Die Kunstmesse

Vermarktung von Kunst: Der Handel und die Kommunikationsmedien

Die Galerien, die was auf sich zählen, präsentieren sich auf den Kunstmessen dieser Welt. Aus Berlin sind nur ein Fünftel aller Galerien jährlich auf einer vertreten. (So funktioniert der Galerienboom von Elke Buhr im Art Magazin, Nr. 11, November 2008)
Die herbstlichen Kunstmessen im September und Oktober läuten den Saisonstart ein. Nach der Sommerpause besuchen Sammler das Art Forum Berlin oder die Frieze in London, zwei der unzähligen Kunstmessen.

Auf der Messe wird verkauft. Sonst würde es sich wohl kaum für die Galerie lohnen, teure Standmieten zu akzeptieren.
Nirgendwo sonst gibt es an einem Wochenende Kunst so geballt zu sehen, zu hören und zu spüren wie auf den Kunstmessen dieser Welt.
Auf der Messe wird viel geplaudert. Die Galerien haben die Möglichkeit, sich in einem anderen Ambiente und anderer geografischer Umgebung zu zeigen. Man kann Neuentdeckungen machen, Kuratoren treffen sowie neue ausländische Sammlerkreise erschließen.
Für die Galeristen ist es ein Sehen und Gesehen werden. Man schaut, was die anderen machen. Es werden Trends ausgelotet und neue Sammlergebiete in anderen Ländern erschlossen.
Ebenfalls findet man viele Künstler auf einer Kunstmesse als Besucher. Sie kommen, um zu sehen, was zur Zeit angesagt ist, was funktioniert und eventuell in der Hoffnung, einen nicht ganz gestressten Galeristen zu treffen, der sie entdeckt und mit aufnimmt. Sie bleiben meist aber nur Spaziergänger, die man später am Freibierstand sieht.

Interessant ist, dass es immer mehr werden. Von New York, Basel, Köln, Berlin bis nach Seoul, überall kann man großflächig „aktuelle“ Kunst und Positionen internationaler Künstler bestaunen und Richtungen ablesen.

Im Folgenden möchte ich kurz die wichtigsten Messen vorstellen.

Zu den ältesten oder die älteste Kunstmesse überhaupt zählt die Art Cologne. 1967 wurde sie von 18 Galeristen in Köln, unter anderem von Rudolf Zwirner, aus der Taufe gehoben. Die besondere Stärke dieser Messe zeigt sich in der Klassischen Moderne und der etablierten zeitgenössischen Kunst. Jedoch gibt es auch „Frischlinge“ zu sehen, die sich im mittleren bis höherem Marktsegment bewegen. Knapp 200 Galerien zeigen seit 2007 im Frühjahr, was sie haben.
Im Open Space finden, wie fast bei inzwischen jeder Kunstmesse, Diskussionen und Aktionen statt.
In den fünf Tagen im Frühjahr, zeitgleich zur Messe, finden in der ganzen Stadt Kunstveranstaltungen statt.
Der Umsatz an fünf Messetagen, bei 250 Galerien und rund 60.000 Besuchern lag im Jahr 2006 bei 75 Millionen Euro, wie offiziell bekannt gegeben wurde.
Der Umsatz und die Besucherzahlen blieben daher wohl in den letzten Jahren konstant.
Doch im Jahr 2008 gab es im Vorfeld der 42. Art Cologne herbe Kritik. Galeristen beklagen den Bedeutungsverlust, den die Mutter aller Kunstmessen seit Jahren erleidet. Die Kölner Messe sei zu groß und zu wenig auf Qualität bedacht, so die Kritik. Über das Fortbestehen der Messe und ihre Relevanz auf dem internationalen Kunstmarkt streiten sich die weltweit operierenden Galeristen im ART Magazin (ART Nr. 4/ April 2008 / S. 109 / Ist die Art Cologne noch zu retten?). Immer mehr wird die Messe zur regionalen Leistungsschau, die nicht über ihre nationalen Rahmen hinauskommt, so Georg Kargl aus Wien. Zu viele andere Messen wie die Art Basel, Frieze Art Fair und die glamouröse Art Basel Miami Beach, gewinnen zunehmend an Bedeutung und ringen Köln den Rang ab. „Die Art Cologne sollte sich auf ihre Wurzeln besinnen, die Teilnehmerzahl stark reduzieren, damit die Messe wieder übersichtlich wird, … Gerade für internationale Sammler könnte Köln interessant sein, um gute Kunst aus Deutschland und Europa zu entdecken und nicht, um das zu sehen, was sie eh schon in London, Basel und New York geboten bekommen.“ meint Lybke von der erfolgreichen Galerie Eigen + Art. (www.artcologne.de)

Als Konkurrenz oder als Verstärkung im Rheinland eröffnet parallel die dc duesseldorf contemporary. Auf zirka 13.000 Quadratmetern stellten 85 Galerien im Jahr 2007 erstmalig zeitgenössische Kunst aus. (www.dc-fair.de)

Auf der Art Basel gehen wohl vornehmlich amerikanische Sammler „shoppen“. Sie gilt als die wichtigste aller Kunstmessen. Hier in der eurofreien und neutralen Schweiz bieten um die 300 Aussteller, nur die Top-Galerien der Welt, die Schmuckstücke der Moderne und teure zeitgenössische Kunst an. Hier pflegen die internationalen Top-Sammler, von denen es wohl nur ein paar Hundert gibt, ihre Kontakte und informieren sich über den aktuellen Kunstbetrieb.

Ein Ableger der Art Basel ist die Art Basel Miami Beach. Eine Messe am Strand, dort, wo auch die Reichen und Schönen zu finden sind.
Immer im Dezember, wenn es in Europa kalt und trist ist, finden sich die ansässigen Sammler ein, um zeitgenössische Kunst zu erwerben. In ausgelassener Stimmung mit dem Flair von viel Glamour und viel Party steigt jedes Jahr die Kauflaune der Sammler. Europäische Kunst scheint auch gut anzukommen. 2008 lassen sich beispielsweise neben anderen auch die Galerie Uttermann aus Dortmund, Thaddaeus Ropac (Salzburg/Paris) sowie Christian Nagel (Köln/Berlin) und Judy Lybke mit seiner Galerie Eigen + Art (Leipzig/Berlin) auf der Art Basel Miami Beach sehen. (www.artbaselmiamibeach.com

Seit 1994 zählt in New York The Armory Show mit zu den Kunstereignissen des Jahres. Im Februar ist sie eine der ersten Kunstmessen im Jahr. In den ersten vier Jahren fand die Kunstschau im Gramercy Park Hotel statt und zog mit zunehmendem Erfolg an die Piers 88 und 90, später dann Pier 92 in der 55th Street und 12th Avenue.
Der Titel dieser Ausstellung bezieht sich auf die Veranstaltung im Jahr 1913 in dem ehemaligen Militärarsenal, die erstmals die Entwicklung europäischer Kunst nach dem Impressionismus in den USA zeigte.
The Armory Show findet dort statt, wo die meisten Künstler, Galeristen und künslerische Institutionen sind – in New York. Auf der Seite der Messe wird die Stadt als Mekka für ernstzunehmende Sammler bezeichnet.
Im Jahr 2007 hatte die Kunstmesse an der Ostküste einen Zulauf von 52.000 Besuchern, Tendenz steigend. Davon waren 56 Prozent keine New Yorker und davon über ein Drittel nicht aus den Vereinigten Staaten.
Aber auch die Aussteller sind vornehmlich von außerhalb. Auf der letzten Messe 2008 waren 53 Prozent der Aussteller europäisch, 31 Prozent aus New York, elf Prozent aus dem Rest der Vereinigten Staaten, zwei Prozent aus Asien and zwei Prozent aus Südafrika und anderen Länder dieser Erde. (Quelle: www.thearmoryshow.com / aufgerufen: 14.10.2008)

Die 26. Art Brüssel fand 2008 im April statt. Mitten in Europa gelegen zeigt die belgische Kunstmesse mit einer ausländischen Beteiligung von 80 Prozent immer im Frühjahr ein frisches Profil junger internationaler Künstler.
Zwei Bereiche, „First Call“ und „Young Talent“, sind für die ganz junge Kunst reserviert. (www.artbrussels.be)

Amanda Sharp und Matthew Slotover iniziierten 2003 zum ersten Mal aus ihrem Magazin Frieze die Londoner Kunstschau Frieze Art Fair. Jährlich im Oktober wird die Messe für zeitgenössische Kunst im Londoner Regent’s Park veranstaltet. Der Erfolg blieb in London nicht aus. Seit ihrem Start vor sechs Jahren hat sich die Ausstellung als richtungsweisend für junge Kunst in Europa herausgebildet. Ausverkaufte Stände und begeisterte Galeristen prägen das Bild der Frieze im Oktober 2007. Auch wenn oft gute Kunst nicht immer marktgerecht ist, hier gelingt es den Machern, eine qualitativ hochwertige Kunst auf höchstem Preisniveau dem Publikum zu bieten. Katja Blomberg behauptet in ihrem Buch „Wie Kunstwerte entstehen“ (Blomberg, Katja: Wie Kunstwerte entstehen. Das Geschäft mit der Kunst. Murmann Verlag, Hamburg, 2005. 3. Ausgabe März 2008, S. 36), man könne sich auf das hohe Niveau der angebotenen Kunst genauso verlassen wie auf die Michelin-Sterne im Restaurantführer. Der Erfolg ist leicht an den Besucherzahlen ablesbar. 2007 waren es 68.000 Besucher an fünf Messetagen.
Welche großen Geldbeträge den Besitzer wechseln, erfährt man seit 2006 von den Veranstaltern nicht mehr. 2005 lagen die Umsätze von 150 Galerien bei 33 Millionen Pfund, also rund 45 Millionen Euro.  (Blomberg, Katja: Wie Kunstwerte entstehen., S. 36/38) (www.friezeartfair.com)

Es gibt noch die Artissima in Turin, Italien (www.artissima.it), die Arte Fiera in Bolgna, Italien (www.artefiera.bolognafiere.it), die Paris Photo (www.paris-photo.fr), dessen Ableger photo-London mit dem Schwerpunkt auf zeitgenössischer Fotografie (www.photo-london.com) und die FIAC in Paris (www.fiac-paris.com). An drei Messetagen werden Kunstwerke von Künstlern ab Jahrgang 1960 bei der Art.fair 21 (www.art-fair.de) in Köln gezeigt.

Um aber primär auf die Berliner Messen einzugehen, möchte ich den Fokus auf den Berliner Herbst lenken. Fast inflationär wird hier auf sechs, zum Teil kleineren Messen, Kunst angeboten.

Eigentlich ist das Art Forum Berlin ein Produkt der zu groß gewordenen Art Cologne, das 1995 erstmal in Berlin eröffnet wurde. Über die Hälfte der beteiligten Galerien kommen aus dem Ausland und lassen so einen Überblick der internationalen Künstlerpositionen, Trends und Ausdrucksformen zu.
Ein Novum war in diesem Jahr eine von Hans-Jürgen Haffner kuratierte Ausstellung zwischen den Kojen der einzelnen Galerien. „Difference, what difference?!“ „fragte nach den Kriterien von Handels- und Ausstellungsplätzen, macht aber vor allem mit der seltsamen Vorstellung Schluss, man müsse jede Kunstmesse mit einer museal arrangierten Schau aufwerten.“ (In der Leere liegt die Fülle, Tagesspiegel Nr. 2007, 1.11.2008) Selbstkritik und ein Programm mit Talkrunden, in denen auch Sammler über die Folgen der Finanzkrise und dessen Auswirkungen diskutierten, gehörten zur diesjährigen Messe. Die künstlerische Leiterin Sabrina van der Ley wude nach neun Jahren aus ihrem Amt entlassen und durch Eva-Maria Häusler und Peter Vetsch aus Basel ersetzt.

Eine Begleiterscheinung sind „Satellitenmessen” geworden – so wie beispielsweise die Zoo Art Fair in London. In Berlin sind es die Berliner Liste, der Berliner Kunstsalon, die Bridge Art Fair und Artville, die ein Stückchen vom Kuchen abhaben wollen. Es sind eher nicht die ganz großen Sammler wie Saatchi, Ingvild Goetz oder Flick, die mit solchen Zusatzausstellungen angesprochen werden, sondern die Sammler mit den „normal-großen Brieftaschen“.

Berlins jüngste und erfolgreichste Satellitenmesse, die sich selbst auch als solche bezeichnet, ist die Preview Berlin – The Emerging Art Fair.
Die Messe entstand 2005 aus der Initiative der drei Berliner Galeristen Kristian Jarmuschek (Galerie Jarmuschek und Partner), Tobias Kuttner (KUTTNER SIEBERT), Rüdiger Lange (loop – raum für aktuelle kunst) und des Künstlers Ralf Schmitt (MyVisit vorm. Förderkoje®). Ziel der Organisatoren ist es nach eigener Aussage, anspruchsvolle junge Kunst bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt auf dem internationalen Kunstmarkt zu zeigen. 2007 fanden rund 12.000 Besucher den Weg zur Preview Berlin, in diesem Jahr wuchs die Zahl auf 13.000 Besucher.
Ein ehemaliger Hangar im Flughafen Berlin-Tempelhof mit einer Gesamtfläche von über 4.200 Quadratmetern bot 2008 wieder, inzwischen zum zweiten Mal, 57 nationalen und internationalen Galerien Platz für junge Kunst. In Projekträumen wurden Werke einer neuen Generation von „emerging artists“ präsentiert. Selber bezeichnen sich die Macher als Non-Profit-Unternehmung, ganz idealistisch – eben eine Kunstmesse organisiert von Galerien für Galerien.
Neben einem Video Art Programm, kuratiert von Sabine Schütze, bot die Preview Berlin in diesem Jahr zwei neue, exklusiv für die Messe kuratierte Formate an: den Performance Art Day und die Blue Room Series. Dieser bislang auf dem Messegelände unbenutzte Raum mit den Maßen 9,35m x 6,52m x 3,50m war ganz in blau gestrichen und war von einem Berliner Künstler und Kuratoren gestaltet.
(www.previewberlin.de)

Die Berliner Liste – sie hat sich neben der alljährlich im Herbst stattfindenden Kunstmesse Art Forum etabliert und lädt seit 2004 mit stetig wachsender Teilnehmer-, wie Besucherzahl junge internationale Galerien ein. Die Aussteller werden „zeitgemäß“ ausgewählt. Nach eigenen Angaben auf der Website der Berliner Liste kann diese Messe „als Seismograf für Strömungen in der aktuellen Kunst verstanden werden und avancierte so zu einem Ort, an dem aktiv Trends gesetzt werden.“ (http://www.berliner-liste.org/page/location / aufgerufen am 14.10.2008)
Die 80 Galerien auf der BERLINER LISTE 2008 präsentierten ihre Künstler im mondänen Charme eines komplett leer stehenden Luxushotels mitten in der Innenstadt – im Haus Cumberland am Kurfürstendamm 193–194. (www.berliner-liste.org)

Etwas weniger professionell, chaotisch wirkend jedoch immer populärer werdend, ist der Berliner Kunstsalon zu nennen. Er fand im Jahr 2008 zum fünften Mal statt und begreift sich eigentlich auch als Gegenbewegung des allgemeinen Messebetriebes. Die Grundidee dieser Kunstschau besteht darin, ergänzend zu den Kunstmessen im Herbst, eine Plattform für programmatische bis experimentelle junge zeitgenössische Kunst zu etablieren. Das Entdecken neuer, noch nicht bekannter Künstler, steht für die Veranstalter im Vordergrund.
Etwas flapsig liest man auf der Website des Berliner Kunstsalons: „Dabei kann es sich um Präsentationen unkommerziell arbeitender Kunsträume / Art Running Spaces handeln, für die eine Messepräsenz keinen Sinn macht oder um Ausstellungen von Einzelkünstlerinnen /-Künstlern, die sich einen kostspieligen Messeauftritt schlicht und ergreifend nicht leisten wollen, weil sie stattdessen lieber in ihre Arbeiten investieren.“ Die Position ist wohl richtig, jedoch die Art der Kommunikation etwas eigenwillig. Hier sollen erste Kontakte zwischen Künstlern und Sammlern, Kuratoren sowie Galeristen entstehen.
Im Laufe der Jahre ist die Ausstellungsfläche im Jahr 2007 von 3.500 auf fast 12.000 Quadratmeter gewachsen, die Ausstellerzahl hat sich auf 67 Galerien verdoppelt und die Besucherzahlen sind von 5.000 auf rund 14.000 gestiegen. (http://www.berlinerkunstsalon.de/de/content/historie / aufgerufen am 14.10.2008)
2008 wurde die Ausstellung nach wechselnden Locations in der Arena in Treptow und der ehemaligen Zentralwerkstatt der Berliner Verkehrsbetriebe in Berlin Wedding im Humboldt-Umspannwerk in der Kopenhagener Straße 56, „in einem idyllischen Schnuffel-Kiez im schönen Berlin Prenzlauer Berg“ eröffnet. (www.berlinerkunstsalon.de)

Die Bridge Art Fair in Berlin, eine weitere Satellitenmesse, bietet ebenfalls parallel zu den anderen Kunstausstellungen Ende Oktober, Anfang November internationalen Galerien ein Podium zur Selbstdarstellung. In den OTA Apartments, Schönhauser Allee 5 in Berlin-Mitte, wurde 2008 zeitgenössische Kunst gezeigt. Jeweils parallel zur Armory Show in New York, der Art Basel Miami Beach gibt es gleich nebenan die Bridge Art Fair.  (www.bridgeartfair.com)

Die Artville – International Art Fairs for Artists, so nennt sich eine eher unprofessionelle Ausstellungsreihe der Dänen. Auf der Website konnte man sich noch Mitte Oktober als Aussteller anmelden, obwohl „The last sign up day is the 22th September 2008“. Neben Rechtschreibfehlern auf der Website und relativ unprofessionellem Auftreten ist dieses Projekt eher nur als Trittbrettfahrer zu erwähnen. Die Ausstellung selbst fand am Tempelhofer Damm 2, 4 und 6 in Berlin-Tempelhof statt, an der, so scheint es, jeder Künstler und jede Galerie teilnehmen kann, die 925 Euro bezahlt. (www.artville.dk/english/Artville_Berlin) Es waren 2008 vornehmlich dänische Galerien vertreten.

Inzwischen werden neben der allgemeinen Ausstellung der einzelnen Kojen auch aufwändige Begleitprogramme inszeniert, um den potentesten Sammlern einen Mehrwert bieten zu können. Neben exklusiven Previews werden Häppchen und Champagner gereicht. Es gibt Vorträge hochkarätiger Redner und die Aftershow-Party für danach. Aber auch exklusive Einladungen und Betten in den besten Hotels der Stadt sowie der Shuttleservice im Phaeton gehören zum Marketingkonzept. Man kümmert sich um die besten Kunden seiner besten Kunden. Ein einfaches Zusammenführen von Kunst und Sammler reicht oftmals nicht mehr aus. Kunst, die verkauft werden will, muss richtig präsentiert werden.

Sabrina van der Ley, ehemalige künstlerische Leiterin des Berliner Art Forums, betont, dass es im Gegensatz zur Frieze beim Art Forum nur Sachsponsoren gibt, um das „Marketing für die Kunst“ zu finanzieren beziehungsweise umzusetzen.

Die Kunstmesse in London schmückt sich mit dem Logo der Deutschen Bank. Das deutsche Geldinstitut verfügt über die größte unternehmenseigene Kunstsammlung und ist damit ideale Werbepartner und Geldgeber für eine solche Kunstveranstaltung. Während die Messeveranstalter mehr Geld als nur die teuren Standmieten der Galerien zur Verfügung haben und somit ihren Gästen noch mehr zu bieten haben, poliert das Unternehmen, der Sponsor, sein Image als Unterstützer von Kulturveranstaltungen auf.

Außerdem scheint es, als würden sich fast alle Galerien der Stadt abstimmen. Es gibt gemeinsame Vernissage-Abende, Lesungen und ein gesteigertes Maß an Kulturprogrammen in der ganzen Region.

Die Kunstmesse im heutigen Sinne entwickelt sich vergleichbar mit den industriellen Massenmärkten im 19. Jahrhundert, wo sich die bürgerliche Schicht Bilder auf dem Markt kaufte und sie nicht, wie vorher, in Auftrag zu geben.

Aber in erster Linie bleibt die Kunstmesse ein Ort der Kontaktpflege und Institution, wo man Richtungen rechtzeitig erkennen kann und wo es schick ist, da gewesen zu sein. Die Exklusivität der Kunstmesse zeichnet sich zusätzlich dadurch aus, dass nur ein Teil der sich bewerbenden Galerien eine Koje auf einer der großen Messen bekommen. Messen sind von der Teilnehmerzahl begrenzt. So bewerben sich auf den bekanntesten Kunstmessen dreimal so viele Galerien, wie dann letztendlich auf der Schau vertreten sind. Das ist eigentlich sehr erstaunlich, denn eine Messebeteiligung ist teuer und so kommt es vor, dass Galerien für ihre Reise nach Miami und eine Koje von ungefähr 80 Quadratmetern 100.000 Euro hinblättern müssen. (Rauterberg, Hanno: Und das ist Kunst. Eine Qualitätsprüfung. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 2008, S.39)