Kunst und die Spekulation

Vor Beginn des Art Forums 2008 in Berlin wurde darüber spekuliert, ob die weltweite Finanzkrise den Kunstmarkt und dessen Messen beeinflusst. Jedoch gab sich die künstlerische Leitung der Berliner Kunstmesse im Herbst gelassen. „Die Gefahr ist natürlich, dass nicht genug verkauft wird, weil die Käufer verunsichert sind. Andererseits hören wir, dass Leute ihr Geld von der Bank holen und lieber Kunst kaufen, weil sie da sicher sind, was sie haben. Die Kunden halten sich fern von spekulativer Hochpreisware und konzentrieren sich auf solidere Positionen, die vielleicht  momentan nicht superheiß sind, aber dafür ein vernünftiges Angebot darstellen. …“, so Sabrina van der Ley im Tagesspiegel. (1)
Im Zeitalter der globalisierten Märkte und des Kapitalismus wird Kunst neben Aktien zu einer begehrten Handels- und Spekulationsware. Kunst gilt nicht mehr nur als Trophäe von Sammlern. Es wird spekuliert.

Das Wort Spekulation kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „ausspähen“ – die Einschätzung eines in der Zukunft liegenden Ergebnisses.
„Zur Spekulation gehören Kalkül und Fantasie.“ (2) Die Fantasie des Investors in die Aktien oder die Kunst sind entscheidend dafür, ob er hinsichtlich einer profitablen Rendite kauft, oder ob er aus fehlender Risikobereitschaft nicht kauft. Scheint das jeweilige Kunstwerk oder der Künstler als unterbewertet und ist eine Preissteigerung zu erwarten, schlägt der Käufer zu.

Jedoch gibt sich der pfiffige Spekulant nicht mit dem Zufall zufrieden und nimmt sein Schicksal selbst in die Hand.

Indem die Spekulanten, meist Hedge-Fond-Manager, hunderte Millionen Euro und Dollar in den Markt pumpen, steigen die Werte für zeitgenössische Kunst. Es werden einzelne Künstler mit Potenzial ausgewählt, aufgebaut, gefördert und enorm finanziell unterstützt. Die Folge ist eine Steigerung des Wertes dieser Künstler. Die vorher günstig erworbenen Werke werden dann profitabel verkauft.
Die künstliche Steigerung der Nachfrage steht hier im Vordergrund, wobei Spekulanten die Kunst als Passion sehen.

Aber nicht nur die finanzielle Investition spielt bei der Wertsteigerung und dem Verstärken der Nachfrage ein Rolle.
Spekulationsblasen entstehen durch öffentliche Aufmerksamkeit. Erst wenn viele Marktteilnehmer sich für ein Kunstwerk oder einen Künstler interessieren, gibt es deutliche Preisbewegungen. Im Zeitalter des Internets verbreiten sich Halbwahrheiten, die zufällig entstanden sind oder die vorsätzlich in die Welt gesetzt werden, noch schneller. Halbwahrheiten und Geschichten, Anekdoten des Künstlers sowie Skandale treiben den Kunstmarkt voran. Kunstmagazine, Sammlerzeitschriften und das Feuilleton anerkannter Zeitungen, Lifestylemagazine, Wirtschaftsmagazine mit ihren Kunstinvestmentrubriken sowie TV und Onlinedienste fokussieren die Öffentlichkeit auf vermeintliche Trends. „Die Evidenz eines Gewinns hat einen machtvollen Effekt auf das menschliche Denken.“ (3) Sind Informationen, egal ob tatsächlich oder erfunden, im Umlauf, werden diese von der Öffentlichkeit akzeptiert und angenommen. Und tauchen die selben Informationen in unterschiedlichen Medien oder Quellen auf, verstärkt sich beim Menschen der Glaube an die Wahrheit dieser.

  1. Meixner, Christiane: Jetzt mal schön langsam, Tagesspiegel Nr. 20069, 29.10.2008
  2. Dossi, Piroschka: Hype. Kunst und Geld. Deutscher Taschenbuch Verlag, München. 2007. 4. Auflage 2008, S. 16
  3. Dossi, Piroschka: Hype. Kunst und Geld. Deutscher Taschenbuch Verlag, München. 2007. 4. Auflage 2008, S. 43