Kunst als intellektuelles Moment und ihre seelische Existenz

Nirgendwo sonst stehen sich zwei so unterschiedliche Positionen, die des Künstlers, des Schaffenden, und die des Vermarkters gegenüber und arbeiten doch Hand in Hand. Nirgendwo sonst gehen Preisbildung und wahre Qualität so auseinander, sind so unerklärbar und scheinen willkürlich wie auf dem Kunstmarkt. Diffuse, teilweise korrupte Strukturen bilden den Kunstbetrieb, in dem ein paar mächtige Leute den Takt angeben.

Ist aber eine Vermarktung, ein Kunstmarkt wie er existiert, legitim, wenn Künstler existieren, nur weil es einen Markt gibt? Muss nicht die Qualität der Arbeiten den Preis bilden und nicht der Name des Künstlers, der nur noch als Markenname fungiert? Muss sich der Markt nicht um die Kunst drehen?

Kunst bleibt ein intellektuelles Moment entgegen jeder Vermarktungsstrategie. Kunst bleibt Spiritualität des Künstlers, spiegelt seine Position wider und bildet seine seelische Existenz.
Um sie und den Künstler verstehen zu können, muss sie vom Betrachter wahrgenommen werden. In den Zeiten, in denen es viel Kunst gibt – wie heute – gilt es aufzufallen und Interesse zu wecken. Dazu muss das Kunstwerk eine hohe Qualität besitzen, die sich nach Meinung von Galeristen in der Neuartigkeit messen lässt.
Arbeitsweisen und Kunstrichtungen wiederholen sich aber ständig. Die Neuartigkeit, das „Das hab ich ja noch nie gesehen“, wird immer schwieriger zu erreichen.
Eine Rückbesinnung auf die handwerkliche Qualität und den mit dem Auge greifbaren Inhalt, der humoristisch bis politisch interpretiert werden kann, ist die einzig logische Schlussfolgerung. Qualität lässt sich besser vermarkten.
Greifbarer Inhalt ist einfacher zu erkennen. Ein technisch gut gemaltes Bild überzeugt leichter. Was helfen die größten Investitionen in die Rahmenveranstaltung, wenn der Sammler und Käufer die Kunst noch erklärt bekommen muss.
Das Unverständnis zeitgenössischer Kunst und mancher Objekte, wächst mit der Anzahl der unterschiedlichen Arbeiten, die für den Laien, zum Teil austauschbar erscheinen, weil sie keine klare Position beziehen.
Es geht schließlich um den Geschmack des Käufers und seine Präferenzen.
Der Sammler und Kunstinteressierte möchte das Werk mit seinen eigenen Augen entdecken, verstehen und von dem betrachteten Objekt fasziniert sein. Die Kunst muss ihn berühren, packen sowie Interpretationsspielraum bieten.
Kurz: Es muss ihm gefallen.
Sicher lässt sich über Geschmack streiten. Kunst kann stark polarisieren.
Jedoch möchte ich behaupten, dass man Tendenzen der Faszination und des daraus folgenden Gefallens erkennen kann. Neben dieser „Gefälligkeit“ gibt es ein Grundverständnis für den Begriff „Kunst“ von vielen Menschen.
Die Qualität der Arbeitsweise und die Neuartigkeit lässt sich bestimmen.
Wenn sich der Künstler stetig entwickelt, eine eigene Handschrift besitzt und nicht für den Markt arbeitet, ergibt sich eine Beständigkeit im Preisniveau der Werke. In Zeiten der Unsicherheit ist Beständigkeit und die damit einhergehende Sicherheit zunehmend für den Käufer ein Qualitätsmerkmal und unterstreicht seine Kaufentscheidung.
Das heutige Kunstwerk sollte sich daher nicht der Farbe des Sofas oder des Teppichs sowie der zur Verfügung stehenden Fläche beugen. Je unabhängiger die Arbeit des Künstlers vom Markt ist, desto beständiger ist auch die Qualität der Werke.

Der heutige Kunstmarkt lässt nur wenigen jungen Talenten den Freiraum, wirklich künstlerisch zu arbeiten, ohne dass sie Verkaufsstrategien unterliegen und nur das erarbeiten, was gut in Sammlungen passen könnte.

Auch wenn die wahre Ästhetik, die Neuartigkeit und die Intellektualität von fast allen Mitspielern streng propagiert wird, scheinen sich nur eine Handvoll erfolgreich für die seelische Existenz der Kunst wirklich einzusetzen. Sie begreifen, dass der Markt nur wegen der Künstler existiert.
Da liegt das Potenzial des Berliner Kunstgeschehens. Es gibt unzählig viele unentdeckte Künstler, die in höchster Qualität arbeiten, aber nicht von einer der „tonangebenden“ Galerien in Berlin vertreten werden.

Der übersättigte und trotzdem überteuerte Kunstmarkt für zeitgenössische Kunst ist von keinem mehr zu überblicken sowie kaum noch zu durchschauen. Seine unübersichtliche Größe, die ungreifbare Masse an meist selbst erklärter Künstler sowie die zunehmende Austauschbarkeit sind seine Schwäche.

Der Künstler und die Kunst brauchen einen gesunden Markt, in dem die Kräfte ausgeglichen sind.  Künstler brauchen eine professionelle Plattform, eine Brücke zur Öffentlichkeit, um ohne den herkömmlichen Galeriebetrieb auf sich aufmerksam zu machen.
Wie schon beschrieben – eine Rückbesinnung auf Kunst mit hoher, nachvollziehbarer Qualität ist die Konsequenz. Sammler kaufen wieder mit ihren eigenen Augen, ihrem eigenen Gefühl und entdecken einzigartige Werte.

Ein Kunstmarkt, der begreifbare Qualität vermarktet, hat langfristig Bestand.

One reply on “Kunst als intellektuelles Moment und ihre seelische Existenz”

  1. Das liest sich wirklich interessant, auch wenn ich den Gedanken als etwas sehr idealistisch finde. 😉

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