Seltsame Strategien – Guerilla-Verkaufsaktionen

Es gibt aber auch seltsame Absatzwege, die sich Künstler und Manager ausdenken, um die Popularität und die Verkaufszahlen zu steigern.
Vor kurzem, wie schon beschrieben, verkauft der Künstler wie Damien Hirst seine Werke einfach selber im Auktionshaus.

Aldi machte zu Weihnachten 2003 auf sich aufmerksam, indem der Lebensmittel-
Discount-Markt zwei Original-Grafiken des Künstlers Felix Droese in einer Auflage von jeweils 10.000 Exemplaren in sein Sortiment aufnahm. Für 12,99 Euro konnte man das Kunstwerk in allen Aldi-Märkten gleichzeitig erstehen. Nach zwei Stunden hieß es: „Das Kunstzeug? Is aus. Müssen Se früher kommen“ (Blomberg, Katja: Wie Kunstwerte entstehen. Das Geschäft mit der Kunst. Murmann Verlag, Hamburg, 2005. 3. Ausgabe März 2008, S. 18 / Anmerkung 18)
Droese erhielt pro Blatt einen Euro und das Image von Aldi wurde ebenfalls innerhalb weniger Stunden aufgebessert.

Kunst ist eben kein reines intellektuelles Luxusgut mehr. Kunst hat als Produkt die Masse erreicht und ruft zum Teil nach Marketingstrategien, die auch in anderen Bereichen der Wirtschaft Anwendung finden.

Im Oktober 2008 fand in der Torstraße 166 etwas ganz anderes statt. Kunst zum Staunen – ein Erlebnis für die ganze Familie. Zwölf Künstler gestalteten zwölf Wohnungen in einem Altbau mit den Mitteln, die Sie dort vorfanden. Es entstand aus dem vor kurzem noch verlassenen und vergessenen Wohnhaus der WBM in Berlin-Mitte, vom Keller bis zum Dach im Zustand des „Nicht-mehr-noch-nicht“, das „Haus der Vorstellungen“. (www.torstrasse166.de)
Das Projekt, von Hornbach gesponsort und unterstützt, wurde in Anzeigen, auf Plakaten und mit Flyeraktionen  im gesamten Stadtgebiet beworben. Diese von Ralf Schmerberg, Jaana Prüss und Peter Weber ins Leben gerufene Ausstellung, macht die große Öffentlichkeit auf Kunst im urbanen Raum aufmerksam.
Durch eine merkwürdige Idee, ein leerstehendes Haus mit „Kunst“ zu bespielen, einen passenden Werbepartner wie Hornbach zu finden, der sonst auch baufällige Gebäude als Werbeträger nutzt und damit einen anderen Weg zu beschreiten, zieht die Presse magisch an. So bekommt diese Kunstprojekt eine halbe Seite im Tagesspiegel. (Tagesspiegel, Nr. 20 048, Mittwoch, 8.10.2008)