Kunst als intellektuelles Moment und ihre seelische Existenz

Nirgendwo sonst stehen sich zwei so unterschiedliche Positionen, die des Künstlers, des Schaffenden, und die des Vermarkters gegenüber und arbeiten doch Hand in Hand. Nirgendwo sonst gehen Preisbildung und wahre Qualität so auseinander, sind so unerklärbar und scheinen willkürlich wie auf dem Kunstmarkt. Diffuse, teilweise korrupte Strukturen bilden den Kunstbetrieb, in dem ein paar mächtige Leute den Takt angeben.

Ist aber eine Vermarktung, ein Kunstmarkt wie er existiert, legitim, wenn Künstler existieren, nur weil es einen Markt gibt? Muss nicht die Qualität der Arbeiten den Preis bilden und nicht der Name des Künstlers, der nur noch als Markenname fungiert? Muss sich der Markt nicht um die Kunst drehen?

Kunst bleibt ein intellektuelles Moment entgegen jeder Vermarktungsstrategie. Kunst bleibt Spiritualität des Künstlers, spiegelt seine Position wider und bildet seine seelische Existenz.
Um sie und den Künstler verstehen zu können, muss sie vom Betrachter wahrgenommen werden. In den Zeiten, in denen es viel Kunst gibt – wie heute – gilt es aufzufallen und Interesse zu wecken. Dazu muss das Kunstwerk eine hohe Qualität besitzen, die sich nach Meinung von Galeristen in der Neuartigkeit messen lässt.
Arbeitsweisen und Kunstrichtungen wiederholen sich aber ständig. Die Neuartigkeit, das „Das hab ich ja noch nie gesehen“, wird immer schwieriger zu erreichen.
Eine Rückbesinnung auf die handwerkliche Qualität und den mit dem Auge greifbaren Inhalt, der humoristisch bis politisch interpretiert werden kann, ist die einzig logische Schlussfolgerung. Qualität lässt sich besser vermarkten.
Greifbarer Inhalt ist einfacher zu erkennen. Ein technisch gut gemaltes Bild überzeugt leichter. Was helfen die größten Investitionen in die Rahmenveranstaltung, wenn der Sammler und Käufer die Kunst noch erklärt bekommen muss.
Das Unverständnis zeitgenössischer Kunst und mancher Objekte, wächst mit der Anzahl der unterschiedlichen Arbeiten, die für den Laien, zum Teil austauschbar erscheinen, weil sie keine klare Position beziehen.
Es geht schließlich um den Geschmack des Käufers und seine Präferenzen.
Der Sammler und Kunstinteressierte möchte das Werk mit seinen eigenen Augen entdecken, verstehen und von dem betrachteten Objekt fasziniert sein. Die Kunst muss ihn berühren, packen sowie Interpretationsspielraum bieten.
Kurz: Es muss ihm gefallen.
Sicher lässt sich über Geschmack streiten. Kunst kann stark polarisieren.
Jedoch möchte ich behaupten, dass man Tendenzen der Faszination und des daraus folgenden Gefallens erkennen kann. Neben dieser „Gefälligkeit“ gibt es ein Grundverständnis für den Begriff „Kunst“ von vielen Menschen.
Die Qualität der Arbeitsweise und die Neuartigkeit lässt sich bestimmen.
Wenn sich der Künstler stetig entwickelt, eine eigene Handschrift besitzt und nicht für den Markt arbeitet, ergibt sich eine Beständigkeit im Preisniveau der Werke. In Zeiten der Unsicherheit ist Beständigkeit und die damit einhergehende Sicherheit zunehmend für den Käufer ein Qualitätsmerkmal und unterstreicht seine Kaufentscheidung.
Das heutige Kunstwerk sollte sich daher nicht der Farbe des Sofas oder des Teppichs sowie der zur Verfügung stehenden Fläche beugen. Je unabhängiger die Arbeit des Künstlers vom Markt ist, desto beständiger ist auch die Qualität der Werke.

Der heutige Kunstmarkt lässt nur wenigen jungen Talenten den Freiraum, wirklich künstlerisch zu arbeiten, ohne dass sie Verkaufsstrategien unterliegen und nur das erarbeiten, was gut in Sammlungen passen könnte.

Auch wenn die wahre Ästhetik, die Neuartigkeit und die Intellektualität von fast allen Mitspielern streng propagiert wird, scheinen sich nur eine Handvoll erfolgreich für die seelische Existenz der Kunst wirklich einzusetzen. Sie begreifen, dass der Markt nur wegen der Künstler existiert.
Da liegt das Potenzial des Berliner Kunstgeschehens. Es gibt unzählig viele unentdeckte Künstler, die in höchster Qualität arbeiten, aber nicht von einer der „tonangebenden“ Galerien in Berlin vertreten werden.

Der übersättigte und trotzdem überteuerte Kunstmarkt für zeitgenössische Kunst ist von keinem mehr zu überblicken sowie kaum noch zu durchschauen. Seine unübersichtliche Größe, die ungreifbare Masse an meist selbst erklärter Künstler sowie die zunehmende Austauschbarkeit sind seine Schwäche.

Der Künstler und die Kunst brauchen einen gesunden Markt, in dem die Kräfte ausgeglichen sind.  Künstler brauchen eine professionelle Plattform, eine Brücke zur Öffentlichkeit, um ohne den herkömmlichen Galeriebetrieb auf sich aufmerksam zu machen.
Wie schon beschrieben – eine Rückbesinnung auf Kunst mit hoher, nachvollziehbarer Qualität ist die Konsequenz. Sammler kaufen wieder mit ihren eigenen Augen, ihrem eigenen Gefühl und entdecken einzigartige Werte.

Ein Kunstmarkt, der begreifbare Qualität vermarktet, hat langfristig Bestand.

Berlin ist und bleibt die Stadt der Künstler

Berlin ist inzwischen einer der führenden Produktionsstandorte für zeitgenössische Kunst in Europa und der Welt geworden. Viele Galerien, Sammler und Kunstliebhaber interessieren sich für die Kunst aus der deutschen Hauptstadt, die als weltweit größte Produktionsstätte von Gegenwartskunst gilt. (Berlin Contemporary, Angela Hohmann, Imke Ehlers, Jovis Verlag, 2005)
„Junge Künstler aus der ganzen Welt kommen in die Kulturmetropole an die Spree. Viele lassen sich hier nieder, weil sie sich von der schöpferischen Atmosphäre der Stadt beflügelt und inspiriert fühlen.“, so die Freunde der Nationalgalerie. (www.freunde-der-nationalgalerie.de / aufgerufen am 24.10.2008) „Internationale Künstler wollen am liebsten in Berlin ausstellen.“ bestätigt Philomene Magers, die mit ihrer Partnerin ihr Stammhaus aus Köln nach Berlin verlegt und ihre Dependace in München schließt. Monika Sprüth, Hagers Geschäftspartnerin hält Berlin einfach für einen der wichtigen Orte, „wo der Diskurs geführt wird.“ (So funktioniert der Galerienboom von Elke Buhr im Art Magazin, Nr. 11, November 2008)

Die Nachwendezeit in Berlin brachte viele Künstler von außerhalb in die Stadt und hielt viele einheimische Künstler. Die entfesselnde Stimmung, die niedrigen Mieten und die damit verbundenen niedrigen Unterhaltskosten machte Berlin interessant für junge Künstler sowie Galerien und eröffnete ihnen neben den Etablierten neue Chancen und Nischen. Heute bietet die Stadt ein hohes Potenzial an qualitativ hochwertiger Kunst, eine Vielzahl an Galerien und immer wieder neue kleine Kunstzentren.

Anfang der Achtziger Jahre machten in Berlin nur die „Jungen Wilden“ im Westteil der Stadt auf sich aufmerksam. Jedoch hatte Berlin, auch durch seine Lage, im Gegensatz zu anderen deutschen Städten wie beispielsweise Köln oder Düsseldorf bis auf wenige Ausnahmen nur einen geringen Stellenwert im deutschen Kunstmarkt. Es gab zwar seit Ende der Sechziger Jahre eine rege Subkultur auf der „Insel Berlin“, die sich zum größten Teil in Kreuzberg abspielte. Die neue Gesellschaft für Bildende Kunst (ngbk) unterstützte seit 1969 die westberliner Kunstbewegung. Berlin stand für Freiräume und Platz für politischen Protest, den die Lage der Stadt mit sich brachte. Jedoch blieb Berlin vom Treiben des Kunstbetriebs in Westdeutschland und der Welt größtenteils unberührt. So hatten Künstler, die schon zu den anerkannten ihrer Gattung zählten in Berlin meist noch keine Galerie, die sie repräsentiert hat. Eine Handvoll Galerien, die die Fahne der jungen Künstler in Berlin hochhielten, waren unter anderem Wewerka & Weiss und die Galerie Zwinger.
In Ostberlin war die Künstlerszene rund um den Prenzlauer Berg angesiedelt und setzte sich hartnäckig gegen die ideologischen Strukturen des DDR-Regimes zur Wehr. Noch politischer und konspirativer als in Kreuzberg fand hier das Künstlerleben in Hinterhöfen und stillgelegten Fabriken statt.

Der Schritt in den internationalen Kunstmarkt wagte Berlin erst nach Maueröffnung und wurde durch eine neue Generation von jungen Galerien in Berlin-Mitte vorangetrieben. Die Ersten im heutigen Galerienviertel rund um die Auguststraße waren Friedrich Loock mit seiner Galerie Wohnmaschine, die er schon seit 1988 als illegale Wohnzimmergalerie gegenüber seiner jetzigen Adresse führte, und „Judy“ Lybke, der 1992 mit seiner Galerie Eigen + Art aus Leipzig nach Berlin-Mitte kam. Dann eröffnete eine Galerie nach der anderen in diesem „neuen“ Berlin. In dieser Pionierzeit, einer Zeit des Umbruchs, entstand eine neue Kunstszene. Die niedrigen Häuser, die engen Straßen und das „Ost-Flair“ mit illegalen Partys, temporären Bars und Untergrundclubs in Hinterhof-Kellern und Ruinen inspirierten zu Aktionen und machten die Stadt mit einer entstehenden Subkultur lebendig. Es war eine Zeit der Improvisation. Die Kneipen- und Clubszene verschmolz mit der Kunstszene. Es entstanden in den frühen Neunziger Jahren Initiativen wie das Tacheles in der Oranienburger Straße, das ACUD oder die aktions galerie.

Das Kunstleben hatte sich also größtenteils aus dem westlichen Kunstbezirk Charlottenburg mit seiner Galerieszene und dem wilden Kreuzberg in den frischen und abenteuerlichen Teil der Stadt wie Mitte oder Prenzlauer Berg verlagert. Dazu trugen die Galeristen einen Teil dazu bei, die keine Mauer zwischen Ost und West in ihren Köpfen hatten.

Die subkulturelle Szene in Mitte hat sich dann im Laufe der Jahre bis heute stark kommerzialisiert. Aus den Projekträumen dieser Zeit wurden kommerzielle Galerien. Das BüroFriedrich des Niederländers Waling Boers kuratierte 2005 für die Londoner Frieze ein „specefic artists“-Projekt, Maschenmode von Guido W. Baudach, Martin Germann und Peter K. Koch und der loop-raum für aktuelle Kunst von Rüdiger Lange, die für die Kunstszene der Anfänge in Mitte zählen, wurden kommerzielle Galerien.

Heute hat sich die Waage wieder etwas austariert, denn die Stadt scheint in ständiger Bewegung zu sein. Andere Bezirke sind, obwohl sie schon immer da waren, zu den nichtkommerziellen „Kunstschauplätzen“ geworden. Die Subkultur hat sich demnach wieder verlagert. Mittlerweile teilt sich die Stadt den Kunstbetrieb auf.
Charlottenburg und seine Galerien vertreten zum großen Teil die arrivierten und schon etablierten Westberliner Künstler. Außerdem finden sich hier die Galerien, die mit Moderner Kunst und der Avantgarde handelt.
In Mitte sind die Galerien zu finden, die durch ihren internationalen Ruf und Einfluss agieren. Derjenige, der auf dem internationalen Parkett mitspielen möchte, hat eine Fläche in Berlin-Mitte angemietet. Selbst Michael Schultz als Westberliner Urgestein der Kunst hatte Anfang der Neunziger Jahre mit dem Gedanken gespielt, sich in der Nähe der Oranienburger Straße niederzulassen. Nachdem sich die Pläne zerschlagen hatten, steht nun im Jahr 2010 vielleicht ein Umzug in ein Künstlerhaus in der Nähe der Berlinschen Galerie in Mitte an. (Interview mit dem Autor, 7.1.2009)
Ende der Neunziger Jahre und nach 2000 verlagerte sich schon das experimentierende Künstlervolk eher in Richtung Friedrichshain. Hier entstehen neben Prenzlauer Berg eine Reihe von Galerien und Designerläden, wo sich Künstler aus aller Welt ausprobieren.
Heute sind aber auch eigentliche Außenseiterbezirke angesagt. So ziehen einige Künstler und Galerien in Bezirke wie Wedding oder Tiergarten. Entlang der Brunnenstraße breitet sich das Kunstleben in Richtung Norden, Richtung Wedding, aus. Es entstehen neue kleine Galerien, kleine Kunstzentren, die neue, relevante Positionen aktueller Kunst von noch unbekannten Talenten zeigen.
Aber auch Kreuzberg und Neukölln sind seit ein paar Jahren wieder zu den Bezirken zu zählen, wo junge Kunst entsteht. Dreht sich der Trend wieder um, Richtung Westen? Rund um die Schlesische Straße im „Wrangelkiez“ entstehen temporäre Galerien, immer neuere Läden, in den Kunst und Design verkauft wird. Dabei scheint es, als würden sich junge Kreative, die in Westberlin geboren sind, heute eher in Kreuzberg und die, die im Ostteil aufgewachsen sind, eher in Friedrichshain niederlassen. Verbunden sind die beiden Bezirke durch die Oberbaumbrücke, auf der seit 2003 halbjährlich ein Kunstmarkt, eine „Open-Air-Gallery“ stattfindet. Der Markt wird vom  Stadtteilausschuss Kreuzberg e.V. organisiert und „soll einen neuen Raum für Kunstbetrachtung und Kunstverständnis schaffen“. (http://www.welt.de/welt_print/article2333641/Kunst-auf-der-Oberbaumbruecke.html / aufgerufen 24.10.2008)

Berlin bietet – sich immer wieder neu eröffnende – Freiräume für künstlerische Positionen, immer neue Projekte und Initiativen. Wenn der eine Teil der Kunst sich kommerzialisiert, wird in einem anderen Teil experimentiert und rebelliert. Auch wenn das Tacheles, eine vor 18 Jahren von Künstlern besetzte Kaufhausruine, unter den Hammer einer Zwangsversteigerung kommt, weil der Pachtvertrag zum Ende 2008 ausläuft (Tagesspiegel, 15.11.2008, Das Tacheles kommt unter den Hammer), werden sich andere Nischen auftun, wo die Kunst Platz zum experimentieren findet.

Und das ist es, was Berlin auszeichnet. Es ist eben die größte Produktionsstätte zeitgenössischer Kunst. Es bilden sich immer neue Projektgruppen mit kreativen Ideen. Die bis heute relativ niedrigen Mieten und Unterhaltskosten lassen viele Künstler in Berlin leben und arbeiten. Dies gibt Galeristen die Möglichkeit, sich auf die sogenannte „Emerging Art“ zu konzentrieren, sich einen noch unbekannten Künstler mit Potenzial rauszusuchen und im Kunstbetrieb durchzusetzen. Es scheint alles möglich zu sein.

Werbung in der Kunst

WIE ENTSTEHEN TRENDS, HYPES UND WER BILDET MEINUNG?

Eigentlich ist es unmöglich, spezifische Merkmale in der Werbung für Kunst festzumachen. Es gibt eine Vielzahl an Gestaltungen und Anzeigenkonzepten.
Ich werde im Folgenden auf eine Auswahl an Gestaltungsprinzipien eingehen.

Um die Werbung in der Kunst zu beschreiben, muss man zum einen die unterschiedlichen Zielgruppen betrachten, an die die Anzeigen oder Plakate gerichtet sind. Außerdem variieren die Anzeigen je nach den Bereichen der Kunst, in der die Werbetreibenden tätig sind.

Für reine Ausstellungen, die „nur“ um Besucher werben, werden andere Gestaltungen und Strategien entwickelt als für Galerien im Allgemeinen. An der Typografie in der Kunstwerbung erkennt man ebenfalls, ob es sich um eine etablierte Galerie für moderne Kunst handelt, oder ob in der Galerie „Contemporary Art“ oder Junge Kunst zu finden ist. Auf letztere möchte ich eingehen.

Die Zielgruppe der Käufer und Sammler wird anhand von Anzeigen in den Fachzeitschriften wie Artforum informiert. Dieses Magazin besteht aus einer Aneinanderreihung von Anzeigen internationaler Galerien.

Fast ausschließlich wird in diesen auf den Namen des Künstlers, die Dauer der Ausstellung sowie den Namen und Adresse der Galerie hingewiesen.
Handelt es sich um zeitgenössische Kunst, werden serifenlose Schriften verwendet.  Um Kunst der Moderne anzupreisen, nutzen Galerien und Auktionshäuser klassische Serifenschriften.
Die Schriftart Helvetica ist ein beliebtes Stilmittel, um kenntlich zu machen, dass die Galerie „junge Kunst“ anbietet. Diese sind oftmals in Versalien gesetzt. Die rein typografischen Anzeigen bestehen nur aus einer Auflistung von Überschriften, die hierrachisch zuerst auf den Künstler, den Ausstellungszeitraum und dann auf die Galerie aufmerksam machen.
Einige Galerien verwenden für ihre Werbung ausschließlich Typografie und verzichten komplett auf Bildmaterial.
Die meisten jedoch präsentieren ein Bild oder einen Ausschnitt einer Arbeit der beworbenen Künstler, das meist in den Hintergrund gesetzt ist. Die Typografie, die Schrift bilden immer das zentrale Gestaltungsmittel.
Umso mehr fiel mir eine Anzeige der Galerie Blum & Poe aus Los Angeles auf, die im Artforum nichts außer ihre Ladenfassade präsentierte. Man konnte nur „Blum & Poe“ auf der Hausfassade lesen. Sie ist auch die einzige Galerie, die sich selbst und keinen Künstler bewirbt.

Die Galerie „El Sourdog Hex“ aus Berlin listet auf einer Doppelseite im Artforum ihre Ausstellungen von 2007 bis 2009 auf. In den Zeiten der Unsicherheit möchte sie vielleicht Stabilität und Beständigkeit ausdrücken.

Max Hetzler verwendet immer einen Gestaltungsrahmen, im wahrsten Sinne des Wortes. In immer wechselnden Farben ist der Name des jeweils vertretenen Künstlers eingerahmt dargestellt.

Im Allgemeinen würde man davon ausgehen, dass die einzelnen Anzeigen in diesem „bunten Sammelsurium“ untergehen. Jedoch scheinen Sammler, da ist sich Jan Wentrup sicher, die Anzeigen aufmerksam durchzublättern und wirklich zu lesen. Sonst würde diese Konzentration an Werbung in einem Magazin nicht funktionieren. Dafür gibt es im Artforum keine Werbeanzeigen von Unternehmen, die mit Kunst nicht direkt in Kontakt stehen wie beispielsweise im Monopol oder ART Magazin. Dort findet man die Luxusgüterindustrie mit ihren Anzeigen für Champagner, Luxuslimousinen und Uhren.

Die andere Zielgruppe, die Kunstinteressenten, Ausstellungsgänger, das kulturell interessierte „normale“ Volk, wird in populären Magazinen, Tageszeitungen und auf der Straße angesprochen. Der Unterschied ist hier, dass auch die Menschen, die noch nicht wussten, dass sie sich für Kunst interessieren, auf das Ereignis aufmerksam gemacht werden müssen. Dafür werden neben Anzeigen und Plakaten ganze Werbekampagnen geschmiedet, um einen Wiedererkennungswert zu schaffen. Die Ausstellung oder das kulturelle Ereignis wird zu einer Marke.
So gelang es der Neuen Nationalgalerie mit der Werbekampagne für die Ausstellung „Die schönsten Franzosen kommen aus New York“, 680.000 Besucher in vier Monaten anzulocken. Die Farben der Tricolore Frankreichs waren in der ganzen Stadt wahrzunehmen. Wie auch bei der Ausstellung „Das MoMA in Berlin“, wo während der Zeit die Farbe Magenta überall zu sehen war, wurde das Ereignis zu einer Marke. Die nicht abreißen wollende Schlange vor der Nationalgalerie verstärkte das Bedürfnis eines Besuches der Ausstellung. Allgegenwärtig wurde das Ereignis zu einem Muss für jeden Berliner und für jeden Touristen. Jeff Koons’ „Hanging Heart“ sieht man auf Werbebannern im Internet auf Seiten von populären Lifestyle-Magazinen.

Um eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen, muss die Werbung populärer aufgestellt sein und sich gegen alle anderen Bedürfnissen der Menschen neben Douglas, McDonalds und Co behaupten. Großereignisse wie auch das Art Forum in Berlin und öffentliche Ausstellungen sind breitgefächerter in Medien präsent, um mehr wahrgenommen zu werden. Einen Zusammenhang und die schon erwähnte Wiedererkennung erreicht man durch Entwicklung eines Corporate Designs sowie einer Vermarktungsstrategie. Diese werden medienneutral entwickelt, um später ein breites Publikum, die breitere Zielgruppe in unterschiedlichen Medien, sei es durch Werbung auf Bussen, Radiospots, Plakatwerbung, Anzeigenschaltung und im Internet erreichen zu können.

Da im Allgemeinen die Kulturinteressierten auch eine bessere Bildung haben, kann man diese Zielgruppe ebenfalls durch konsequente und professionelle Pressearbeit erreichen. Ein Grundinteresse ist ebenfalls vorhanden.

Sind Kunstkritiker noch ernstzunehmen?

WIE ENTSTEHEN TRENDS, HYPES UND WER BILDET MEINUNG?

Lange ist es her, dass Sammler nur aus Neugier entdecken, kaufen und ihre Sammlung aufbauen und dabei noch auf die Kunstkritiker hören.
Die, auf die man hören konnte, sind verstummt. Viele plappern nach, was ihnen der Markt vorgibt. Der Profit scheint die Vorherrschaft über den Geschmack und die Philosophie bekommen zu haben. Und wenn es nicht der direkte Einfluss vom Kunstbetrieb ist, erfasst die Feuilletonisten der Druck der Chefredaktion, die Auflagen- und Absatzzahlen im Hinterkopf haben. Gefragt sind nicht mehr wirkliche Stellungnahmen der Kritiker sondern Schlagzeilen, die die Leser verschlingen.
Einige Kunstkritiker haben jedoch noch Einfluss und müssen geschickt ihre Position, die sie aus dem Hintergrund von Kunstgeschichte beziehen, formulieren.
In Deutschland und der Schweiz gibt es eine Hand voll ernstzunehmende Kunstkritiker und -redakteure: Niklas Maak bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Holger Liebs bei der Süddeutschen Zeitung, Hanno Rauterberg bei der Zeitung Die Zeit, Samuel Herzog bei der Neuen Zürcher Zeitung, Brigitte Werneburg bei der Tageszeitung oder Stefan Koldehoff beim Deutschlandfunk.
Einige von Ihnen schreiben neben dem Feuilleton ihre eigenen Bücher, um ihre Thesen wirklich zu artikulieren.
Vom großen Publikum wird nur die eine Seite der Kritik wahrgenommen, nämlich wenn  Kunst plakativ in einem der Boulevardblätter auftaucht und die breite Masse ansprechen soll. Auflagenzahlen, Einschaltquoten und Klickzahlen bestimmen hier aber dann jedes Wort.
In Fachzeitschriften mit geringer Auflagenzahl werden dann theoretische Überlegungen und Analysen formuliert und veröffentlicht.
Hanno Rauterberg beschreibt die Zwickmühle, in der Kunstkritiker stecken. Kritiken würden nicht mehr so harsch ausfallen, die Noten nicht mehr so streng vergeben, da der nächste Auftrag für einen Katalogtext oder die nächste Eröffnungsrede oft schon dranhängt. Da die meisten Kunstkritiker zudem noch „Freelancer“ sind und stetig mehr um Ihre Aufträge kämpfen müssen, das Honorar aber bei Fachzeitschriften und Tageszeitungen nur 100 Euro am Tag beträgt, ist es eigentlich verständlich, dass die wahre Kritik ausbleibt und zur Ware Kritik mutiert.
Das ist aber gefährlich in einer Zeit, in der man die wahre Kunst nicht mehr ohne Hilfe von der Ware Kunst zu unterscheiden vermag und man auf geschulte Augen und Ohren fast angewiesen scheint.

Daher bleibt für Sammler die Kunstkritik von angesehenen Kulturredakteuren richtungsweisend und bietet wichtige Informationen. Im Markt der Zeitschriften und Zeitungen scheinen aber immer häufiger Praktikanten eine „Kunstkritik“ zu verfassen, weil es schneller und günstiger ist.

So lässt sich heute „die Auflage einer Zeitung also kaum nach oben reißen. Ihre Qualität aber schon.“ (Blomberg, Katja: Wie Kunstwerte entstehen. Das Geschäft mit der Kunst. Murmann Verlag, Hamburg, 2005. 3. Ausgabe März 2008, S. 180)

Kunstpreise – Das Siegel für „Gute Kunst“?

WIE ENTSTEHEN TRENDS, HYPES UND WER BILDET MEINUNG?

Kunstpreise werden meist in Form von Ausschreibungen eines Wettbewerbs von öffentlichen oder privaten Stellen vergeben. Sie zeichnen Künstler für besondere künstlerische Leistungen aus. Sie sind meist dotiert oder fördern durch Stipendien die Künstler, steigern jedoch gleichzeitig deren Wert. Es gibt einige anerkannte Preise, die Trends abschätzen lassen und junge Talente zum Vorschein bringen.

Es gibt unter anderem den „Cologne Fine Art-Preis“. Er ist entsprechend der Geschichte der Messe aus dem KUNSTKÖLN-Preis und zuvor dem art multiple-Preis hervorgegangen und wurde 1996 erstmals vergeben.
Der Bundesverband Deutscher Galerien und Editionen und die Kölner Messe verleihen diesen mit 10.000 Euro dotierten Preis jährlich. Außerdem ist dem Werk des jeweiligen Preisträgers im Jahr der Preisverleihung auf der Kunstmesse eine Sonderausstellung gewidmet. (www.cologne-fine-art.de)

Im Auftrag des Berliner Senats verleiht die Akademie der Künste jährlich den Berliner Kunstpreis, offiziell „Berliner Kunstpreis – Jubiläumsstiftung 1848/1948“. Neben 15.000 Euro werden noch weitere Förderpreise mit jeweils 5.000 Euro verliehen.
Die Geschichte des Berliner Kunstpreises reicht bis 1948 zurück und wird in Erinnerung an die Märzrevolution von 1848 vergeben. Bis 1969 verlieh ihn der Senat von Berlin unter dem Namen Kunstpreis Berlin; seit 1971 wird er von der Akademie unter seinem heutigen Namen verliehen.
Die Sparten des Preises sind nach Fassung der Richtlinien seit 1984: Musik, Literatur, Darstellende Kunst sowie Film, Hörfunk, Fernsehen bzw. Film- und Medienkunst.
Der Berliner Literaturpreis trägt den Namen Theodor-Fontane-Preis und ist Nachfolger des 1914 erstmals vergebenen gleichnamigen Preises.

4 New Sensations ist ein im April 2007 von Channel 4, ein privater britischer Fernsehsender, und der Saatchi Gallery erstmals verliehener Kunstpreis. Er ist mit 3.000 Pfund dotiert. Wer hier wohl den Trend setzt und damit vielleicht den Wert seiner eigenen Künstler steigert?

Der bedeutendste und in der Kunstwelt populärste Kunstpreis ist der britische Turner Prize. Er ist ein nach dem Maler J. M. W. Turner benannt und wird alljährlich an einen Künstler, der jünger ist als 50 Jahre, verliehen.
Der Preis wurde erstmals 1984 vergeben und ist mit insgesamt 40.000 Pfund dotiert. Dabei gehen 25.000 Pfund an den Gewinner und jeweils 5.000 Pfund an die anderen nominierten Künstler. Die Preisvergabe wird von der Londoner Tate Gallery organisiert. (http://www.tate.org.uk/britain/turnerprize)

In Deutschland ist das Pendant zum Turner Prize der Preis für Junge Kunst – Preis der Nationalgalerie. Um ebenbürtig zu sein, ist er mit einem Preisgeld von 50.000 Euro dotiert. Der Preis für Junge Kunst wird vom Verein der Freunde der Nationalgalerie vergeben und ist einer der höchst dotierten Preise für Gegenwartskunst in Deutschland.
Seit dem Frühjahr 2000 wird der Preis ausgelobt und im Jahr 2009 zum fünften Mal verliehen.
Gefördert werden sollen Künstlerinnen und Künstler im Alter unter 40 Jahren, die bereits ein Werk als Beurteilungsbasis vorlegen können. Sponsor und Förderer ist BMW. (www.freunde-der-nationalgalerie.de / www.preis2009.de)

Es gibt mehr als 100 bei Wikipedia registrierte Kunstpreise, wobei dort regionale Ausschreibungen wie Bezirksausschreibungen nicht mit aufgezählt sind.
Manche von ihnen dienen der Künstler- oder Nachwuchsförderung, sie vergeben Stipendien und finanzielle Unterstützung.
Je nach Preis und Dotierung, je nach Jurybesetzung und Veranstalter ist die Gewichtung der Bedeutung unterschiedlich. In jedem Fall kann der jeweilige Kunstpreis in der Vita des Künstlers wertsteigernd sein, denn es zeigt, dass eine ausgewählte Jury von Fachleuten die Kunst als wertvoll und qualitativ hochwertig einschätzt und für förderungswürdig erklärt.

Das Bedürfnis der Menschen an Wettbewerben teilzunehmen oder Hierarchien aufzustellen, liegt in deren Natur. Nachweislich lassen diese sich auch in Kleingruppen der Tierwelt bis hin zu komplexen Gesellschaften beobachten.
Bereits 1691 klassifizierte der Franzose Roger de Piles Kunstwerke nach Bedeutung und Rang. So belegte Leonardos Mona Lisa damals nur den elften Platz. Markt und Mode nahmen damals schon Einfluss auf die Werturteile der Experten und deren Ranglisten.
„Kunst Ranking“ besitzt nicht nur die Eigenschaft, Aufmerksamkeit zu messen, sondern sie in gleichem Maße zu erzeugen. Damit erkennen sie nicht unbedingt nur Tendenzen, sondern wirken oftmals verstärkend.
Man bezeichnet den Effekt der zeitnahen Wirkung des Kunst Rankings oft auch als self-fulfilling-prophecy. (Dossi, Piroschka: Hype. Kunst und Geld. Deutscher Taschenbuch Verlag, München. 2007. 4. Auflage 2008, S. 184)

Die Vergabe solcher Preise hängt stark von der Jury sowie deren Verflechtung innerhalb des Kunstbetriebs ab und scheint daher manchmal nicht plausibel.

Das Qualitätssiegel: Kunstkontakter, Banane, Kunstkompass und Co.

WIE ENTSTEHEN TRENDS, HYPES UND WER BILDET MEINUNG?

Im Jahr 1970 erfand der Kölner Kunstkritiker und ZEIT-Redakteur Willi Bongard den in der Szene umstrittenen „Kunstkompass“ und veröffentlichte diesen in der Wirtschaftszeitung „Capital“, wo er noch heute nach seinem Tod von seiner Frau Linde Rohr-Bongard weitergeführt wird.
Capital veröffentlicht nun zum 36. Mal den Kunstkompass, der „Investitionen auf dem Kunstmarkt erleichert und das Risiko bei Einkäufen verringert“.
Eine Rangliste der 100 berühmtesten Künstler soll als ein Informations- und Bewertungssystem fungieren und „Ruhm und Rang der Künstler weltweit von den Sechziger Jahren bis heute“ messen. (www.capital.de/guide/259849.html / 5.10.2008)
Linde Rohr-Bongard ist bewusst, dass die Qualität der Kunst nicht messbar ist. Der Kunstkompass dient jedoch als Barometer für das Renomee und die Resonanz, die Künstler durch Ausstellungs- und Publikationserfolge in der Fachwelt genießen. Doch was macht den Rang eines Künstlers aus? Ist es die Qualität seiner Arbeiten oder ist es die Fähigkeit des Künstlers im Kunstbetrieb erfolgreich zu bestehen, indem er gute Kontakte pflegt oder pflegen lässt?
Obwohl der Kunstkompass von Kunstfachleute sehr umstritten ist, gilt ein Künstler in der Rangliste als erfolgreich und Newcomer als viel versprechend.

Als Gütesiegel der Kunst – als krummes – gilt die Banane.
Angefangen hat alles vor 25 Jahren als der Kölner Künstler Thomas Baumgärtel damals als „Zivi“ in einem katholischen Kleinstadt-Krankenhaus seiner niederrheinischen Heimat, seine Frühstücksbanane auf das Kreuz einer Krankenstation klemmte. Aus diesem Streich und seiner Revolution gegen das Kleinbürgertum, was manche Patienten auch zum Schmunzeln gebracht hat, wurde sein ganz persönliches Kunstsymbol.
An 5.000 Orte, Museen und Galerien zwischen New York, Berlin, Zürich und Moskau, überall dort, wo nach seiner Auffassung ein frisches Ausstellungsprogramm zu finden sei, sprühte der heute 47-Jährige in einer nächtlichen Aktion seine schwarz-gelbe Banane. Am meisten ist sie aber in Deutschland zu finden, allein in Berlin sind es mehr als 100.

Dem „Bananensprayer“, der wohl in den Neunziger Jahren aktiver war, wurde 2001 im Museum von Goch am Niederrhein eine eigene Ausstellung gewidmet. Neben Zeichnungen, Objekten und Gemälden sind in zwei Museumsvitrinen Ordner mit Justizakten zu bestaunen – alles Anzeigen wegen Sachbeschädigung.
(Kölnische Rundschau – http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1201129255466.shtml / vom 24.1.2008 / aufgerufen am 6.10.2008)

Dennoch: Baumgärtels Banane ist vielen inzwischen zu einer Art Gütesiegel für Kunst geworden. Eine Galerie mit Banane verspricht gute Kunst.
Der Künstler selbst nimmt sich nicht so wichtig und geht auch nicht darauf ein, wenn ihm für sein „Gütesiegel“ Geld geboten wird.
„Inzwischen bekomme ich schon mal böse Briefe von einer Galerie, wieso ich sie umgehe.“ Und andere Galeristen, besonders etablierte, fordern sogar: „Machen Sie mir doch drei Bananen“ – als Zeichen für einen noch besseren Kunstort.
Manchmal, gerade bei Galerien, kann es aber passieren, dass ihm die Vergänglichkeit einen Strich durch die Rechnung macht und die Galerie schließt.
„Die Vergänglichkeit ist okay, ich habe ja die Fotos als Dokument und nicht den Anspruch, dass die Banane ein Leben lang bleiben muss.“, so Baumgärtel, aber „wenn beispielsweise eine Galerie umgezogen ist und stattdessen ein Teppichladen in die Räume gezogen ist, und der sich auch noch Galerie nennt“, dann entwertet der Idealist die Banane mit seiner „Ungültig“-Schablone.
(Berliner Morgenpost / http://www.morgenpost.de/incoming/article252199/Ausgerechnet_Bananen_Thomas_Baumgaertel_hat_eine_Frucht_zum_Markenzeichen_fuer_Kunst_gemacht.html / 24.9.2006 / aufgerufen am 6.10.2008)

Auf der Website des Künstlers Thomas Baumgärtel unter www.bananensprayer.de kann man sich über Werke und Ausstellungen informieren.

Ein weiteres Gütesiegel in der Kunstwelt bietet der „Kunstkontakter“.
Konstantin Schneider, der sich als „embedded art agent“ versteht, ist ausgestattet mit einem Bauhelm, auf den eine DV-Kamera installiert ist.
Das gefilmte Material wird später zusammengeschnitten auf der Website www.berlinerkunstkontakter.de veröffentlicht. Diese Art der Dokumentation ermöglicht meist besser als jedes Foto die Atmosphäre des Events einzufangen, auf dem der Kunstkontakter vorbeigeschaut hat.
Aber es ist meistens gar nicht die reine Dokumentation. Der Mann mit dem Helm platzt in Smalltalks einer Vernissage hinein, stellt für Künstler und Galeristen zeitweise „unangenehme“ Fragen und kommt so ins Gespräch. Er „seziert die Kunst und ihren Jahrmarkt der Eitelkeiten.“ (http://www.netzeitung.de/feuilleton/756671.html / 28.9.2007 / aufgerufen am 6.10.2008)
Anfangs belächelt, gilt heute der Besuch von Konstantin Schneider auf der Vernissage, Messe oder Kunstveranstaltung mit seiner Kamera auf dem Kopf als kleiner Ritterschlag. Der Kunstkontakter gehört eben zur Kunstveranstaltung dazu.
Im Jahr 2008 tourte Schneider durch Europa und Asien und filmte in London, Paris, Basel und Shanghai. (www.berlinerkunstkontakter.de)

Museen werden zu privaten Ausstellungsräumen

WIE ENTSTEHEN TRENDS, HYPES UND WER BILDET MEINUNG?

Freier Eintritt in Museen wird von den renommierten Kunstkritikern, wie Hanno Rauterberg, ZEIT-Redakteur gefordert. Die Berliner Museen „haben in Berlin 2006 auf 2007 einen 20-prozentigen Zuwachs an Besuchern gehabt.“, so der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus Dieter Lehmann im Deutschlandfunk am 31.1.2008.
Museen sind beliebt, und das nicht nur an regnerischen Tagen. 2005 zählten die Berliner Museen 11.437.354 Besucher. Im Jahre 2004 waren es 11.292.090, davon allein 1,1 Millionen in der MoMA-Ausstellung. (http://www.in-berlin-brandenburg.com/Freizeit/Museen.html)
Das Marketing stimmt. Es wird zunehmend die breite Masse angesprochen, die sich zunehmend für Kunst interessieren soll. Wer hat es nicht gesehen? „Die schönsten Franzosen kommen aus New York“ prägten das Stadtbild. Rund 5000 Besucher strömten seit Ausstellungsbeginn täglich zu den französischen Meisterwerken des Metropolitan Museum of Art (kurz: Met) in die Neue Nationalgalerie. Insgesamt waren es rund 680.000 Besucher in vier Monaten.

Um die 6.000 Museen deutschlandweit bemühen sich um das kulturinteressierte Volk, davon 600 um die Kunstliebhaber. Die Kunst, ein kräftiger Wachstumsmarkt, mit fast 2000 Sonderausstellungen im Jahr und mehr als 17 Millionen Besuchern, Tendenz steigend, führte zu einem „Bauboom“ von Museen, so Hanno Rauterberg in der ZEIT. (Hanno Rauterberg | © DIE ZEIT 21.10.2004 Nr.44)
Nach einer Kunsthysterie der Achtziger und Neunziger Jahre ist ein neuer Boom zu spüren. Überall wird geplant, erweitert, gebaut. Besonders in den kleineres Städten wie Hombroich, Mülheim, Münster oder Wiesbaden hofft man auf Ansehen.
Aber auch in den Kunstzentren wie Leipzig, Berlin, Hamburg oder München wird neu gebaut oder aufgestockt.
Alle hoffen darauf, durch neue glänzende moderne Paläste Kunst- und Kulturzentren zu werden. Oftmals reicht jedoch das Geld nur zum Bau von Museen, jedoch fällt das Betreiben der Häuser dann umso schwerer. Schrumpfende Etats lassen das Aus vieler gerade erst entstandenen Museen erwarten. Das MoMa-Phänomen, welches man in Berlin erleben konnte, bleibt der Ausnahmefall.

Das ebnet den Weg für Privatsammler, die ihre Kollektionen als Leihgaben den Museen zur Verfügung stellen, die sich kaum noch eigene Ankäufe leisten können.
Museumsdirektoren sind abhängig geworden von Industrie und Wirtschaft, die als Sponsoren oder Partner fungieren und damit immer mehr Einflussnahme auf die Sammlungen und Ausstellungen ausüben.

In Frankreich oder in den USA halten Museen ihre Autorität aufrecht. Dort besteht man auf Schenkung oder Stiftung. Ein Ausstellungsraum eines Museums wird nicht so leicht zu einem Showroom für Sammler, die damit ihre Werke aus den Depots mal in die Öffentlichkeit tragen können.
In den Museumshallen gewinnen die Kunstobjekte an Wert, da auch ihre Popularität steigt. Jedoch gerät das System, in dem eigentlich das Kunstmuseum erklärt, was Kunst ist, aus den Fugen. „Heute entscheiden das immer stärker die Sammler und ihre Galeristen.“ (Hanno Rauterberg | © DIE ZEIT 21.10.2004 Nr.44)
„Diese Art von Ausverkauf und Unterwerfung ist“ nach Meinung des ZEIT-Redakteurs „die eigentliche Bedrohung für das deutsche Museum …“ und „verspielt so sein größtes Kapital: seine Glaubwürdigkeit.“ Das geschieht jedoch nur in den Augen der Experten und derer, die genauer hinsehen. Für den Normalbürger bleibt der Skandal in den Grenzen, woher der Sammler sein Vermögen hat.
Es gibt natürlich Unterschiede. Wenn zum Beispiel ein Sammler wie Reiner Speck einen Teil seiner Kollektion dem K21 in Düsseldorf zur Verfügung stellt, hat es weniger den Ruch der gezielten Wertsteigerung, als wenn Kunst von der Plattform „Museum“ während einer Ausstellung verkauft werden. Dies geschah 2001, als Hans Grothe mit einem Auktionator durch das Bonner Kunstmuseum schritt und Bilder aus seiner eigenen Sammlung für den Verkauf auswählte, obwohl noch ein Leihvertrag lief. Inzwischen hat eine andere Sammlerfamilie den Vertrag übernommen.
In Berlin begnügt man sich hingegen mit Leihvertragszeitspannen von sieben Jahren. Friedrich Christian Flick präsentiert seine Sammlung im Berliner Hamburger Bahnhof.

Das Museum war stets eine Institution, die Kunst wirklich zur Kunst erhoben hat und einen Wert und dessen Beständigkeit garantierte.
Wo jedoch in öffentlichen Einrichtungen monetäre Mittel fehlen, entsteht eine Abhängigkeit zu Sponsoren und Sammlern, die zu Geschäftspartnern werden. Hier geht es nicht mehr um die Kunst als solches. Hier geht es neben der Liebe zur Kunst um Gewinnmaximierung.
Und weil Museen ein Garant für Wertsteigerung ist, sind hier Händler, die sich Galeristen nennen, nicht fern.

Ohne Leihgaben versuchte Udo Kittelmann, ehemaliger Direktor des Frankfurter Museums für Moderne Kunst und Direktor der Nationalgalerie in Berlin, auszukommen. Er arbeitete fast ausschließlich mit der hauseigenen Sammlung, wobei im Juli 2005 der Sammler Dieter Bock, nach Ablauf eines geheimen Vertrages, 500 zeitgenössische Werke abzog.
Jedoch gelang es Kittelmann diesen Rückschlag gut wegzustecken, indem er durch Insiderinformationen günstig Kunstwerke durch Sponsorengelder ankaufen konnte und somit den Bestand der museumseigenen Sammlung bis heute sichert.
Im Interview mit Nicola Kuhn im Tagesspiegel vom 29.10.2008 bestärkt er seinen Auftrag, den er als Museumsdirektor hat: „Ich sehe kein Diktat der Quote. Schließlich lässt sich auch nicht jedes Jahr eine MoMA-Ausstellung auf die Beine stellen. Ginge man allein nach der Quote, würde man sich auf Dauer dem jeweils herrschenden Mainstream aussetzen, was einherginge mit dem Verlust inhaltlicher Substanz. Das ist für mich nicht die Aufgabe einer öffentlichen Kulturinstitution. Damit wäre der Bildungsauftrag nicht mehr erfüllt. Das wäre dann so, als würde man in der Schule keinen Goethe mehr lesen, weil die Nachfrage danach nicht mehr gegeben ist. Wo kämen wir denn da hin?“ (TS, 29.10.2008, Kunst ist geistiges Kapital)

„Die Sammlung ist nicht bloß das akkumulierte Kapital, das den Sammler die Macht über den Künstler als Arbeiter verleiht. Es gibt nämlich auch die Arbeit des Sammelns – und diese ist, wie gesagt, auch eine künstlerische Arbeit, weil sie den Dingen unserer Welt den Kunststatus verleiht.“, so Boris Groy in „Über das Sammeln der Moderne“, in „Wahre Wunder“, Köln, 2000, S. 229.

Nicht nur Sammler beziehen Position, auch einige Museumsdirektoren und Kuratoren versuchen wie Udo Kittelmann gegen die zunehmende Event-Kultur und damit auch gegen den Markt zu schwimmen. Sie versuchen aus eigenen Beständen Ausstellungen zusammenzustellen. Ankäufe und Neuzugänge kommen über Stiftungen ins Haus.

Ausstellungen in Museen richten sich heute eher nach dem Kunstmarkt, als nach den Künstlern oder nach dem Publikum.
Ausgestellt wird, was in ist. In Berlin löste die Friedrich-Christian-Flick-Collection die Sammlung Marx ab. Hier setzt man dann doch nur auf Leihgaben.

Aber nicht nur Privatsammler stellen ihre Werke den Museen zur Verfügung.
So entstehen Fondsgesellschaften, die wie zum Beispiel in Mönchengladbach in Hedgefonds investieren. Gemeinsam sammeln Aktionären dann zeitgenössische Kunst, haben mit dem Museum vor Ort einen Vertrag, das sie vier mal im Jahr Neuerwerbungen ausstellen lässt.
Der Vorteil für die Häuser ist, dass immer kostengünstige Ausstellungen zeitgenössischer Kunst laufen und das Niveau des Museums einen international hohen Standard hält.
Das Haus erhält als Schenkung von der Fondsgesellschaft ein Werk als Schenkung, hat aber in Wirklichkeit die Autorität des Museums verloren und den Wert der in Öffentlichkeit gezeigten Werke stark gesteigert.
Der eigentliche Vorteil liegt aber beim motivierten Galeristen, Händler oder Aktionär, der durch Marktbeobachtung kauft und somit entscheidet, was Kunst ist.

Wenn die Sammlung nicht in ein staatliches Museum Einzug hält, wird ein eigenes Haus dafür gebaut.
Immer mehr Privatsammler eröffnen ihre eigenen Kunsthallen.
Das erste deutsche Sammlermuseum eröffnete 1991 in Bremen. In einem ehemaligen Kaffeespeicher trugen elf Sammler ihre Werke zusammen und gründeten mit fast 6.000 Quadratmetern das Neue Museum Weserburg.
In Düsseldorf gibt es seit 2002 das „K21“ als „Museum für internationale Gegenwartskunst“. Im ehemaligen Parlamentsgebäude entstand nach Umbauarbeiten, die 48 Millionen Euro kosteten, eine Ausstellungsfläche von 5.000 Quadratmetern, zunächst für Kunstobjekte aus drei Sammlungen. (Herstatt, Claudia: Fit für den Kunstmarkt. Hantje Cantz. Ostfildern, 2007, S.64)
In Berlin sind es das Ehepaar Hoffmann, Axel Haubrok, Wilhelm und Gabi Schürmann und Christian Boros, die gar nicht mehr auf die staatlichen Institutionen zugehen und den Wert ihrer eigenen Sammlungen steigern.

Der Londoner Sammler Charles Saatchi eröffnete am 9. Oktober 2008 sein eigenes Museum im ehemaligen Hauptquartier des Duke of York Regiments im Stadtteil Chelsea. Der Eintritt für den allgemeinen Besucher der wechselnden Ausstellungen auf rund 6.500 Quadratmetern ist selbst bei kuratierten Sonderausstellungen frei. Das ermöglicht ein Deal mit dem Auktionshaus Philips de Pury & Company, der diesen freien Eintritt sponsort. Im Gegenzug soll der Sammler hauptsächlich bei ihm Werke zur Versteigerung anbieten. (ART Magazin, Nr. 10, Oktober 2008, Eintritt frei für Saatchis Kunst, S. 125)

Der neuste „Coup“ im Bereich Privatmuseum ist am Humboldthafen am Hauptbahnhof geplant. In bester Lage gibt der regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, das Gelände für Investoren frei, die an diese Stelle neben einer „schicken“ staatlichen Kunsthalle ein Privatmuseum hinsetzen. Als Investor ist Nicolas Berggruen, Sohn des 2007 gestorbenen Mäzens Heinz Berggruen, im Gespräch.
Dort soll auf jeweils 2.000 Quadratmetern hochkarätige Kunst des 21. Jahrhunderts mit einem Versicherungswert von mindestens 50 Millionen Euro gezeigt werden, die der Investor gleich mitbringen soll.
Es gibt jedoch großen Streit über das Wie und Wo und ob überhaupt eine neue Kunsthalle entstehen soll. (Tagesspiegel vom 9.1.2009)

Es wird auf Synergieeffekte zwischen dem Privatmuseum und dem Hamburger Bahnhof mit der Flick-Collection vis-à-vis der Invalidenstraße mit ihrer Halle am Wasser gesetzt. Diese Nähe soll dazu beitragen, den oft noch namenlosen Künstlern, die in der Kunsthalle ausstellen werden, Aufmerksamkeit zu garantieren.

Kritiker befürchten, dass man zum dritten Mal nach Marx und Flick den Fehler begeht, mit dem Privatmuseum ein „profilloses Monstrum“ entstehen zu lassen. (Zitty 21/2008, S. 12)
Alice Ströver, kulturpolitische Sprecherin der Grünen, ist über die Entscheidung entsetzt: „Es ist ein Kardinalfehler, eine Kunsthalle an das rein kommerzielle Interesse eines Investors zu koppeln.“ Für diesen Zweck plädierte sie für den Blumengroßmarkt in Mitte. (Tagesspiegel vom 01.10.2008) Dieser wird im Sommer 2010 von den Blumenhändlern verlassen und könnte dann zwischen dem Jüdischen Museum und der Kunst aufgeteilt werden.

Warum dabei das Privatmuseum in diesem Fall wieder „Museum“ heißt und die staatliche Institution nur „Kunsthalle“ zeigt die Symptomatik des Problems. Das Museum hat den eigentlichen Auftrag vergessen und setzt scheinbar nur auf teure Kunst. Susanne Pfeffer, Kuratorin der Kunst-Werke Berlin, sagt im ART Magazin: „Museen bilden das kulturelle Gedächtnis einer Gesellschaft. Ihre Aufgabe ist Vermittlung, Bewahrung, wissenschaftliche Aufarbeitung sowie Bildung eines Kanons. Eine Privatsammlung dagegen zeigt individuelle Interessen und Vorlieben eines Sammlers.“ (ART Nr. 8, August 2008, S. 105, Erst das Bestehende sichern)

Als Barometer, welches bei wahrer Kunst ausschlägt, kann sich das Museum auch für Fachleute erst wieder rehabilitieren, wenn es unabhängig bleibt. Es darf nicht versucht werden, die eigene Unzulänglichkeit und nicht komplettierte Kollektionen mit Leihgaben von gewinnorientierten Sammlungen zu kaschieren.
Dadurch, dass es in Deutschland keine Museumsverkäufe gibt, hat das Werk, welches von einem staatlichen Haus angekauft wurde, einen anerkannten Wert.

Katja Blomberg, aus dem Haus am Waldsee in Berlin sagt: „Die Museen befinden sich somit in einer schizophrenen Situation: Sie schaffen gerade da Werte, wo sie dem Markt auf lange Sicht Kunstware entziehen, und nicht dort, wo sie ihr hohes Image an taktierende Privatsammler und undurchsichtige Sammlerfonds verkaufen.“ (Blomberg, Katja: Wie Kunstwerte entstehen. Das Geschäft mit der Kunst. Murmann Verlag, Hamburg, 2005. 3. Ausgabe März 2008)

Seltsame Strategien – Guerilla-Verkaufsaktionen

Es gibt aber auch seltsame Absatzwege, die sich Künstler und Manager ausdenken, um die Popularität und die Verkaufszahlen zu steigern.
Vor kurzem, wie schon beschrieben, verkauft der Künstler wie Damien Hirst seine Werke einfach selber im Auktionshaus.

Aldi machte zu Weihnachten 2003 auf sich aufmerksam, indem der Lebensmittel-
Discount-Markt zwei Original-Grafiken des Künstlers Felix Droese in einer Auflage von jeweils 10.000 Exemplaren in sein Sortiment aufnahm. Für 12,99 Euro konnte man das Kunstwerk in allen Aldi-Märkten gleichzeitig erstehen. Nach zwei Stunden hieß es: „Das Kunstzeug? Is aus. Müssen Se früher kommen“ (Blomberg, Katja: Wie Kunstwerte entstehen. Das Geschäft mit der Kunst. Murmann Verlag, Hamburg, 2005. 3. Ausgabe März 2008, S. 18 / Anmerkung 18)
Droese erhielt pro Blatt einen Euro und das Image von Aldi wurde ebenfalls innerhalb weniger Stunden aufgebessert.

Kunst ist eben kein reines intellektuelles Luxusgut mehr. Kunst hat als Produkt die Masse erreicht und ruft zum Teil nach Marketingstrategien, die auch in anderen Bereichen der Wirtschaft Anwendung finden.

Im Oktober 2008 fand in der Torstraße 166 etwas ganz anderes statt. Kunst zum Staunen – ein Erlebnis für die ganze Familie. Zwölf Künstler gestalteten zwölf Wohnungen in einem Altbau mit den Mitteln, die Sie dort vorfanden. Es entstand aus dem vor kurzem noch verlassenen und vergessenen Wohnhaus der WBM in Berlin-Mitte, vom Keller bis zum Dach im Zustand des „Nicht-mehr-noch-nicht“, das „Haus der Vorstellungen“. (www.torstrasse166.de)
Das Projekt, von Hornbach gesponsort und unterstützt, wurde in Anzeigen, auf Plakaten und mit Flyeraktionen  im gesamten Stadtgebiet beworben. Diese von Ralf Schmerberg, Jaana Prüss und Peter Weber ins Leben gerufene Ausstellung, macht die große Öffentlichkeit auf Kunst im urbanen Raum aufmerksam.
Durch eine merkwürdige Idee, ein leerstehendes Haus mit „Kunst“ zu bespielen, einen passenden Werbepartner wie Hornbach zu finden, der sonst auch baufällige Gebäude als Werbeträger nutzt und damit einen anderen Weg zu beschreiten, zieht die Presse magisch an. So bekommt diese Kunstprojekt eine halbe Seite im Tagesspiegel. (Tagesspiegel, Nr. 20 048, Mittwoch, 8.10.2008)

Die Rolle des Internet auf dem Kunstmarkt

Das Internet gilt heute mit zu den bedeutendsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte. Noch nie war es einfacher an Informationen zu kommen und eben solche auch zu versenden.

Sir Timothy John Berners-Lee hat das Internet wohl nicht erfunden, aber er hat es der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Vorher nur als eine Geheimwaffe des Pentagon genutzt, erfand Berners-Lee – heute im Vorstand des World Wide Web Consortiums und Professor am MIT in Massachusetts (USA) HTML (Hypertext Markup Language), eine Seitenbeschreibungssprache der heutigen Websites und begründet das World Wide Web.

Nie zuvor ließen sich Bilder und Informationen in alle Welt und zu jedem Kunstinteressierten senden, der eine Anfrage gestellt hat.
Das macht das Internet für den Kunstmarkt zu einem wichtigen Hilfsmittel und Medium, um die Kunst an den Mann zu bringen. Das bestätigt die Galerie Kicken: „Der Kunstmarkt war einer der ersten globalen Märkte überhaupt, der sich unglaublich erweitert hat durch das Internet, das billige Reisen. Das ist der Vorteil der Globalisierung“. (E-Mail an den Autor, 8.1.2009)

Es lassen sich schneller Gerüchte streuen, Hypes generieren und eine Bekanntschaft des Künstlers erringen.

Inzwischen gibt es kaum noch Museen, Galerien, Auktionshäuser, Messen sowie Publikationen, die ohne eine Präsenz im Internet auskommen. Jede Kunstveranstaltung bedient sich den Möglichkeiten der digitalen Technik, sei es das Generieren einer wachsenden Newsletterdatenbank für Interessenten oder die Presseakkreditierung in digitaler Form.

Außerdem sind immer mehr Kunst-Portale im „Netz“ entstanden, die eine fast unbegreifliche Fülle an Wissen und Nachrichten bieten, indem sie wieder mit anderen Websites und Portalen vernetzt sind.
Ein Klick genügt und man gelangt zu den gewünschten Informationen auf einer der immer mehr werdenden Seiten im Internet.

Die Website einer Galerie dient heutzutage als Visitenkarte und als Schaufenster zur Öffentlichkeit. Der Besucher und Kunstinteressent kann sich schon im Vorfeld einen Eindruck der ausgestellten Kunstwerke verschaffen. Auf manchen Seiten kann man E-Mail-Newsletter abonnieren. Wie aber auch in allen anderen Medien spielt die Internetpräsenz eine wichtige Rolle für das Image der Galerie oder des Händlers und dessen Kunst er vertreibt. Trotzdem gibt es deutliche Unterschiede in der Qualität der Internetpräsenzen der Berliner Galerien. Teilweise wimmelt es von Rechtschreibfehlern, Verlinkungen, die ins Leere führen. So haben teilweise die großen Galerien Webseiten, die eigentlich einem alten Standard entsprechen, obwohl sie sie selber als sehr wichtig und umfangreich beschreiben.

Für Galeristen kann das Internet aber auch andere Schattenseiten aufzeigen. Im Zeitalter von Amazon und eBay werden teilweise Preise erschüttert.
Am 20.10.1999 lautet ein Titel auf Golem.de, dem Online-Magazin für „IT-Profis“ und die Medienwelt: „eBay attackiert Christie’s und Sotheby’s“. Unter dem Namen „Great Collections“ hat eBay einen Trend entdeckt und eine eigenständige Online-Plattform für hoch- und höchstwertige Kunstgegenstände eingerichtet.

„Jetzt kommt erstmals echte Kunst in das Internet. Das ist das Ende der bisherigen Quasi-Monopole von Christie’s und Sotheby’s“, meinte eBay.
Als Zielgruppe für Great Collections nannte  das weltweit größte Online-Auktions-Portal in erster Linie Galeristen, Kunsthändler, Auktionshäuser und Juweliere, spricht aber in Wirklichkeit ein Millionenpublikum an. (http://www.golem.de/9910/4876.html / 20.10.1999 / aufgerufen am 18.9.2008)

Das Monopol der Traditionshäuser, in denen Versteigerungen exklusiv zwischen Champagner und Kaviar, stattfinden, ist seitdem gebrochen.

Im Oktober 2006 versteigerte der Münchener Förderverein des Hauses der Kunst seinen gesamten Bestand. Darunter fanden sich Bilder von Picasso, Dix, Mirò und Richter. Die Erklärung dafür waren die hohen Kosten für Lagerung und Versicherung der Bilder, die bis zu dieser Zeit im Keller auf ihre Kunstinteressenten warteten.

Im Juli 2007 wurde damit begonnen, Lagerbestände niederländischer Museen bei eBay zu versteigern.
Weil die Depots maßlos überfüllt seien, wurden 1.300 Arbeiten, Zeichnungen aber auch Gemälde, veräußert. Ab dem 4. Juli sollten an jedem Sonntag um 21 Uhr 50 weitere neue Objekte auf der Startseite des Onlineauktionshauses eBay  angeboten werden. Das „Amsterdamer Instituut Collectie Nederland“ (ICN), das es sich zur Aufgabe gemacht hat, das kulturelle Erbe der Niederlande zu schützen und zu fördern, erhofft sich durch die Erlöse der Auktionen neue Kunstankäufe und Aufbau der Sammlungen niederländischer Museen. Fünf Museen nehmen an dem Pilotinternetprojekt, welches Kritiker als „Groß-reine-machen“ bezeichnen, teil.
Etwas komisch erscheint es schon, wenn der Käufer eines Ölgemäldes des niederländischen Malers Ed Dukkers (1923-1996) für 2.020 Euro „pleun123“ heißt.
(http://www.zeit.de/online/2007/29/kunst-ebay-versteigerung?page=1 / Susanne Schmetkamp | © ZEIT online  17.7.2007 – 04:34 Uhr/ aufgerufen am 18.9.2008)

In Deutschland sind jedoch Verkäufe von staatlichem Museumsgut kein Thema, so Markus Gnad vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. „Die staatlichen Museen in Bayern haben einen Sammlungsauftrag und nehmen grundsätzlich nicht am Kunsthandel teil.“
Eine Auktion von Museumsbeständen widerspreche „völlig dem Museumsgedanken“, sagte auch Matthias Henkel, Sprecher der Staatlichen Museen zu Berlin. „Unsere Aufgabe ist es, Sammlungen zu erhalten, auf keinen Fall zu veräußern. Zudem entdeckt man manchmal nach Jahren noch richtige Schätze in den Magazinen, die dann gegebenenfalls unter einem neuen Aspekt gesehen werden.“

Nichts desto trotz scheint das Internet eine Möglichkeit zu sein, Kunst zu verkaufen. Das bietet auch unbekannter, wenig beachteter oder alter Kunst, der es an öffentlicher Aufmerksamkeit mangelt, einen alternativen Vertriebsweg.

In Deutschland, neben Großbritannien und den USA gehört die Rubrik „Antiquitäten und Kunst“ laut eBay zu einer der umfangreichsten auf dem Internetportal. Um die 180.000 Artikel werden unter den virtuellen Hammer gebracht. (http://www.zeit.de/online/2007/29/kunst-ebay-versteigerung?page=2 / Susanne Schmetkamp | © ZEIT online  17.7.2007 – 04:34 Uhr/ aufgerufen am 18.9.2008)

Auch wenn im März 2004 eine Collage von Pablo Picasso für 160.000 Dollar über eBay versteigert wurde, bleibt das eher der Ausnahmefall. Dieses Gebot ist bisher das höchste, welches bei einer Onlineauktion abgegeben wurde. Sotheby’s hatte sich bereits 2003 aus dem virtuellen Auktionsgeschäft mit einer eigenen Plattform verabschiedet. (Blomberg, Katja: Wie Kunstwerte entstehen. Das Geschäft mit der Kunst. Murmann Verlag, Hamburg, 2005. 3. Ausgabe März 2008, S. 21)
Christie’s hingegen eröffnete seinen Kunden im Jahr 2006 die Möglichkeit über „Christie’s Life“ online mitzubieten. Auf diese Weise wurden vom New Yorker Auktionshaus innerhalb eines Jahres um die 39 Millionen Dollar umgesetzt.

Für schnellverfügbare Informationen jedoch scheint es sich eher zu lohnen. Als Pionier entstand in den Neunziger Jahren das Portal von artnet.com aus New York, die inzwischen mit einer deutschen Website (artnet.de) ebenfalls aufwarten. In den Jahren seiner Arbeit entwickelte sich eine Datenbank von über 3,5 Millionen Einträgen, 180.000 Künstlern mit Preisen, 15.000 Künstleradressen im „Gallery Network“ sowie eine Liste von 1.900 Galerien-Websites. Heute führend, gelangt der Benutzer bei Artnet an seriöse Informationen über internationale Kunst.
Andere Plattformen, auf denen man Informationen erhalten und Kunstwerke erstehen kann, sind neben eBay noch kunstmarkt.com, artinfo24.com, Extralot.com, artfacts.net und artprice.com. Die Angebote dabei sind aber im Erscheinungsbild wie auch im Preisniveau sehr unterschiedlich.

Die weltweit größte Kunstmarkt-Datenbank hat dabei artprice.com und bietet dabei Zugriff auf 25 Millionen Auktionsergebnisse und Künstlerbiografien. Permanent werden hier die Ergebnisse von fast 3.000 Auktionshäusern ausgewertet. Noch bis 2002 gab es die jährlichen Ergebnisse in gebundener Form, seit dem auch auf CD-ROM. Ab vier Euro im Monat kommt man auf der Website des Unternehmens an das gesammelte Datenmaterial. (www.artprize.com) (Herstatt, Claudia: Fit für den Kunstmarkt. Hantje Cantz. Ostfildern, 2007, S. 30) Hier scheint der Inhalt weit über dem Design und der Übersichtlichkeit zu stehen. Die Internetpräsenz ist unübersichtlich und scheint seit Jahren gestalterisch nicht bearbeitet worden zu sein.

Die deutsche Wochenzeitung „Die Zeit“ hat ein eigenes Portal unter kunst.zeit.de eröffnet und bietet dort Repliken und Editionen im eigenen Shop an. Diese Website steht in direktem Bezug zum Magazin Weltkunst, das ebenfalls aus dem Hause des Zeitverlags stammt. Neben Terminen findet man hier auch Verweise zu Kunsthändlern und Auktionshäusern. Auffällig ist, dass Weltkunst.de, kunst.zeit.de und  kunstundauktionen.de die gleichen Seiten in unterschiedlichen Farben  darstellen und mit Links untereinander verbunden sind. Damit steigen sie im Google-Ranking.

Auch wenn in der Kunstwelt das Verhältnis zum Internet gespalten ist und sich nur langsam eine Akzeptanz entwickelt, ist der Gründer von Artnet, Hans Neuendorf, optimistisch. „Das Internet ist das ideale Medium für den Kunstmarkt. Er ermöglicht eine Verbesserung der Preistransparenz, eine dramatische Senkung der Werbe- und Kommunikationskosten, einem mühelosen Marktüberblick und schließlich die Lösung des Kernproblems, des Mangels an Liquidität. Käufer und Verkäufer werden sich zu geringen Kosten über das Internet finden, und der Markt wird von seinen Beschränkungen erlöst und insgesamt viel größer und liquider werden … Die Galerien und mit Ihnen der Kunde, der fachkundige Beratung schätzt, werden die großen Gewinner des Internets sein.“ (Blomberg, Katja: Wie Kunstwerte entstehen. Das Geschäft mit der Kunst. Murmann Verlag, Hamburg, 2005. 3. Ausgabe März 2008, S. 22 hinweis/Anmerkung)

Es bleibt dabei: Kunst wird fast ausschließlich, jedenfalls im Hochpreissegment, nur als Auflagenkunst oder in Editionen im Internet vermarktet und verkauft. Das sinnliche Erlebnis der Einzelstücke und der Originale findet nur in der realen Welt statt. Die haptische Qualität lässt sich nicht auf dem Bildschirm nachbilden.
Gerade für den Laien lässt sich weder die Echtheit eines Kunstwerks im Internet  feststellen noch die Qualität der Arbeit abschätzen. Durch Farbverfälschungen können ebenfalls Fehlbeurteilungen auftreten.
Das Kunstwerk muss sinnlich auf den Betrachter einwirken und zur Not kann der Galerist live ins Geschehen eingreifen und noch „Überzeugungsarbeit“ leisten.

Das Internet, so kann man sagen, hat sich bis heute nicht als anerkannte Plattform herauskristallisiert, um hochwertige Kunst zu verkaufen. Dieses Medium dient folglich primär der Recherche, und es gibt den Galerien und Künstlern dieser Welt die Möglichkeit, kostengünstig zu kommunizieren und zu werben.

Die Rolle der Printmedien in der Kunst & auf dem Markt

Im Vergleich zu anderen Gütern gibt es in den öffentlichen Medien wie Fernsehen oder Radio zwar immer mehr Informationen über Kunst zu hören und zu sehen. Dennoch ist es in dieser Sparte doch eher das Fachmagazin, welches einen Überblick verschafft.
Magazine, wie das ART Magazin, Kunstforum International oder Monopol erscheinen monatlich und gibt es im gut sortierten Zeitschriftenhandel zu kaufen.
Es gibt aber auch Magazine, die kostenlos in Galerien ausliegen wie das hochwertig gestaltete Kunst Magazin Berlin. Für den Überblick über Ausstellungen und Eröffnungen Berliner Galerien gibt es den Berliner Kunstkalender, der in Galerien gegen einen Unkostenbeitrag von 2,50 Euro zu haben ist.

ART-Magazin
Seit 1979 gibt es das ART Magazin, welches vom Hamburger Verlag Gruner + Jahr vertrieben wird.
ART gilt als populärer Meinungsmacher in der Branche, der die konservativeren Kunstinteressenten bedient. Das Magazin ist zum großen Teil journalistisch recherchiert, bebildert und dokumentiert Tendenzen in der Kunstszene. Es werden Künstler, Galeristen, Sammler und andere Akteure des internationalen Kunstmilieus portraitiert. Es gibt Nachrichten und einen Ausstellungskalender über Kunstveranstaltungen weltweit.
Besonders hervorzuheben ist die Website des Magazins. Unter art-magazin.de kann man ältere Artikel aus vergangenen Heften suchen, finden und nachlesen. Bilder jedoch gibt es nur in dem Heft, auf das verwiesen wird.
Aber auch eigenständig funktioniert das Kunstmagazin online. Es gibt täglich  aktuelle Nachrichten, Ausstellungstipps der Woche unter dem Namen „Gib mir fünf!“ und eben ein Archiv von Artikeln, die seit 1979 im ART-Heft erschienen sind.

Halbjährlich findet sich in der Printausgabe ein postkartengroßes Beilagenheft mit den Ausstellungs-Highlights, Biennalen und Messen im Überblick.

Weiterführende Links:
www.art-magazin.de

KUNSTFORUM International
„… ‚Kunstforum International‘, die wichtigste Zeitschrift für die aktuelle Kunst in Deutschland, …“, so Dr. Wulf Herzogenrath, Vorsitzender des Kölnischen Kunstvereins. (Quelle: http://www.artcontent.de/kunstforum/01_home/020_ueber/feedback.asp/ Aufgerufen: 27.9.2008)
Dieses Magazin erscheint alle zwei Monate und besteht aus einer Sammlung von Texten, die der Verleger Dieter Bechtloff im Kunstforum International zusammenfasst. In diesem schweren Kompendium schreiben international anerkannte Kunstkritiker, oftmals auch Mitglieder des Internationalen Kunstkritikerverbandes (AICA), und geben wohl den umfangreichsten Überblick über das aktuelle Ausstellungsgeschehen.
Das seit 1973 existierende Magazin erschien fast von Anfang an in einem ästhetischen Understatement und besteht aus weißen Buchdeckeln als Grund.
Das Kunstforum International bietet seinen Kunden, Abonnenten und Lesern einen Rechercheservice an. Hier hat man, nach Eingabe einer Kundennummer und einem persönlichen Passwort, Zugang zum, wie sich der Verleger selbst bezeichnet, „größten Informationspool zur aktuellen Kunst mit
Zugriff auf 18.000 Texte und rund 100.000 Abbildungen aller erschienen Bände seit 1973 – 35 Jahre Kunstgeschichte im Überblick“. (Ehemalige Startseite: http://www.artcontent.de/kunstforum/01_home/ / 27.9.2008 > heute: https://www.kunstforum.de)

Weiterführende Links:
https://www.kunstforum.de

MONOPOL
Relativ neu erscheint seit 2004 das Kunstmagazin MONOPOL. Die Herausgeber Amélie von Heydebreck und Florian Illies, ehemaliger FAZ-Feuilletonist, veröffentlichten das Magazin vorerst nur als Blatt von der Szene für die Szene. Durch großen Erfolg und eine Mischung aus Artikeln, die die junge Leserschaft ansprachen und einen anderen Blickwinkel auf den Kunstbetrieb gab, kaufte der Schweizer Sammler und Verleger Michael Ringier das Magazin auf und veröffentlicht seitdem das heutige Monopol Magazin monatlich.
Als Gegenpart zum ART bietet dieses Magazin einen Blick auf jüngere Künstler und Geschehen der aktuellen Kunstszene. Etwas eher am Puls der Zeit bedient dieses Magazin ein breitere Öffentlichkeit. Für Jan Wentrup, Berliner Galerist, ist das Monopol der „Stern“ des Kunstbetriebs. (Interview mit dem Autor, 21.1.2009)

Weiterführende Links:
www.Monopol-Magazin.de

ARTIST Kunstmagazin
Mit der inzwischen schon 76. Ausgabe präsentiert sich das ARTIST Kunstmagazin mit Sitz in Bremen ungemein sachlich, einem klaren Design, und doch bezieht es Stellung.
Konsequent werden Künstler aus der internationalen Gegenwartskunst portraitiert sowie Künstlermeinungen und -editionen vorgestellt.

Weiterführende Links:
www.artist-kunstmagazin.de

Texte zur Kunst
„TEXTE ZUR KUNST steht für kontroverse Diskussionen und Beiträge international führender Autor/innen über zeitgenössische Kunst und Kultur.“ so ist es auf der Startseite dieses eher ideologischen Blattes zu lesen. (Startseite/textezurkunst.de/ 28.9.2008)
1990 wurde das inzwischen zur Institution gewordene Magazin in Köln gegründet und seit 2000 in Berlin vier mal im Jahr herausgegeben.
Es gibt Essays, Interviews und ausführliche Besprechungen zu Kunst, Film, Musik, Markt und Mode aber auch zu Kunstgeschichte und Kulturpolitik zu lesen, die im Gegensatz zu den meisten anderen „Lifestyle-Kunstmagazinen“ intellektuell und scheinbar nicht marktgerecht zugeschnitten sind.
Jede Ausgabe wird von international renommierten Künstlern mit exklusiven Editionen unterstützt.

Weiterführende Links:
www.textezurkunst.de

Weltkunst und Antiquitätenzeitung
Die Zeitschrift Weltkunst war, bevor sie im Zeitverlag Beteiligungs GmbH erschienen ist, nur in den Expertenkreisen zuhause.
Neben Hintergrundinformationen, die das Magazin bietet, wird mit Vor- und Nachberichterstattungen von Auktionen, Messen und Ausstellungen berichtet. Nach einer überarbeiteten Gestaltung öffnet sich Weltkunst nun auch einem größeren Publikum und ist populärer geworden. Heute wird es als Pflichtlektüre für Kunstmarktinteressierte bezeichnet.

Weiterführende Links:
www.weltkunst.de

Einen besonders hohen Stellenwert haben in der Branche internationale Magazine wie Artforum, FRIEZE, Art in America und ART AND AUCTION.
In den Magazinen Artforum und Art in America aus den USA sowie im Blatt Frieze aus Großbritannien wimmelt es geradezu von Werbeanzeigen, die teilweise so in den redaktionellen Inhalt eingebunden sind, dass man Information von Werbung kaum noch unterscheiden kann.
Im Artforum inserieren internationale Galerien und machen auf ihre Ausstellungen und ihre Künstler aufmerksam. Ein buntes Sammelsurium von Anzeigen bietet dem Leser einen Überblick, wer wo wann wen präsentiert.
An dieser Stelle wird es besonders deutlich, wie die Machtverhältnisse von Kunstkritik und Geld verteilt sind. Berliner Galeristen wie die Galerie Upstairs Berlin und Michael Schultz halten FRIEZE und Artforum für die wichtigsten Magazine der Szene. Galerist Jan Wentrup schaltet alle paar Wochen eine ganzseitige Anzeige im Artforum. Denn das sei auch das Kommunikationsmedium, was seine Kundschaft regelmäßig durchblättere.

Weiterführende Links:
www.artforum.com
www.frieze.com
www.artinamericamagazine.com
www.artandauction.com

Aber auch in der Tages und Wochenpresse: FAZ & Co.
Das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gilt als das wichtigste kritische Medium in der Tagespresse. Samstags kann sich der Leser zusätzlich auf den Kunstmarktseiten informieren und sonntags ebenfalls Nachrichten über das Geschehen am Markt erfahren.
Ähnliche redaktionelle Beiträge gibt es zum Wochenende hin in der Süddeutschen Zeitung, dem Tagesspiegel und gelegentlich auch in der Financial Times.
Im Handelsblatt gibt es freitags regelmäßig Berichte über Auktionen und Ausstellungsbesprechungen zu lesen.
Als weiteres Medium ist The Art Newspaper (www.theartnewspaper.com) zu nennen, welches monatlich in einer englischen, französischen und italienischen Ausgabe erscheint und Nachrichten aus der internationalen Kunstwelt bietet. Das Erscheinungsbild ist sehr klassisch. Die Headlines auf der Startseite des Magazins beschäftigen sich mit Beute- und Raubkunst und wirken „investigativ journalistisch“.

Die Magazine sind für den kunstinteressierten Leser die Meinungsmacher. Die Kritiker dienen als Meinungsgeografen.
Mehr und mehr werden die Kunstzeitschriften jedoch infiltriert durch Anzeigen, die aussehen, als wären sie redaktionelle Beiträge und durch Vereinnahmung der Kunstkritik durch den Kunstbetrieb. Die riesige Maschinerie, die eher Schlagzeilen und die Story veröffentlicht sehen möchte, lässt nicht viel Spielraum für wahre Kritik an der Sache. Nicht mehr die Künstler entscheiden, was Kunst ist oder gar wie viel sie wert ist; das machen Sammler, Händler und Kritiker.
Der Beitrag im Magazin oder im Feuilleton der Zeitungen wird zwar als richtungsweisend wahrgenommen und die Fachzeitschriften werden neben den anerkannten und etablierten Internetportalen als Opinion-Leader verstanden. Es ist aber interessant, dass der qualitative Gehalt von geschriebener Kritik eher nachlässt und eigentlich von den PR-Maßnahmen verdrängt wird. Das Magazin ist an sich noch richtungsweisend, obwohl die Kritik an Gewicht verliert und Magazine teilweise hauptsächlich aus gekauften Anzeigen und Beiträgen bestehen.
Es gibt wohl zwei Arten der Berichterstattung und der Kunstkritik.
Zum einen sorgen unredigierte Pressemitteilungen, die als redaktionelle Beiträge getarnt im Internet sowie in Zeitschriften zu finden sind, in hohen Auflagen dafür, dass Gegenwartskunst überhaupt wahrgenommen wird. Zum anderen gibt es die „wahre“ Kunstkritik, die aber nur in geringeren Auflagenzahlen zu finden ist. Die heutige Kunstwelt ist zum großen Teil gar nicht mehr interessiert an wahrer Kritik. So meint Hanno Rauterberg, Kritiker bei der Wochenzeitung Die Zeit, dass außerhalb der Fachkreise „niemand die Kritiker vermissen“ würde, „wenn sie ab sofort schwiegen“. (Wie Blomberg, Katja: Wie Kunstwerte entstehen. Das Geschäft mit der Kunst. Murmann Verlag, Hamburg, 2005. 3. Ausgabe März 2008, S. 178/ Anmerk. 97)

Beiträge in „Lifestyle“-Zeitschriften wie Bunte oder der Vogue stehen anspruchsvollen in der Zeitschrift Kunstforum International gegenüber.
Das Kunstmagazin ART ist ebenfalls bemüht journalistisch zu agieren, ist aber populärer und richtet sich damit schon an ein breiteres Publikum. So findet man eben beim Zahnarzt in Berlin-Zehlendorf, wo auch gleich schon die Käuferschaft zuhause ist, neben der GQ, Bunte, Schöner Wohnen das ART Magazin.

Magazine bilden also in jedem Fall Meinung und bieten der Kunst ein breites Forum, gefiltert und ungegefiltert.