Die Rolle des Internet auf dem Kunstmarkt

Das Internet gilt heute mit zu den bedeutendsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte. Noch nie war es einfacher an Informationen zu kommen und eben solche auch zu versenden.

Sir Timothy John Berners-Lee hat das Internet wohl nicht erfunden, aber er hat es der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Vorher nur als eine Geheimwaffe des Pentagon genutzt, erfand Berners-Lee – heute im Vorstand des World Wide Web Consortiums und Professor am MIT in Massachusetts (USA) HTML (Hypertext Markup Language), eine Seitenbeschreibungssprache der heutigen Websites und begründet das World Wide Web.

Nie zuvor ließen sich Bilder und Informationen in alle Welt und zu jedem Kunstinteressierten senden, der eine Anfrage gestellt hat.
Das macht das Internet für den Kunstmarkt zu einem wichtigen Hilfsmittel und Medium, um die Kunst an den Mann zu bringen. Das bestätigt die Galerie Kicken: „Der Kunstmarkt war einer der ersten globalen Märkte überhaupt, der sich unglaublich erweitert hat durch das Internet, das billige Reisen. Das ist der Vorteil der Globalisierung“. (E-Mail an den Autor, 8.1.2009)

Es lassen sich schneller Gerüchte streuen, Hypes generieren und eine Bekanntschaft des Künstlers erringen.

Inzwischen gibt es kaum noch Museen, Galerien, Auktionshäuser, Messen sowie Publikationen, die ohne eine Präsenz im Internet auskommen. Jede Kunstveranstaltung bedient sich den Möglichkeiten der digitalen Technik, sei es das Generieren einer wachsenden Newsletterdatenbank für Interessenten oder die Presseakkreditierung in digitaler Form.

Außerdem sind immer mehr Kunst-Portale im „Netz“ entstanden, die eine fast unbegreifliche Fülle an Wissen und Nachrichten bieten, indem sie wieder mit anderen Websites und Portalen vernetzt sind.
Ein Klick genügt und man gelangt zu den gewünschten Informationen auf einer der immer mehr werdenden Seiten im Internet.

Die Website einer Galerie dient heutzutage als Visitenkarte und als Schaufenster zur Öffentlichkeit. Der Besucher und Kunstinteressent kann sich schon im Vorfeld einen Eindruck der ausgestellten Kunstwerke verschaffen. Auf manchen Seiten kann man E-Mail-Newsletter abonnieren. Wie aber auch in allen anderen Medien spielt die Internetpräsenz eine wichtige Rolle für das Image der Galerie oder des Händlers und dessen Kunst er vertreibt. Trotzdem gibt es deutliche Unterschiede in der Qualität der Internetpräsenzen der Berliner Galerien. Teilweise wimmelt es von Rechtschreibfehlern, Verlinkungen, die ins Leere führen. So haben teilweise die großen Galerien Webseiten, die eigentlich einem alten Standard entsprechen, obwohl sie sie selber als sehr wichtig und umfangreich beschreiben.

Für Galeristen kann das Internet aber auch andere Schattenseiten aufzeigen. Im Zeitalter von Amazon und eBay werden teilweise Preise erschüttert.
Am 20.10.1999 lautet ein Titel auf Golem.de, dem Online-Magazin für „IT-Profis“ und die Medienwelt: „eBay attackiert Christie’s und Sotheby’s“. Unter dem Namen „Great Collections“ hat eBay einen Trend entdeckt und eine eigenständige Online-Plattform für hoch- und höchstwertige Kunstgegenstände eingerichtet.

„Jetzt kommt erstmals echte Kunst in das Internet. Das ist das Ende der bisherigen Quasi-Monopole von Christie’s und Sotheby’s“, meinte eBay.
Als Zielgruppe für Great Collections nannte  das weltweit größte Online-Auktions-Portal in erster Linie Galeristen, Kunsthändler, Auktionshäuser und Juweliere, spricht aber in Wirklichkeit ein Millionenpublikum an. (http://www.golem.de/9910/4876.html / 20.10.1999 / aufgerufen am 18.9.2008)

Das Monopol der Traditionshäuser, in denen Versteigerungen exklusiv zwischen Champagner und Kaviar, stattfinden, ist seitdem gebrochen.

Im Oktober 2006 versteigerte der Münchener Förderverein des Hauses der Kunst seinen gesamten Bestand. Darunter fanden sich Bilder von Picasso, Dix, Mirò und Richter. Die Erklärung dafür waren die hohen Kosten für Lagerung und Versicherung der Bilder, die bis zu dieser Zeit im Keller auf ihre Kunstinteressenten warteten.

Im Juli 2007 wurde damit begonnen, Lagerbestände niederländischer Museen bei eBay zu versteigern.
Weil die Depots maßlos überfüllt seien, wurden 1.300 Arbeiten, Zeichnungen aber auch Gemälde, veräußert. Ab dem 4. Juli sollten an jedem Sonntag um 21 Uhr 50 weitere neue Objekte auf der Startseite des Onlineauktionshauses eBay  angeboten werden. Das „Amsterdamer Instituut Collectie Nederland“ (ICN), das es sich zur Aufgabe gemacht hat, das kulturelle Erbe der Niederlande zu schützen und zu fördern, erhofft sich durch die Erlöse der Auktionen neue Kunstankäufe und Aufbau der Sammlungen niederländischer Museen. Fünf Museen nehmen an dem Pilotinternetprojekt, welches Kritiker als „Groß-reine-machen“ bezeichnen, teil.
Etwas komisch erscheint es schon, wenn der Käufer eines Ölgemäldes des niederländischen Malers Ed Dukkers (1923-1996) für 2.020 Euro „pleun123“ heißt.
(http://www.zeit.de/online/2007/29/kunst-ebay-versteigerung?page=1 / Susanne Schmetkamp | © ZEIT online  17.7.2007 – 04:34 Uhr/ aufgerufen am 18.9.2008)

In Deutschland sind jedoch Verkäufe von staatlichem Museumsgut kein Thema, so Markus Gnad vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. „Die staatlichen Museen in Bayern haben einen Sammlungsauftrag und nehmen grundsätzlich nicht am Kunsthandel teil.“
Eine Auktion von Museumsbeständen widerspreche „völlig dem Museumsgedanken“, sagte auch Matthias Henkel, Sprecher der Staatlichen Museen zu Berlin. „Unsere Aufgabe ist es, Sammlungen zu erhalten, auf keinen Fall zu veräußern. Zudem entdeckt man manchmal nach Jahren noch richtige Schätze in den Magazinen, die dann gegebenenfalls unter einem neuen Aspekt gesehen werden.“

Nichts desto trotz scheint das Internet eine Möglichkeit zu sein, Kunst zu verkaufen. Das bietet auch unbekannter, wenig beachteter oder alter Kunst, der es an öffentlicher Aufmerksamkeit mangelt, einen alternativen Vertriebsweg.

In Deutschland, neben Großbritannien und den USA gehört die Rubrik „Antiquitäten und Kunst“ laut eBay zu einer der umfangreichsten auf dem Internetportal. Um die 180.000 Artikel werden unter den virtuellen Hammer gebracht. (http://www.zeit.de/online/2007/29/kunst-ebay-versteigerung?page=2 / Susanne Schmetkamp | © ZEIT online  17.7.2007 – 04:34 Uhr/ aufgerufen am 18.9.2008)

Auch wenn im März 2004 eine Collage von Pablo Picasso für 160.000 Dollar über eBay versteigert wurde, bleibt das eher der Ausnahmefall. Dieses Gebot ist bisher das höchste, welches bei einer Onlineauktion abgegeben wurde. Sotheby’s hatte sich bereits 2003 aus dem virtuellen Auktionsgeschäft mit einer eigenen Plattform verabschiedet. (Blomberg, Katja: Wie Kunstwerte entstehen. Das Geschäft mit der Kunst. Murmann Verlag, Hamburg, 2005. 3. Ausgabe März 2008, S. 21)
Christie’s hingegen eröffnete seinen Kunden im Jahr 2006 die Möglichkeit über „Christie’s Life“ online mitzubieten. Auf diese Weise wurden vom New Yorker Auktionshaus innerhalb eines Jahres um die 39 Millionen Dollar umgesetzt.

Für schnellverfügbare Informationen jedoch scheint es sich eher zu lohnen. Als Pionier entstand in den Neunziger Jahren das Portal von artnet.com aus New York, die inzwischen mit einer deutschen Website (artnet.de) ebenfalls aufwarten. In den Jahren seiner Arbeit entwickelte sich eine Datenbank von über 3,5 Millionen Einträgen, 180.000 Künstlern mit Preisen, 15.000 Künstleradressen im „Gallery Network“ sowie eine Liste von 1.900 Galerien-Websites. Heute führend, gelangt der Benutzer bei Artnet an seriöse Informationen über internationale Kunst.
Andere Plattformen, auf denen man Informationen erhalten und Kunstwerke erstehen kann, sind neben eBay noch kunstmarkt.com, artinfo24.com, Extralot.com, artfacts.net und artprice.com. Die Angebote dabei sind aber im Erscheinungsbild wie auch im Preisniveau sehr unterschiedlich.

Die weltweit größte Kunstmarkt-Datenbank hat dabei artprice.com und bietet dabei Zugriff auf 25 Millionen Auktionsergebnisse und Künstlerbiografien. Permanent werden hier die Ergebnisse von fast 3.000 Auktionshäusern ausgewertet. Noch bis 2002 gab es die jährlichen Ergebnisse in gebundener Form, seit dem auch auf CD-ROM. Ab vier Euro im Monat kommt man auf der Website des Unternehmens an das gesammelte Datenmaterial. (www.artprize.com) (Herstatt, Claudia: Fit für den Kunstmarkt. Hantje Cantz. Ostfildern, 2007, S. 30) Hier scheint der Inhalt weit über dem Design und der Übersichtlichkeit zu stehen. Die Internetpräsenz ist unübersichtlich und scheint seit Jahren gestalterisch nicht bearbeitet worden zu sein.

Die deutsche Wochenzeitung „Die Zeit“ hat ein eigenes Portal unter kunst.zeit.de eröffnet und bietet dort Repliken und Editionen im eigenen Shop an. Diese Website steht in direktem Bezug zum Magazin Weltkunst, das ebenfalls aus dem Hause des Zeitverlags stammt. Neben Terminen findet man hier auch Verweise zu Kunsthändlern und Auktionshäusern. Auffällig ist, dass Weltkunst.de, kunst.zeit.de und  kunstundauktionen.de die gleichen Seiten in unterschiedlichen Farben  darstellen und mit Links untereinander verbunden sind. Damit steigen sie im Google-Ranking.

Auch wenn in der Kunstwelt das Verhältnis zum Internet gespalten ist und sich nur langsam eine Akzeptanz entwickelt, ist der Gründer von Artnet, Hans Neuendorf, optimistisch. „Das Internet ist das ideale Medium für den Kunstmarkt. Er ermöglicht eine Verbesserung der Preistransparenz, eine dramatische Senkung der Werbe- und Kommunikationskosten, einem mühelosen Marktüberblick und schließlich die Lösung des Kernproblems, des Mangels an Liquidität. Käufer und Verkäufer werden sich zu geringen Kosten über das Internet finden, und der Markt wird von seinen Beschränkungen erlöst und insgesamt viel größer und liquider werden … Die Galerien und mit Ihnen der Kunde, der fachkundige Beratung schätzt, werden die großen Gewinner des Internets sein.“ (Blomberg, Katja: Wie Kunstwerte entstehen. Das Geschäft mit der Kunst. Murmann Verlag, Hamburg, 2005. 3. Ausgabe März 2008, S. 22 hinweis/Anmerkung)

Es bleibt dabei: Kunst wird fast ausschließlich, jedenfalls im Hochpreissegment, nur als Auflagenkunst oder in Editionen im Internet vermarktet und verkauft. Das sinnliche Erlebnis der Einzelstücke und der Originale findet nur in der realen Welt statt. Die haptische Qualität lässt sich nicht auf dem Bildschirm nachbilden.
Gerade für den Laien lässt sich weder die Echtheit eines Kunstwerks im Internet  feststellen noch die Qualität der Arbeit abschätzen. Durch Farbverfälschungen können ebenfalls Fehlbeurteilungen auftreten.
Das Kunstwerk muss sinnlich auf den Betrachter einwirken und zur Not kann der Galerist live ins Geschehen eingreifen und noch „Überzeugungsarbeit“ leisten.

Das Internet, so kann man sagen, hat sich bis heute nicht als anerkannte Plattform herauskristallisiert, um hochwertige Kunst zu verkaufen. Dieses Medium dient folglich primär der Recherche, und es gibt den Galerien und Künstlern dieser Welt die Möglichkeit, kostengünstig zu kommunizieren und zu werben.