spiegelt sich auch in der Auswahl der teilnehmenden Künstler*innen wider. Das Spektrum der Arbeiten reicht von der klassischen Schule über Pop-Art und Surrealismus bis zu experimentellen, modernen Werken, Street- und Urbanart. Dabei findet die Kunst ihre Wege durch die Malerei, Grafik, Fotografie, Collage, Druck, Bildhauerei und Plastiken.

120 Meter lange Leinwand
Wer sich schließlich von so viel Kreativität anstecken lässt, darf auf einer 120m langen Leinwand, quer über die Brücke gespannt, selbst künstlerisch tätig werden. Der Eintritt ist für alle Besucher*innen der OpenAirGallery frei.

WEB_Postkarte_13.OpenAirGallery_2015

Die 13. OpenAirGallery 2015 auf der Oberbaumbrücke
am Sonntag, den 07.06.2015 und Sonntag, den 05.07.2015
jeweils von 10.00 bis 20.00 Uhr

Mehr Informationen zu Teilnehmern, Künstlern und Machern:
http://www.openairgallery.de

Open Air Gallery bei Facebook

 

 

Ai Weiwei – Evidence – Ausstellung im Martin-Gropius-Bau 2014

Ai Weiwei. 2012 © Gao Yuan
Ai Weiwei. 2012
© Gao Yuan
Diese Ausstellung von Ai Weiwei im Martin-Gropius-Bau in Berlin 2014 ist sicher ein Muss für jeden Kunstinteressierten.

Trotz aller unfassbaren Anfeindungen in seinem Land hat sich Ai Weiwei entschlossen, seine weltweit größte Einzelausstellung im Martin-Gropius-Bau, in Berlin durchzuführen. Auf 3000 qm in 18 Räumen und im spektakulären Lichthof zeigt er Werke und Installationen, die eigens für den Martin-Gropius-Bau entstanden oder noch nie in Deutschland gezeigt wurden.

„Evidence“ nennt er seine Ausstellung, nach jenem Wort, welches uns aus amerikanischen Krimiserien bekannt ist: der Beweis, möglichst gerichtsfest. Es ist eine politische Ausstellung, die Ai Weiwei für Berlin in seinem einfachen und schönen Studio am dörflichen Stadtrand von Peking entwarf.

Ai Weiwei – Evidence
Ausstellung im Martin-Gropius-Bau:
3. April bis 7. Juli 2014

Öffnungszeiten
Mi bis Mo 10:00–19:00
Di geschlossen

Ab 20. Mai: Täglich 10:00–20:00

Eintritt
Einzelticket € 11 / ermäßigt € 8
Gruppen (ab 5 Personen) p. P. € 8
Eintritt frei bis 16 Jahre

MARTIN-GROPIUS-BAU BERLIN
Niederkirchnerstraße 7
10963 Berlin

Kunst als intellektuelles Moment und ihre seelische Existenz

Nirgendwo sonst stehen sich zwei so unterschiedliche Positionen, die des Künstlers, des Schaffenden, und die des Vermarkters gegenüber und arbeiten doch Hand in Hand. Nirgendwo sonst gehen Preisbildung und wahre Qualität so auseinander, sind so unerklärbar und scheinen willkürlich wie auf dem Kunstmarkt. Diffuse, teilweise korrupte Strukturen bilden den Kunstbetrieb, in dem ein paar mächtige Leute den Takt angeben.

Ist aber eine Vermarktung, ein Kunstmarkt wie er existiert, legitim, wenn Künstler existieren, nur weil es einen Markt gibt? Muss nicht die Qualität der Arbeiten den Preis bilden und nicht der Name des Künstlers, der nur noch als Markenname fungiert? Muss sich der Markt nicht um die Kunst drehen?

Kunst bleibt ein intellektuelles Moment entgegen jeder Vermarktungsstrategie. Kunst bleibt Spiritualität des Künstlers, spiegelt seine Position wider und bildet seine seelische Existenz.
Um sie und den Künstler verstehen zu können, muss sie vom Betrachter wahrgenommen werden. In den Zeiten, in denen es viel Kunst gibt – wie heute – gilt es aufzufallen und Interesse zu wecken. Dazu muss das Kunstwerk eine hohe Qualität besitzen, die sich nach Meinung von Galeristen in der Neuartigkeit messen lässt.
Arbeitsweisen und Kunstrichtungen wiederholen sich aber ständig. Die Neuartigkeit, das „Das hab ich ja noch nie gesehen“, wird immer schwieriger zu erreichen.
Eine Rückbesinnung auf die handwerkliche Qualität und den mit dem Auge greifbaren Inhalt, der humoristisch bis politisch interpretiert werden kann, ist die einzig logische Schlussfolgerung. Qualität lässt sich besser vermarkten.
Greifbarer Inhalt ist einfacher zu erkennen. Ein technisch gut gemaltes Bild überzeugt leichter. Was helfen die größten Investitionen in die Rahmenveranstaltung, wenn der Sammler und Käufer die Kunst noch erklärt bekommen muss.
Das Unverständnis zeitgenössischer Kunst und mancher Objekte, wächst mit der Anzahl der unterschiedlichen Arbeiten, die für den Laien, zum Teil austauschbar erscheinen, weil sie keine klare Position beziehen.
Es geht schließlich um den Geschmack des Käufers und seine Präferenzen.
Der Sammler und Kunstinteressierte möchte das Werk mit seinen eigenen Augen entdecken, verstehen und von dem betrachteten Objekt fasziniert sein. Die Kunst muss ihn berühren, packen sowie Interpretationsspielraum bieten.
Kurz: Es muss ihm gefallen.
Sicher lässt sich über Geschmack streiten. Kunst kann stark polarisieren.
Jedoch möchte ich behaupten, dass man Tendenzen der Faszination und des daraus folgenden Gefallens erkennen kann. Neben dieser „Gefälligkeit“ gibt es ein Grundverständnis für den Begriff „Kunst“ von vielen Menschen.
Die Qualität der Arbeitsweise und die Neuartigkeit lässt sich bestimmen.
Wenn sich der Künstler stetig entwickelt, eine eigene Handschrift besitzt und nicht für den Markt arbeitet, ergibt sich eine Beständigkeit im Preisniveau der Werke. In Zeiten der Unsicherheit ist Beständigkeit und die damit einhergehende Sicherheit zunehmend für den Käufer ein Qualitätsmerkmal und unterstreicht seine Kaufentscheidung.
Das heutige Kunstwerk sollte sich daher nicht der Farbe des Sofas oder des Teppichs sowie der zur Verfügung stehenden Fläche beugen. Je unabhängiger die Arbeit des Künstlers vom Markt ist, desto beständiger ist auch die Qualität der Werke.

Der heutige Kunstmarkt lässt nur wenigen jungen Talenten den Freiraum, wirklich künstlerisch zu arbeiten, ohne dass sie Verkaufsstrategien unterliegen und nur das erarbeiten, was gut in Sammlungen passen könnte.

Auch wenn die wahre Ästhetik, die Neuartigkeit und die Intellektualität von fast allen Mitspielern streng propagiert wird, scheinen sich nur eine Handvoll erfolgreich für die seelische Existenz der Kunst wirklich einzusetzen. Sie begreifen, dass der Markt nur wegen der Künstler existiert.
Da liegt das Potenzial des Berliner Kunstgeschehens. Es gibt unzählig viele unentdeckte Künstler, die in höchster Qualität arbeiten, aber nicht von einer der „tonangebenden“ Galerien in Berlin vertreten werden.

Der übersättigte und trotzdem überteuerte Kunstmarkt für zeitgenössische Kunst ist von keinem mehr zu überblicken sowie kaum noch zu durchschauen. Seine unübersichtliche Größe, die ungreifbare Masse an meist selbst erklärter Künstler sowie die zunehmende Austauschbarkeit sind seine Schwäche.

Der Künstler und die Kunst brauchen einen gesunden Markt, in dem die Kräfte ausgeglichen sind.  Künstler brauchen eine professionelle Plattform, eine Brücke zur Öffentlichkeit, um ohne den herkömmlichen Galeriebetrieb auf sich aufmerksam zu machen.
Wie schon beschrieben – eine Rückbesinnung auf Kunst mit hoher, nachvollziehbarer Qualität ist die Konsequenz. Sammler kaufen wieder mit ihren eigenen Augen, ihrem eigenen Gefühl und entdecken einzigartige Werte.

Ein Kunstmarkt, der begreifbare Qualität vermarktet, hat langfristig Bestand.

Berlin ist und bleibt die Stadt der Künstler

Berlin ist inzwischen einer der führenden Produktionsstandorte für zeitgenössische Kunst in Europa und der Welt geworden. Viele Galerien, Sammler und Kunstliebhaber interessieren sich für die Kunst aus der deutschen Hauptstadt, die als weltweit größte Produktionsstätte von Gegenwartskunst gilt. (Berlin Contemporary, Angela Hohmann, Imke Ehlers, Jovis Verlag, 2005)
„Junge Künstler aus der ganzen Welt kommen in die Kulturmetropole an die Spree. Viele lassen sich hier nieder, weil sie sich von der schöpferischen Atmosphäre der Stadt beflügelt und inspiriert fühlen.“, so die Freunde der Nationalgalerie. (www.freunde-der-nationalgalerie.de / aufgerufen am 24.10.2008) „Internationale Künstler wollen am liebsten in Berlin ausstellen.“ bestätigt Philomene Magers, die mit ihrer Partnerin ihr Stammhaus aus Köln nach Berlin verlegt und ihre Dependace in München schließt. Monika Sprüth, Hagers Geschäftspartnerin hält Berlin einfach für einen der wichtigen Orte, „wo der Diskurs geführt wird.“ (So funktioniert der Galerienboom von Elke Buhr im Art Magazin, Nr. 11, November 2008)

Die Nachwendezeit in Berlin brachte viele Künstler von außerhalb in die Stadt und hielt viele einheimische Künstler. Die entfesselnde Stimmung, die niedrigen Mieten und die damit verbundenen niedrigen Unterhaltskosten machte Berlin interessant für junge Künstler sowie Galerien und eröffnete ihnen neben den Etablierten neue Chancen und Nischen. Heute bietet die Stadt ein hohes Potenzial an qualitativ hochwertiger Kunst, eine Vielzahl an Galerien und immer wieder neue kleine Kunstzentren.

Anfang der Achtziger Jahre machten in Berlin nur die „Jungen Wilden“ im Westteil der Stadt auf sich aufmerksam. Jedoch hatte Berlin, auch durch seine Lage, im Gegensatz zu anderen deutschen Städten wie beispielsweise Köln oder Düsseldorf bis auf wenige Ausnahmen nur einen geringen Stellenwert im deutschen Kunstmarkt. Es gab zwar seit Ende der Sechziger Jahre eine rege Subkultur auf der „Insel Berlin“, die sich zum größten Teil in Kreuzberg abspielte. Die neue Gesellschaft für Bildende Kunst (ngbk) unterstützte seit 1969 die westberliner Kunstbewegung. Berlin stand für Freiräume und Platz für politischen Protest, den die Lage der Stadt mit sich brachte. Jedoch blieb Berlin vom Treiben des Kunstbetriebs in Westdeutschland und der Welt größtenteils unberührt. So hatten Künstler, die schon zu den anerkannten ihrer Gattung zählten in Berlin meist noch keine Galerie, die sie repräsentiert hat. Eine Handvoll Galerien, die die Fahne der jungen Künstler in Berlin hochhielten, waren unter anderem Wewerka & Weiss und die Galerie Zwinger.
In Ostberlin war die Künstlerszene rund um den Prenzlauer Berg angesiedelt und setzte sich hartnäckig gegen die ideologischen Strukturen des DDR-Regimes zur Wehr. Noch politischer und konspirativer als in Kreuzberg fand hier das Künstlerleben in Hinterhöfen und stillgelegten Fabriken statt.

Der Schritt in den internationalen Kunstmarkt wagte Berlin erst nach Maueröffnung und wurde durch eine neue Generation von jungen Galerien in Berlin-Mitte vorangetrieben. Die Ersten im heutigen Galerienviertel rund um die Auguststraße waren Friedrich Loock mit seiner Galerie Wohnmaschine, die er schon seit 1988 als illegale Wohnzimmergalerie gegenüber seiner jetzigen Adresse führte, und „Judy“ Lybke, der 1992 mit seiner Galerie Eigen + Art aus Leipzig nach Berlin-Mitte kam. Dann eröffnete eine Galerie nach der anderen in diesem „neuen“ Berlin. In dieser Pionierzeit, einer Zeit des Umbruchs, entstand eine neue Kunstszene. Die niedrigen Häuser, die engen Straßen und das „Ost-Flair“ mit illegalen Partys, temporären Bars und Untergrundclubs in Hinterhof-Kellern und Ruinen inspirierten zu Aktionen und machten die Stadt mit einer entstehenden Subkultur lebendig. Es war eine Zeit der Improvisation. Die Kneipen- und Clubszene verschmolz mit der Kunstszene. Es entstanden in den frühen Neunziger Jahren Initiativen wie das Tacheles in der Oranienburger Straße, das ACUD oder die aktions galerie.

Das Kunstleben hatte sich also größtenteils aus dem westlichen Kunstbezirk Charlottenburg mit seiner Galerieszene und dem wilden Kreuzberg in den frischen und abenteuerlichen Teil der Stadt wie Mitte oder Prenzlauer Berg verlagert. Dazu trugen die Galeristen einen Teil dazu bei, die keine Mauer zwischen Ost und West in ihren Köpfen hatten.

Die subkulturelle Szene in Mitte hat sich dann im Laufe der Jahre bis heute stark kommerzialisiert. Aus den Projekträumen dieser Zeit wurden kommerzielle Galerien. Das BüroFriedrich des Niederländers Waling Boers kuratierte 2005 für die Londoner Frieze ein „specefic artists“-Projekt, Maschenmode von Guido W. Baudach, Martin Germann und Peter K. Koch und der loop-raum für aktuelle Kunst von Rüdiger Lange, die für die Kunstszene der Anfänge in Mitte zählen, wurden kommerzielle Galerien.

Heute hat sich die Waage wieder etwas austariert, denn die Stadt scheint in ständiger Bewegung zu sein. Andere Bezirke sind, obwohl sie schon immer da waren, zu den nichtkommerziellen „Kunstschauplätzen“ geworden. Die Subkultur hat sich demnach wieder verlagert. Mittlerweile teilt sich die Stadt den Kunstbetrieb auf.
Charlottenburg und seine Galerien vertreten zum großen Teil die arrivierten und schon etablierten Westberliner Künstler. Außerdem finden sich hier die Galerien, die mit Moderner Kunst und der Avantgarde handelt.
In Mitte sind die Galerien zu finden, die durch ihren internationalen Ruf und Einfluss agieren. Derjenige, der auf dem internationalen Parkett mitspielen möchte, hat eine Fläche in Berlin-Mitte angemietet. Selbst Michael Schultz als Westberliner Urgestein der Kunst hatte Anfang der Neunziger Jahre mit dem Gedanken gespielt, sich in der Nähe der Oranienburger Straße niederzulassen. Nachdem sich die Pläne zerschlagen hatten, steht nun im Jahr 2010 vielleicht ein Umzug in ein Künstlerhaus in der Nähe der Berlinschen Galerie in Mitte an. (Interview mit dem Autor, 7.1.2009)
Ende der Neunziger Jahre und nach 2000 verlagerte sich schon das experimentierende Künstlervolk eher in Richtung Friedrichshain. Hier entstehen neben Prenzlauer Berg eine Reihe von Galerien und Designerläden, wo sich Künstler aus aller Welt ausprobieren.
Heute sind aber auch eigentliche Außenseiterbezirke angesagt. So ziehen einige Künstler und Galerien in Bezirke wie Wedding oder Tiergarten. Entlang der Brunnenstraße breitet sich das Kunstleben in Richtung Norden, Richtung Wedding, aus. Es entstehen neue kleine Galerien, kleine Kunstzentren, die neue, relevante Positionen aktueller Kunst von noch unbekannten Talenten zeigen.
Aber auch Kreuzberg und Neukölln sind seit ein paar Jahren wieder zu den Bezirken zu zählen, wo junge Kunst entsteht. Dreht sich der Trend wieder um, Richtung Westen? Rund um die Schlesische Straße im „Wrangelkiez“ entstehen temporäre Galerien, immer neuere Läden, in den Kunst und Design verkauft wird. Dabei scheint es, als würden sich junge Kreative, die in Westberlin geboren sind, heute eher in Kreuzberg und die, die im Ostteil aufgewachsen sind, eher in Friedrichshain niederlassen. Verbunden sind die beiden Bezirke durch die Oberbaumbrücke, auf der seit 2003 halbjährlich ein Kunstmarkt, eine „Open-Air-Gallery“ stattfindet. Der Markt wird vom  Stadtteilausschuss Kreuzberg e.V. organisiert und „soll einen neuen Raum für Kunstbetrachtung und Kunstverständnis schaffen“. (http://www.welt.de/welt_print/article2333641/Kunst-auf-der-Oberbaumbruecke.html / aufgerufen 24.10.2008)

Berlin bietet – sich immer wieder neu eröffnende – Freiräume für künstlerische Positionen, immer neue Projekte und Initiativen. Wenn der eine Teil der Kunst sich kommerzialisiert, wird in einem anderen Teil experimentiert und rebelliert. Auch wenn das Tacheles, eine vor 18 Jahren von Künstlern besetzte Kaufhausruine, unter den Hammer einer Zwangsversteigerung kommt, weil der Pachtvertrag zum Ende 2008 ausläuft (Tagesspiegel, 15.11.2008, Das Tacheles kommt unter den Hammer), werden sich andere Nischen auftun, wo die Kunst Platz zum experimentieren findet.

Und das ist es, was Berlin auszeichnet. Es ist eben die größte Produktionsstätte zeitgenössischer Kunst. Es bilden sich immer neue Projektgruppen mit kreativen Ideen. Die bis heute relativ niedrigen Mieten und Unterhaltskosten lassen viele Künstler in Berlin leben und arbeiten. Dies gibt Galeristen die Möglichkeit, sich auf die sogenannte „Emerging Art“ zu konzentrieren, sich einen noch unbekannten Künstler mit Potenzial rauszusuchen und im Kunstbetrieb durchzusetzen. Es scheint alles möglich zu sein.