Kunstpreise – Das Siegel für „Gute Kunst“?

WIE ENTSTEHEN TRENDS, HYPES UND WER BILDET MEINUNG?

Kunstpreise werden meist in Form von Ausschreibungen eines Wettbewerbs von öffentlichen oder privaten Stellen vergeben. Sie zeichnen Künstler für besondere künstlerische Leistungen aus. Sie sind meist dotiert oder fördern durch Stipendien die Künstler, steigern jedoch gleichzeitig deren Wert. Es gibt einige anerkannte Preise, die Trends abschätzen lassen und junge Talente zum Vorschein bringen.

Es gibt unter anderem den „Cologne Fine Art-Preis“. Er ist entsprechend der Geschichte der Messe aus dem KUNSTKÖLN-Preis und zuvor dem art multiple-Preis hervorgegangen und wurde 1996 erstmals vergeben.
Der Bundesverband Deutscher Galerien und Editionen und die Kölner Messe verleihen diesen mit 10.000 Euro dotierten Preis jährlich. Außerdem ist dem Werk des jeweiligen Preisträgers im Jahr der Preisverleihung auf der Kunstmesse eine Sonderausstellung gewidmet. (www.cologne-fine-art.de)

Im Auftrag des Berliner Senats verleiht die Akademie der Künste jährlich den Berliner Kunstpreis, offiziell „Berliner Kunstpreis – Jubiläumsstiftung 1848/1948“. Neben 15.000 Euro werden noch weitere Förderpreise mit jeweils 5.000 Euro verliehen.
Die Geschichte des Berliner Kunstpreises reicht bis 1948 zurück und wird in Erinnerung an die Märzrevolution von 1848 vergeben. Bis 1969 verlieh ihn der Senat von Berlin unter dem Namen Kunstpreis Berlin; seit 1971 wird er von der Akademie unter seinem heutigen Namen verliehen.
Die Sparten des Preises sind nach Fassung der Richtlinien seit 1984: Musik, Literatur, Darstellende Kunst sowie Film, Hörfunk, Fernsehen bzw. Film- und Medienkunst.
Der Berliner Literaturpreis trägt den Namen Theodor-Fontane-Preis und ist Nachfolger des 1914 erstmals vergebenen gleichnamigen Preises.

4 New Sensations ist ein im April 2007 von Channel 4, ein privater britischer Fernsehsender, und der Saatchi Gallery erstmals verliehener Kunstpreis. Er ist mit 3.000 Pfund dotiert. Wer hier wohl den Trend setzt und damit vielleicht den Wert seiner eigenen Künstler steigert?

Der bedeutendste und in der Kunstwelt populärste Kunstpreis ist der britische Turner Prize. Er ist ein nach dem Maler J. M. W. Turner benannt und wird alljährlich an einen Künstler, der jünger ist als 50 Jahre, verliehen.
Der Preis wurde erstmals 1984 vergeben und ist mit insgesamt 40.000 Pfund dotiert. Dabei gehen 25.000 Pfund an den Gewinner und jeweils 5.000 Pfund an die anderen nominierten Künstler. Die Preisvergabe wird von der Londoner Tate Gallery organisiert. (http://www.tate.org.uk/britain/turnerprize)

In Deutschland ist das Pendant zum Turner Prize der Preis für Junge Kunst – Preis der Nationalgalerie. Um ebenbürtig zu sein, ist er mit einem Preisgeld von 50.000 Euro dotiert. Der Preis für Junge Kunst wird vom Verein der Freunde der Nationalgalerie vergeben und ist einer der höchst dotierten Preise für Gegenwartskunst in Deutschland.
Seit dem Frühjahr 2000 wird der Preis ausgelobt und im Jahr 2009 zum fünften Mal verliehen.
Gefördert werden sollen Künstlerinnen und Künstler im Alter unter 40 Jahren, die bereits ein Werk als Beurteilungsbasis vorlegen können. Sponsor und Förderer ist BMW. (www.freunde-der-nationalgalerie.de / www.preis2009.de)

Es gibt mehr als 100 bei Wikipedia registrierte Kunstpreise, wobei dort regionale Ausschreibungen wie Bezirksausschreibungen nicht mit aufgezählt sind.
Manche von ihnen dienen der Künstler- oder Nachwuchsförderung, sie vergeben Stipendien und finanzielle Unterstützung.
Je nach Preis und Dotierung, je nach Jurybesetzung und Veranstalter ist die Gewichtung der Bedeutung unterschiedlich. In jedem Fall kann der jeweilige Kunstpreis in der Vita des Künstlers wertsteigernd sein, denn es zeigt, dass eine ausgewählte Jury von Fachleuten die Kunst als wertvoll und qualitativ hochwertig einschätzt und für förderungswürdig erklärt.

Das Bedürfnis der Menschen an Wettbewerben teilzunehmen oder Hierarchien aufzustellen, liegt in deren Natur. Nachweislich lassen diese sich auch in Kleingruppen der Tierwelt bis hin zu komplexen Gesellschaften beobachten.
Bereits 1691 klassifizierte der Franzose Roger de Piles Kunstwerke nach Bedeutung und Rang. So belegte Leonardos Mona Lisa damals nur den elften Platz. Markt und Mode nahmen damals schon Einfluss auf die Werturteile der Experten und deren Ranglisten.
„Kunst Ranking“ besitzt nicht nur die Eigenschaft, Aufmerksamkeit zu messen, sondern sie in gleichem Maße zu erzeugen. Damit erkennen sie nicht unbedingt nur Tendenzen, sondern wirken oftmals verstärkend.
Man bezeichnet den Effekt der zeitnahen Wirkung des Kunst Rankings oft auch als self-fulfilling-prophecy. (Dossi, Piroschka: Hype. Kunst und Geld. Deutscher Taschenbuch Verlag, München. 2007. 4. Auflage 2008, S. 184)

Die Vergabe solcher Preise hängt stark von der Jury sowie deren Verflechtung innerhalb des Kunstbetriebs ab und scheint daher manchmal nicht plausibel.