Berlin und der Kunstmarkt

Der deutsche Kunstmarkt liegt, laut der Kunstmarktstudie 2004, die vom Institut für Kultur- und Medienmanagement erstellt worden ist, im europäischen Vergleich mit seinem Umsatz auf dem dritten Platz hinter Großbritannien und Frankreich. Sein Umsatz lag im Jahr 2002 bei rund 800 Millionen Euro und macht einen Weltmarktanteil von 2,7 Prozent aus. Spitzenreiter für zeitgenössische Kunst sind die Vereinigten Staaten von Amerika, die einen Gesamtumsatz von etwa 75 Prozent ausmachen.
Berlin ist im Vergleich mit New York oder London mit 110 Millionen Euro Umsatz zwar eher unbedeutend, gilt aber weltweit als eine der innovativsten und lebendigsten Produktions- und Produzentenmärkte. (1) Michael Schultz und die Galeristen der Galerie Upstairs Berlin bestätigen, dass die deutsche Hauptstadt auf Platz drei der Kunstmetropolen anzusehen ist. Folgend, nach New York, London und Peking, den Schultz für einen immer wichtigeren Standort sieht, wächst Berlin zu der Galerien- und Kunstproduzentenmetropole heran.

Im Jahr 2005 lebten und arbeiteten wohl 20.000 Künstler in Berlin. (2) Berlin weist mit sechs Prozent – bezogen auf die Einwohnerzahl – die höchste Dichte an selbständigen Künstlern in Deutschland auf. Die Anzahl der selbständigen Künstler in Berlin ist seit 2000 um über 40 Prozent angestiegen. (3) Viele Galerien lassen sich daher in Berlin nieder oder eröffnen hier eine weitere Dependance.

Berlin wird inzwischen als Europas größter Galerienstandort gesehen, der neben einigen wenigen großen sehr viele kleine Galerien ausmacht. Im Jahr 2002 gab es laut des Landesverbandes Berliner Galerien (LVBG) in Berlin noch knapp 300 Galerien – heute arbeiten rund 1.020 Mitarbeiter in inzwischen 650 geschätzten Galerien.
Die Risikobereitschaft und die Hoffnung auf den Zuwachs von Käuferpotenzial und die Entwicklung des Berliner Marktes scheint laut Kunstmarktstudie in Berlin besonders hoch.
Es herrscht durch in der Hauptstadt lebende nationale und internationaler Künstler ein hohes kreatives Potenzial, was eine Folge des „hervorragenden Images des Produktionsstandortes Berlin“ ist.
Das Preisgefüge auf dem Berliner Markt ist weltweit vergleichbar und auch akzeptiert.
Die Auktionshäuser wie beispielsweise das Kunsthaus Lempertz orientieren sich stark international, um sich eine Position im weltweiten Markt zu festigen. Sie richten sich nicht wie das Rheinland oder Süddeutschland nach dem „potenten“ regionalen Markt.

Das Umsatzvolumen im Kunstmarkt Berlin teilt sich wie folgt auf: Insgesamt erwirtschafteten alle Berliner Galerien zusammen 55,7 Millionen Euro, wobei 40 Prozent einen Jahresumsatz von nur 50.000 Euro haben. 15 Prozent der Galerien erzielen Umsätze von über 400.000 Euro.

Umsätze

Die Zahlen der Berliner Auktionshäuser werden eher geheim gehalten. Die Villa Grisebach erzielte 2003 im Haupthaus fast ausschließlich mit Kunst aus dem 19. und 20. Jahrhundert sowie mit Fotografie rund 20,5 Millionen Euro. Der Umsatz des Hauses Bassenge lag bei 10 Millionen Euro.
Insgesamt, laut Hochrechnungen, lag der Jahresumsatz der Berliner Häuser bei rund 40 Millionen Euro und machen damit 30 Prozent des deutschlandweiten Auktionsumsatzes aus. (4)

Das Berliner Art Forum verzeichnet als deutsche Messe Rekordzahlen. 2004 waren es 30.000 Besucher, von denen 15 Prozent vor allem Werke unter 20.000 Euro kauften, die für einen Umsatz von rund 15 Millionen Euro sorgten. 2007 wuchs die Anzahl der Besucher auf 44.000, die sich für 136 Galerien aus 23 Ländern interessierten. 2008 sank nach diesem Rekord die Zahl auf 38.000 Besucher, da aber auch nur vier statt im Vorjahr fünf Tage die Tore für Kunstinteressierte geöffnet waren. Nach Angaben der Pressesprecherin Anne Maier in einer E-Mail an den Autor, legte die Besucherzahl um acht Prozent pro Veranstaltungstag zu.

Die Kaufkraft liegt für Berliner Galerien zu 38,8 Prozent bei Berliner Kunden, die rund 23,6 Millionen Euro den größten Anteil ausmachen. 39,5 Prozent der Käufer kommen aus dem Rest der Republik und 21,7 Prozent sind internationale Kundschaft.

Durchschnittsalter der Besucher

Auf dem Art Forum war die geographische Aufteilung der Besucher in 50 Prozent lokale, 27 Prozent nationale und 23 Prozent internationale Besucher, die aber den Großteil des Umsatzes ausmachten.
Zunehmend interessieren sich die Käufer und Sammler für zeitgenössische Kunst und für Neuentdeckungen, das heißt für Arbeiten, die nicht älter als zwei Jahre sind. Die Käufe von sogenannten Blue-Chips gehen zurück.

Die Zielgruppe für Berliner Galerien ist relativ jung. 22 Prozent der Galeriebesucher sind unter 35 Jahre und 66 Prozent zwischen 36 und 45 Jahren. Berlin gilt dadurch als Einsteigermarkt und bietet Galerien hier frühzeitig eine Bindung zur Kundschaft aufzubauen, die immer mehr bereit ist, Geld in Kunst zu investieren. Öffentliche Institutionen haben als Kunden für Galerien nur eine geringe Bedeutung, anders hingegen im Auktionsgeschäft, wo das ältere Publikum zu finden ist.
Bei der Messe sind 60 Prozent Fachbesucher, also Museumsleute, Kuratoren, Sammler und Künstler, die auch beim Kauf die größere Rolle einnehmen. 40 Prozent sind privat vor Ort.

Laut Kunstmarktstudie ist das Marktpotenzial Berlins noch nicht ausgeschöpft. Die kaufkräftige junge Nachwuchsgeneration, die immer öfter nach Berlin zieht, hat an Berliner Künstler eine besondere Erwartung. Anders als in anderen deutschen Städten werden in Berlin neue Strömungen und Positionen erwartet. Berlin gilt als Trendsetter in der Kunst und bietet dadurch allen Kunstmarktakteuren eine Plattform. „Ein Argument, das für Berlin spricht sind natürlich die 6,6 Millionen Besucher im Jahr. Auch die Galeristen in London und New York leben ja nicht nur von den Sammlern in ihrer Stadt, sondern zu einem großen Teil von den Leuten, die geschäftlich oder privat in die Stadt kommen. Viele Künstler aus dem Ausland sagen: ’Hey Leute, wir wollen in Berlin ausstellen. Weil Berlin sexy ist.’“, so meint verheißungsvoll die Galerie Kicken. (5)

  1. Kunstmarktstudie 2004, Institut für Kultur- und Medienmanagement, FU Berlin, ikm-berlin.de
  2. Hohmann, Angela; Ehlers, Imke: Berlin Contemporary. Galerienführer Berlin. Jovis, Berlin, 2005
  3. Internet: http://www.berlin.de/sen/waf/register/kulturwirtschaft.html / aufgerufen am 19.10.2008
  4. Artinvestor, 2003
  5. Galerie Kicken in einer E-Mail an den Autor, 8.1.2009