Die Rolle der Printmedien in der Kunst & auf dem Markt

Im Vergleich zu anderen Gütern gibt es in den öffentlichen Medien wie Fernsehen oder Radio zwar immer mehr Informationen über Kunst zu hören und zu sehen. Dennoch ist es in dieser Sparte doch eher das Fachmagazin, welches einen Überblick verschafft.
Magazine, wie das ART Magazin, Kunstforum International oder Monopol erscheinen monatlich und gibt es im gut sortierten Zeitschriftenhandel zu kaufen.
Es gibt aber auch Magazine, die kostenlos in Galerien ausliegen wie das hochwertig gestaltete Kunst Magazin Berlin. Für den Überblick über Ausstellungen und Eröffnungen Berliner Galerien gibt es den Berliner Kunstkalender, der in Galerien gegen einen Unkostenbeitrag von 2,50 Euro zu haben ist.

ART-Magazin
Seit 1979 gibt es das ART Magazin, welches vom Hamburger Verlag Gruner + Jahr vertrieben wird.
ART gilt als populärer Meinungsmacher in der Branche, der die konservativeren Kunstinteressenten bedient. Das Magazin ist zum großen Teil journalistisch recherchiert, bebildert und dokumentiert Tendenzen in der Kunstszene. Es werden Künstler, Galeristen, Sammler und andere Akteure des internationalen Kunstmilieus portraitiert. Es gibt Nachrichten und einen Ausstellungskalender über Kunstveranstaltungen weltweit.
Besonders hervorzuheben ist die Website des Magazins. Unter art-magazin.de kann man ältere Artikel aus vergangenen Heften suchen, finden und nachlesen. Bilder jedoch gibt es nur in dem Heft, auf das verwiesen wird.
Aber auch eigenständig funktioniert das Kunstmagazin online. Es gibt täglich  aktuelle Nachrichten, Ausstellungstipps der Woche unter dem Namen „Gib mir fünf!“ und eben ein Archiv von Artikeln, die seit 1979 im ART-Heft erschienen sind.

Halbjährlich findet sich in der Printausgabe ein postkartengroßes Beilagenheft mit den Ausstellungs-Highlights, Biennalen und Messen im Überblick.

Weiterführende Links:
www.art-magazin.de

KUNSTFORUM International
„… ‚Kunstforum International‘, die wichtigste Zeitschrift für die aktuelle Kunst in Deutschland, …“, so Dr. Wulf Herzogenrath, Vorsitzender des Kölnischen Kunstvereins. (Quelle: http://www.artcontent.de/kunstforum/01_home/020_ueber/feedback.asp/ Aufgerufen: 27.9.2008)
Dieses Magazin erscheint alle zwei Monate und besteht aus einer Sammlung von Texten, die der Verleger Dieter Bechtloff im Kunstforum International zusammenfasst. In diesem schweren Kompendium schreiben international anerkannte Kunstkritiker, oftmals auch Mitglieder des Internationalen Kunstkritikerverbandes (AICA), und geben wohl den umfangreichsten Überblick über das aktuelle Ausstellungsgeschehen.
Das seit 1973 existierende Magazin erschien fast von Anfang an in einem ästhetischen Understatement und besteht aus weißen Buchdeckeln als Grund.
Das Kunstforum International bietet seinen Kunden, Abonnenten und Lesern einen Rechercheservice an. Hier hat man, nach Eingabe einer Kundennummer und einem persönlichen Passwort, Zugang zum, wie sich der Verleger selbst bezeichnet, „größten Informationspool zur aktuellen Kunst mit
Zugriff auf 18.000 Texte und rund 100.000 Abbildungen aller erschienen Bände seit 1973 – 35 Jahre Kunstgeschichte im Überblick“. (Ehemalige Startseite: http://www.artcontent.de/kunstforum/01_home/ / 27.9.2008 > heute: https://www.kunstforum.de)

Weiterführende Links:
https://www.kunstforum.de

MONOPOL
Relativ neu erscheint seit 2004 das Kunstmagazin MONOPOL. Die Herausgeber Amélie von Heydebreck und Florian Illies, ehemaliger FAZ-Feuilletonist, veröffentlichten das Magazin vorerst nur als Blatt von der Szene für die Szene. Durch großen Erfolg und eine Mischung aus Artikeln, die die junge Leserschaft ansprachen und einen anderen Blickwinkel auf den Kunstbetrieb gab, kaufte der Schweizer Sammler und Verleger Michael Ringier das Magazin auf und veröffentlicht seitdem das heutige Monopol Magazin monatlich.
Als Gegenpart zum ART bietet dieses Magazin einen Blick auf jüngere Künstler und Geschehen der aktuellen Kunstszene. Etwas eher am Puls der Zeit bedient dieses Magazin ein breitere Öffentlichkeit. Für Jan Wentrup, Berliner Galerist, ist das Monopol der „Stern“ des Kunstbetriebs. (Interview mit dem Autor, 21.1.2009)

Weiterführende Links:
www.Monopol-Magazin.de

ARTIST Kunstmagazin
Mit der inzwischen schon 76. Ausgabe präsentiert sich das ARTIST Kunstmagazin mit Sitz in Bremen ungemein sachlich, einem klaren Design, und doch bezieht es Stellung.
Konsequent werden Künstler aus der internationalen Gegenwartskunst portraitiert sowie Künstlermeinungen und -editionen vorgestellt.

Weiterführende Links:
www.artist-kunstmagazin.de

Texte zur Kunst
„TEXTE ZUR KUNST steht für kontroverse Diskussionen und Beiträge international führender Autor/innen über zeitgenössische Kunst und Kultur.“ so ist es auf der Startseite dieses eher ideologischen Blattes zu lesen. (Startseite/textezurkunst.de/ 28.9.2008)
1990 wurde das inzwischen zur Institution gewordene Magazin in Köln gegründet und seit 2000 in Berlin vier mal im Jahr herausgegeben.
Es gibt Essays, Interviews und ausführliche Besprechungen zu Kunst, Film, Musik, Markt und Mode aber auch zu Kunstgeschichte und Kulturpolitik zu lesen, die im Gegensatz zu den meisten anderen „Lifestyle-Kunstmagazinen“ intellektuell und scheinbar nicht marktgerecht zugeschnitten sind.
Jede Ausgabe wird von international renommierten Künstlern mit exklusiven Editionen unterstützt.

Weiterführende Links:
www.textezurkunst.de

Weltkunst und Antiquitätenzeitung
Die Zeitschrift Weltkunst war, bevor sie im Zeitverlag Beteiligungs GmbH erschienen ist, nur in den Expertenkreisen zuhause.
Neben Hintergrundinformationen, die das Magazin bietet, wird mit Vor- und Nachberichterstattungen von Auktionen, Messen und Ausstellungen berichtet. Nach einer überarbeiteten Gestaltung öffnet sich Weltkunst nun auch einem größeren Publikum und ist populärer geworden. Heute wird es als Pflichtlektüre für Kunstmarktinteressierte bezeichnet.

Weiterführende Links:
www.weltkunst.de

Einen besonders hohen Stellenwert haben in der Branche internationale Magazine wie Artforum, FRIEZE, Art in America und ART AND AUCTION.
In den Magazinen Artforum und Art in America aus den USA sowie im Blatt Frieze aus Großbritannien wimmelt es geradezu von Werbeanzeigen, die teilweise so in den redaktionellen Inhalt eingebunden sind, dass man Information von Werbung kaum noch unterscheiden kann.
Im Artforum inserieren internationale Galerien und machen auf ihre Ausstellungen und ihre Künstler aufmerksam. Ein buntes Sammelsurium von Anzeigen bietet dem Leser einen Überblick, wer wo wann wen präsentiert.
An dieser Stelle wird es besonders deutlich, wie die Machtverhältnisse von Kunstkritik und Geld verteilt sind. Berliner Galeristen wie die Galerie Upstairs Berlin und Michael Schultz halten FRIEZE und Artforum für die wichtigsten Magazine der Szene. Galerist Jan Wentrup schaltet alle paar Wochen eine ganzseitige Anzeige im Artforum. Denn das sei auch das Kommunikationsmedium, was seine Kundschaft regelmäßig durchblättere.

Weiterführende Links:
www.artforum.com
www.frieze.com
www.artinamericamagazine.com
www.artandauction.com

Aber auch in der Tages und Wochenpresse: FAZ & Co.
Das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gilt als das wichtigste kritische Medium in der Tagespresse. Samstags kann sich der Leser zusätzlich auf den Kunstmarktseiten informieren und sonntags ebenfalls Nachrichten über das Geschehen am Markt erfahren.
Ähnliche redaktionelle Beiträge gibt es zum Wochenende hin in der Süddeutschen Zeitung, dem Tagesspiegel und gelegentlich auch in der Financial Times.
Im Handelsblatt gibt es freitags regelmäßig Berichte über Auktionen und Ausstellungsbesprechungen zu lesen.
Als weiteres Medium ist The Art Newspaper (www.theartnewspaper.com) zu nennen, welches monatlich in einer englischen, französischen und italienischen Ausgabe erscheint und Nachrichten aus der internationalen Kunstwelt bietet. Das Erscheinungsbild ist sehr klassisch. Die Headlines auf der Startseite des Magazins beschäftigen sich mit Beute- und Raubkunst und wirken „investigativ journalistisch“.

Die Magazine sind für den kunstinteressierten Leser die Meinungsmacher. Die Kritiker dienen als Meinungsgeografen.
Mehr und mehr werden die Kunstzeitschriften jedoch infiltriert durch Anzeigen, die aussehen, als wären sie redaktionelle Beiträge und durch Vereinnahmung der Kunstkritik durch den Kunstbetrieb. Die riesige Maschinerie, die eher Schlagzeilen und die Story veröffentlicht sehen möchte, lässt nicht viel Spielraum für wahre Kritik an der Sache. Nicht mehr die Künstler entscheiden, was Kunst ist oder gar wie viel sie wert ist; das machen Sammler, Händler und Kritiker.
Der Beitrag im Magazin oder im Feuilleton der Zeitungen wird zwar als richtungsweisend wahrgenommen und die Fachzeitschriften werden neben den anerkannten und etablierten Internetportalen als Opinion-Leader verstanden. Es ist aber interessant, dass der qualitative Gehalt von geschriebener Kritik eher nachlässt und eigentlich von den PR-Maßnahmen verdrängt wird. Das Magazin ist an sich noch richtungsweisend, obwohl die Kritik an Gewicht verliert und Magazine teilweise hauptsächlich aus gekauften Anzeigen und Beiträgen bestehen.
Es gibt wohl zwei Arten der Berichterstattung und der Kunstkritik.
Zum einen sorgen unredigierte Pressemitteilungen, die als redaktionelle Beiträge getarnt im Internet sowie in Zeitschriften zu finden sind, in hohen Auflagen dafür, dass Gegenwartskunst überhaupt wahrgenommen wird. Zum anderen gibt es die „wahre“ Kunstkritik, die aber nur in geringeren Auflagenzahlen zu finden ist. Die heutige Kunstwelt ist zum großen Teil gar nicht mehr interessiert an wahrer Kritik. So meint Hanno Rauterberg, Kritiker bei der Wochenzeitung Die Zeit, dass außerhalb der Fachkreise „niemand die Kritiker vermissen“ würde, „wenn sie ab sofort schwiegen“. (Wie Blomberg, Katja: Wie Kunstwerte entstehen. Das Geschäft mit der Kunst. Murmann Verlag, Hamburg, 2005. 3. Ausgabe März 2008, S. 178/ Anmerk. 97)

Beiträge in „Lifestyle“-Zeitschriften wie Bunte oder der Vogue stehen anspruchsvollen in der Zeitschrift Kunstforum International gegenüber.
Das Kunstmagazin ART ist ebenfalls bemüht journalistisch zu agieren, ist aber populärer und richtet sich damit schon an ein breiteres Publikum. So findet man eben beim Zahnarzt in Berlin-Zehlendorf, wo auch gleich schon die Käuferschaft zuhause ist, neben der GQ, Bunte, Schöner Wohnen das ART Magazin.

Magazine bilden also in jedem Fall Meinung und bieten der Kunst ein breites Forum, gefiltert und ungegefiltert.