YANG SHAOBIN – "… SINCE 1999" bei Alexander Ochs

Vom 21. September – 9. November 2013 zeigt Alexander Ochs Bilder, Skulptur und Videos von Yang Shaobin.

YANG SHAOBIN bei Alexander OchsDie Motive entnimmt er der Medienwelt; der scheinbaren Realität von Pressebildern gibt er durch seine Kompositionen wie auch durch seine Malweise einen nachgerade unwirklichen, überzeitlichen Rahmen. Yang Shaobin (*1963 in Tangshan/Hebei, China), einst Vorreiter des ,Zynischen Realismus‘, der sich jedoch früh von jener Strömung löste, gilt heute als einziger chinesischer Maler, der sich vollkommen vom nationalen Kontext befreit hat. Sein Anspruch ist dezidiert zeitgenössisch, auch bei Rückgriffen auf die europäische Kunstgeschichte, die er in seine Gemälde mit einfließen lässt. Yangs Bilder sind Zeitgeschichte; er bringt die Welt auf die Leinwand.

1999, und dies ist der Bezug zum Titel dieser Ausstellung, zeigte Alexander Ochs erstmals Werke von Yang Shaobin, – im gleichen Jahr, in dem der Künstler bei der von Harald Szeemann kuratierten Biennale von Venedig große internationale Aufmerksamkeit erfuhr. Yangs blutrote Bilder (in Venedig im Zusammenspiel mit Sigmar Polke) waren verstörend: sie stellten wie zu Klump gehauene Menschen dar. Die Gesichter zeigten keine realistische Exaktheit in der Wiedergabe der Motive sondern verschwommene oder verflüssigte Unbestimmtheit. Diese Unbestimmtheit vermochte Gewalt, Missbrauch, auch Verstümmelungen und geschwollene Monstrositäten ungleich deutlicher und eindrucksvoller zu verbildlichen als jeder Realismus.

Im Jahr 2000 schuf Yang eine Skulptur für die Gruppenausstellung De Waan in der psychiatrischen Klinik im niederländischen Venray. Diese Arbeit wie auch ein monochrom-rotes Gemälde, das am Ende der 1990er Jahre entstand, ergänzen als Leihgaben aus Berliner Privatsammlungen das kuratorische Konzept dieser Ausstellung.

2006 lud der Berliner Künstler und Regisseur Ralf Schmerberg 112 Persönlichkeiten aus aller Welt an einen runden Tisch auf dem Berliner Bebelplatz ein. Unter den Teilnehmern waren die Kuratorin der Documenta X, Catherine David, Bianca Jagger, der Filmemacher Wim Wenders und auch Yang Shaobin. An diesem ,Table of Free Voices‘ wurde einen Tag lang über die ,Probleme der Welt‘ diskutiert. Die Antworten Yang Shaobins aus dem Film, den Schmerberg hierzu machte, sind in dieser Ausstellung ebenfalls zu sehen.

Eine neue Aktualität und eine neue Art der malerischen Umsetzung seiner Themen zeigte das UCCA – Ullens Center for Contemporary Art in Peking im Jahr 2010: In der raumgreifenden, Gemälde-Installation Blue Room waren großformatige, tiefblaue Portraits von Politikern denen namenloser Bürger gegenüber gestellt und um astronomische Bilder der Erde ergänzt. Die Idee zu diesem Konzept der blauen Bilder entstand im Zusammenhang mit der UN-Klimakonferenz ein Jahr zuvor. Die Portraits sind gänzlich als Nahansichten gemalt, und ergeben mit ihren Blauschattierungen eine abstrahiertes Gesamtbild der Melancholie in einem Gegenüber von Tätern und Opfern. Die Gewaltdarstellung ist nunmehr still und subtil. Sie ist in Yangs jüngsten Bildern gleichsam ,global‘ geworden.

Seine zeitgenössische Haltung hat Yang seit 1999 kontinuierlich behalten und weiterentwickelt. Heute malt er in anderer Weise als in seinen früheren, roten Arbeiten: Linien und Konturen sind weniger verschwommen, sie sind vergleichsweise klar. Nach wie vor arbeitet er meist mit breitem Pinsel und mit sicherem, großzügigem Gestus. Durch die Monochromie in seinen jüngsten Arbeiten erreicht der Künstler eine Zurückhaltung, die den Sujets entgegenzustehen scheint. Er überlagert mehrere Sujets innerhalb eines Bildes, wechselt zwischen Positiv und Negativ, ohne eine bildliche Tiefe zuzulassen. Mit der blauen Monochromie hat Yang eine Darstellungsform gefunden, die die innere Kraft seiner Bilder gerade durch farbliche Reduktion in der Wahrnehmung entscheidend zu steigern versteht.

Gewalt, Unrecht und Unterwerfung thematisiert Yang auch in den Werken dieser Ausstellung in der Galerie: so etwa Polizisten, behelmt und in Kampfmontur, wie sie auf Pressefotos im Zusammenhang mit den New Yorker ,Occupy Wall Street‘-Protesten zu sehen sind. Yang kombiniert die Darstellungen von Polizeigewalt mit europäischen Frauendarstellungen vom Frühbarock bis zum 19. Jahrhundert; die Gesichter, die gerade im Manierismus im besonderen Maße Verletzlichkeit ausdrücken, werden hier zu Allegorien der Unterdrückung inmitten ihrer Unterdrücker. Ganz anders erscheint der Kämpfer, der, bewaffnet, in wehrhafter und angriffslustiger Haltung eine ,rote Linie‘ überschreitet, anscheinend zu allem entschlossen.

Yang Shaobins Gemälde illustrieren, direkt oder subtil, gesellschaftliche Missstände und mögliche Reaktionen darauf, ohne jedoch plakativ zu sein und ohne sich auf die Situation in China zu beschränken. Die Überzeitlichkeit seiner neuen Kompositionen findet gerade in ihrer blauen Monochromie ihre kraftvolle Aktualität.

ERÖFFNUNG
Freitag, 20. September 2013 | 19–21 Uhr
anlässlich der BERLIN ART WEEK 2013
Der Künstler ist anwesend.

AUSSTELLUNG
21. September – 9. November 2013

Alexander Ochs Galleries
Besselstraße 14
D-10969 Berlin