Raum für Gedanken: Eine partizipative Kunstinstallation von Kathrin Ollroge

Seit September 2014 reist ein mobiles Wohnzimmer durch die Länder in Ostdeutschland. Die Potsdamer Fotokünstlerin Kathrin Ollroge baut ihren „Raum für Gedanken“ für jeweils einige Tage im öffentlichen Raum auf. Auf einer alten Schreibmaschine lädt sie Passanten und Neugierige ein, ihre

Raum für Gedanken in Neuruppin 2014Raum für Gedanken in Neuruppin 2014

Meinungen und Gedanken zum Thema Flucht, Asyl und Nachbarschaft zu formulieren. Parallel werden fotografische Porträts der Teilnehmer angefertigt. Zwei bemerkenswerte Publikationen wurden nun veröffentlicht.

Am 23. Juni 2016 wandert der „Raum für Gedanken“ in die Kommode der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Hier sollen Meinungen der Jurastudenten zu Themen wie Asylrecht,Aufenthaltsrecht, Migrationsrecht für Flüchtlinge in Deutschland und der EU erfasst werden, denn die Meinung der Rechtsberufler von morgen macht neugierig, kann weitere interessante Resultate hervorbringen und neue Denkanstöße geben. Die Künstlerin lädt einige Tage vor Ort Besucher ein ihre bisherigen Publikationen zu entdecken und sich etwas Zeit zu nehmen und Gedanken, Meinungen und Vorschläge zu rechtlichen „Asylfragen“ im „Raum für Gedanken“ aufzuschreiben und sich porträtieren zu lassen. Die Fotografien und Texte sollen im Nachhinein in einer digitalen oder gedruckten Publikation veröffentlicht werden.

In Königs-Wusterhausen

Ein Projekt von Kathrin Ollroge, kuratiert von Katia Hermann mit der freundlichen Unterstützung der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin

Mehr Informationen: www.raum-fuer-gedanken.com

Erwin Wurm: Bei Mutti – Ausstellung 15.4. – 22.8.2016 in der Berlinischen Galerie

Erwin Wurm, The Idiot III (One Minute Sculpture), 2010, © Erwin Wurm, VG BILD-KUNST Bonn, 2016 , courtesy: Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg, Paris, Foto: Studio Erwin WurmErwin Wurm, einer der größten Künstler unserer Zeit, ist mit seinen Arbeiten ab April 2016 in Berlin zu sehen!

Der österreichische Künstler Erwin Wurm (*1954) war 1987 als Stipendiat des DAADKünstlerprogramms in Berlin. In diese prägende Phase fällt eine grundlegende Veränderung seiner künstlerischen Arbeitsweise: Er beginnt, die Grenzen zwischen Skulptur, Objekt und Performance auszuloten. Erwin Wurm wird nun erstmals in einer monografischen Ausstellung in einem Berliner Museum präsentiert.

Die Präsentation in der Berlinischen Galerie stellt zentrale Werkbereiche vor, darunter jüngst entstandene Arbeiten. Im Mittelpunkt steht der menschliche Körper, dessen skulpturales Potenzial und Wurms partizipatorischer Ansatz, den Betrachter zu einem Teil seines Kunstwerkes werden zu lassen.

Ausgangspunkt der Ausstellung „Bei Mutti“ ist das Narrow House, ein Nachbau von Wurms Elternhaus in Bruck an der Mur in der Steiermark, gestaucht auf die Breite von 1,10 Meter. 2011 war dieses surreal anmutende Haus auf der Biennale in Venedig zu sehen.

Der Künstler macht das typische Einfamilienhaus mit Satteldach zu einer begehbaren Skulptur, die den Besucher die bürgerliche Wohnkultur der Nachkriegszeit, aber auch die buchstäbliche Enge und Spießigkeit der Provinz physisch erleben lässt. Detailgetreu ausgestattet, inklusive einiger Reproduktionen von Familienfotos, verbindet sich der Besuch des Hauses mit der kollektiven Erinnerung mehrerer Nachkriegsgenerationen, ohne jedoch denunziatorisch zu sein.

In seinen One Minute Sculptures, die seit 1997 entstehen, fordert Wurm den Skulpturbegriff radikal heraus. Die skulpturalen Interventionen wirken oft wie kleine Theaterstücke: Es handelt sich um Kurz-Performances, bei denen Personen mit Aufgaben und Gegenständen kämpfen, die ihnen der Künstler mittels einer Handlungsanweisung aufgibt. Menschen, die sich in den Ärmeln dicker Wollpullis verlieren, sich in Stuhlbeine verkeilen, die versuchen, sich auf Tennisbälle zu legen oder in grotesker Weise auf einem Sofa zu sitzen, ja mit diesem eins zu werden. Die One Minute Sculptures zeugen von Wurms intensiver Beschäftigung mit Philosophie und verdeutlichen den performativen Ansatz seiner Kunst. Kritische Auseinandersetzungen mit der Kunstgeschichte finden sich ebenso wie sarkastische Kommentare zum Katholizismus und zum zeitgenössischen Körperkult. Ein Dutzend dieser meist auch augenzwinkernden und geistreichen Dramolette ist in der Treppenhalle der Berlinischen Galerie zu erleben. Erwin Wurms theatralskulpturale Rauminszenierungen sind humorvoll, überraschend, skurril – einerseits hintergründig, andererseits mit leichter Hand inszeniert. Lustvolle, sinnliche Werke, die erst durch die Partizipation der Betrachter komplettiert werden.

Die Ausstellung widmet sich mit rund 80 Arbeiten darüber hinaus erstmals ausführlich dem zeichnerischen Werk Erwin Wurms, das vor allem die Entstehung der One Minute Sculptures begleitet und ergänzt. Das kleine kompakte Buch Von Konfektionsgröße 50 zu 54 in acht Tagen handelt von einem Verwandlungsprozess. Mit knappen Instruktionen, Speiseplänen und Rezepten fordert es uns auf, unser Körpervolumen in acht Tagen um ein beträchtliches Maß zu steigern. Der eigene Körper wird zum skulpturalen Ausgangsmaterial und treibt so die Ansätze aus den One Minute Sculptures auf die Spitze. Die Arbeit ist eine Provokation weit verbreiteter Ratgeber zur Körperoptimierung und gängiger Schlankheitsideale. In der Berlinischen Galerie werden die Einzelblätter in einer Vitrine präsentiert.

Der dritte Teil der Präsentation widmet sich skulpturalen Arbeiten, die erst in den vergangenen Monaten entstanden sind. Hier stehen verbeulte Kühlschränke neben riesigen deformierten Telefonen und eingeknickten Sideboards. Diese Werke setzen sich mit der skulpturalen Qualität von Möbeln und anderen Alltagsgegenständen auseinander. Wurm bildet die vertrauten Objekte aus verschiedenen Materialien nach, verfremdet sie aber gleichzeitig durch Größenverschiebungen, Verformungen und Zeichen der Zerstörung. In Bronze oder Polyester gegossen, verändern die Gegenstände ihre ursprüngliche Funktion und Bedeutung. Gleichzeitig deutet die farbliche Gestaltung auf den Inhalt der zitierten Objekte hin: So beispielsweise das Cremeweiß der Arbeit Body, eine Bodylotion-Flasche oder die gelbliche Farbe von Butter, die Nachbildung eines Kühlschranks. Dieser spielerische Umgang mit Innen und Außen ist charakteristisch für das Werk Erwin Wurms.

Was sichtbar wird, ist eine „de-Form-ation“, eine Spannung zwischen der Darstellung von Alltagsgegenständen, ihrer Materialität und den hinterlassenen Spuren von Körpereinwirkungen und -abdrücken.

BERLINISCHE GALERIE

Landesmuseum für Moderne
Kunst, Fotografie und Architektur
Stiftung Öffentlichen Rechts

Alte Jakobstraße 124–128
10969 Berlin

www.berlinischegalerie.de

Bild: Erwin Wurm,
The Idiot III (One Minute Sculpture), 2010,
© Erwin Wurm, VG BILD-KUNST Bonn, 2016 , courtesy: Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg, Paris, Foto: Studio Erwin Wurm

Ausstellung "Nur ein Augenblick" in der Galerie Anna25

Gerne möchten wir auf die Fotografieausstellung „Nur ein Augenblick“ mit Raymond Gantner, Thai Ho Pham, Günter Schmid und Holger Zimmermann in der Galerie Anna25 aufmerksam machen.

Kann ein Massenphänomen Kunst sein? Seit der Erfindung der Fotografie in der ersten
Hälfte des 19. Jahrhunderts befassen sich Künstler und Publikum mit dieser Frage. Was
erhebt einen Alltagsgegenstand, der Teil unserer täglichen Wahrnehmung ist zum
Kunstgegenstand? Wo sind die Grenzen zwischen Kunst und Kommerz? Sind diese
Grenzen überhaupt noch zeitgemäß? Im digitalen Zeitalter, wo Handykameras und digitale
Vermarktungsformen immer verfügbar und leicht zu bedienen sind, ist die Fotografie
einerseits beliebiger geworden doch, gleichzeitig im Kunstmarkt geschätzter denn je.
Nehmen wir als Beispiel die Porträtfotografie, genauer gesagt, das Selbstporträt.
Der Drang zur Selbstdarstellung ist ein urmenschliches Phänomen. Die ersten
Selbstporträts von Künstlern wie Albrecht Dürer oder Parmigianino zeugen von den
Anfängen des Individualismus und der selbstkritischen Beobachtung des eigenen Ichs.
Heute ist das Zurschaustellen des eigenen Körpers eher der Gier nach Selbstdarstellung
und Aufmerksam geschuldet.
Thai Ho Pham widmet sich in seiner Serie „Kreislauf der Banalität“ dieser neuen Art des
Porträts, indem er mit der Kamera aufgenommene Porträts und Selbstporträts verfremdet.
Der Künstler druckt zufällig ausgesuchte Schnappschüsse auf Leinwand und übermalt
diese mit Ölfarbe. Durch diesen Akt schafft Thai Ho Pham ein Spannungsfeld zwischen
dem klassischen Motiv der Porträtmalerei und der unbesonnenen Art der Handyfotografie.
Er separiert die Fotos aus dem trivialen Kontext und erhebt sie so aus ihrer Trivialität in die
Kunst.
Eines der klassischsten Themen der Fotografie ist die Architekturfotografie. Als Teil des
Architekturdiskurses nahm die Fotografie von Baudenkmälern vor allem eine
dokumentarische Funktion ein. Der Fotograf Günter Schmid zeigt neben seinen streng
ausgerichteten und mustergültig inszenierten Architekturfotografien auch experimentelle
Arbeiten. Dabei zeigt Schmid ein Wechselspiel zwischen städtischen Bauten und urbanem
Leben. Schmids Fotografien folgen mit ihrer Symmetrie, der Liebe zu Reihen,
Wiederholungen und Zentralperspektive den Prinzipien der Architekturfotografie.
Gleichzeitig reichert der Fotograf sie mit stimmungsvollen Farbspielen, spielerischen
Details und experimentellen Motiven an. Die Menschen in seinen Bildern eigenen sich die
meist städtischen Räume an, in denen sie sich zuweilen verlieren oder in einer
entspannten Selbstverständlichkeit aufhalten.
Holger Zimmermann widmet sich in seinen Fotografien ebenfalls der Architektur. Im
Gegensatz zu Schmid zeigt er in seinen Motiven keine Menschen. Viel mehr zeigt er Orte,
die gerade durch die Abwesenheit von Besuchern eine besondere Bedeutung erlangen.
Seine Fotografien von verlassenen Orten erzählen vom Verfall und der Vergänglichkeit.
Schwimmbäder, Kirchen und Wohnhäuser, die durch ihre Besucher an Funktion
gewannen, sind nach der Stilllegung ihrem Schicksal überlassen und somit ihrer
Daseinsberichtigung beraubt. Zurück bleiben Häuser, deren früherer Glanz langsam
verblasst. Die Werke zeigen einen morbiden Charme, der von Sehnsüchten zeugt und den
Blick stets in die Vergangenheit richtet. Im Laufe der Zeit, durch Vandalismus und Abriss,
sind die Orte trotz ihrer Rückwärtsgewandtheit steter Veränderung ausgesetzt.
Zimmermanns Fotografien sind somit Momentaufnahmen, die die Vergänglichkeit im Bild
fixieren.
Eine ganz andere Art, sich dem Medium Fotografie zu nähern, findet Raymond Gantner.
Mit seinen chemischen Analogfotografien verzichtet er gänzlich auf Gegenständlichkeit.
Wo Fotografie gerne mit Inszenierung und präziser Planung punktet, macht sich Gantner
den Zufall zunutze. Der Künstler löst sich so nicht nur von der an ihn herangetragen
Erwartungshaltung, er interpretiert die Fotografie auf neue Art und Weise.
In der Freiheit der Motive und Arbeitsweise knüpft der Fotograf an das Prinzip der
Dekonstruktion an. Wie auch die Dekonstruktivisten wagt sich Gantner an das analytische
Auflösen von Strukturen bis zur Unkenntlichkeit, propagiert die Bedeutungsfreiheit und den
Mut zur sogenannten „Sinnlosigkeit“. Anknüpfend an den Dadaismus kann hier spielerisch
mit Sinn und Unsinn, mit Bedeutung und Interpretation der Kunst umgegangen werden
und das mit dem dafür untypischen Medium der Fotografie.

Vernissage: 16. Oktober 2015 18 – 23 Uhr

Ausstellungsdauer: 17. Oktober – 13. November 2015
Finissage
: 13. November 2015 18 – 21 Uhr

Galerie Anna25
Schönleinstr. 25
10967 Berlin

XX. Rohkunstbau „Revolution“ – 6.7. bis 21.9.2014 im Schloss Roskow

Zwei Jahrzehnte Rohkunstbau – Zeit für eine „Revolution“. Seit 1994 steht die Ausstellung Rohkunstbau für leidenschaftliches Engagement bei der Förderung von zeitgenössischer Kunst und Kultur genauso wie für die Wiederentdeckung und Neubelebung fast vergessener Kulturstätten in den ländlichen Regionen Brandenburgs. „XX. Rohkunstbau „Revolution“ – 6.7. bis 21.9.2014 im Schloss Roskow“ weiterlesen

ART BATTLE BERLIN: Ivonne Thein vs. Knut Hertel

Abseits der gängigen Ausstellungsformen etwa in Museen, Galerien oder auf Messen, positioniert sich ART BATTLE BERLIN als eine andere Form der Kunsterfahrung. Im ersten Battle treten die Künstler Ivonne Thein und Knut Hertel gegeneinander an. Medienkritische Fotokunst trifft hierbei auf großformatige, surreale Malerei. Die Besucher sind eingeladen sich auf die einzelnen Positionen einzulassen und im Anschluss ihre Wertung abzugeben. Weitere Informationen unter: www.artbattle-berlin.blogspot.de

Kunsthalle HB55
Herzbergstraße 55
10365 Berlin

Eröffnung:
Samstag 15. September ab 19.00 Uhr

Öffnungszeiten:
Sonntag 16. September 14 – 19 Uhr
17.-18. September 9 – 12 Uhr

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