Maik Wolf bei Michael Schultz

Verlassene Orte haben manchmal etwas Geheimnisvolles an sich. Etwas Ungewohntes, Unwirkliches. Wenn es zu still ist, zu einsam, wirkt zuweilen auch unsere gewohnte Lebenswelt unecht und zieht uns zugleich magisch an. Wir schauen genauer hin, spüren und hinterfragen. „Wenn man Wirklichkeit beobachtet, wird sie schnell surreal. Magisch ist Realität sowieso“ sagt Maik Wolf, der vom 4. Juli bis 29. August 2015 mit seiner Ausstellung TECHTOTEM in der Galerie Michael Schultz zu sehen ist.

Maik Wolf, Techtotem Prognostikon 2, 2014, Öl auf Leinwand, 100 x 70 cmWolfs Werke zeigen surreal anmutende Momente unserer Lebenswelt: verlassene Stadtansichten, architektonische Ensembles, karge Landschaften in fahles, künstliches Licht getaucht. Als Inspiration dienen ihm eigene Fotografien und digitale Skizzen sowie seine Phantasie. Während seine früheren Werke noch wirklichkeitsgetreuere Darstellungen zeigen, enthalten seine späteren Arbeiten zunehmend surreale Arrangements. So finden sich inmitten von Landschaften einzelne Buchstaben, Formen, Symbole, Zahlen in unterschiedlicher Größe und ohne erkennbaren Bezug. Nichts ist fremd im Einzelnen, die Kombination jedoch gibt Rätsel auf, gleich Projektionsflächen des Unterbewussten, das zwar Vertrautes hervorbringt, es jedoch für unser Bewusstsein oft verschlüsselt hält. Die Titel sind ebenso sowohl komplex als auch rätselhaft und spielen auf den Bildinhalt an. Seine neueste Serie „Vexiere“ referieret an Vexierspiele (lat. vexare „plagen“), Rätselspiele, die gelöst, entwirrt oder sinnvoll zusammengesetzt werden sollen. Wie überdimensionale Bauklötzen für Riesen liegen die Formen, Buchstaben und Zahlen umher, laden ein, mit ihnen zu spielen. Seine Werke schaffen neue Wirklichkeiten, in denen wir als ihre Betrachter uns verorten, Raum gewinnen für Reflexion und beginnen, auch in der heutigen Schnelllebigkeit unseres Alltags, Leere zu fühlen, Stille zu ertragen und mit ihrer surrealen Rätselhaftigkeit, das zu hinterfragen, was wir als gewohnt empfinden.

Maik Wolf studierte an der Hochschule für Kunst und Design in Halle und an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Ausstellung vom 4. Juli 2015 bis 29. August 2015
Vernissage: Samstag, 4. Juli 2015, 19 Uhr

Galerie Michael Schultz
Mommsenstraße 34
10629 Berlin

Bild: Maik Wolf, Techtotem Prognostikon 2, 2014, Öl auf Leinwand, 100 x 70 cm / PR Galerie Michael Schultz