Kunst als Kapital

Jedoch muss Kunst nicht risikobehaftetes Spekulationsgut sein. Ganz im Gegenteil.  Kunst wird von Banken, Auktionshäusern, Fachmagazinen für Anleger und Galeristen als Investment vermarktet. Wie in der Finanzwelt der Banken gibt es da mehr oder weniger sichere Anlageformen.

Als konservative Anlageform sind die Arbeiten der Alten Meister und der Klassischen Moderne zu nennen. Diese werden längerfristig immer an Wert zulegen.
Arrivierte Zeitgenossen gelten als gewinnbringende mittelfristige Lösung. Denn wird ein Gerhard Richter oder ein Lüpertz in 200 Jahren noch so hoch im Kurs liegen wie heute?
Die Anlage in die Gegenwartskunst junger Künstler ist sehr risikobehaftet und dient zunächst einer kurzfristigen Wertsteigerung.

Die Anleger streuen oft ihre Einlagen, um ein Gleichgewicht von Investment und Spekulation zu erreichen.

Für Großkunden gibt es in den Banken nicht nur Versicherungen und Wertpapieranlagen im Separée des „Private Banking“ – das neue Betreuungsfeld für die reiche Kundschaft heißt „Art Banking“. „Alle unsere vermögenden Kunden interessieren sich für Kunst und Kultur, nur viele haben nicht die Zeit, sich selbst darum zu kümmern.“ So lautet ein Zitat des Bankkaufmanns Karl Schweizer der UBS Bank in der Schweiz. (1)
Damit hat sich ein neuer Bereich entwickelt, indem Experten nach Recherchen, Auskünften von Auktionshäusern, Galerien und Internetarchiven mit Ausblick auf Wertsteigerung für die Großverdiener Kunst kaufen.

Auch immer mehr Kunstfonds werden aus dem Boden gestampft, die ihr Geld in Kunst anlegen.
Der Fine Art Fund in London investiert seit 2004 monatlich zwei Millionen Dollar in Kunstwerke, die bei den Aktionären gelagert werden, die dafür Miete bezahlen. Im gleichen Prinzip funktionieren der Fernwood Art Investment Fond, über den Art Collectors Fund in Genf bis hin zum ArtVest in New York.
Private Investoren schließen sich zusammen und zahlen einen höheren Betrag in den Pott, von dem Kunst aus dem höchsten Preissegment angekauft wird. Damit wird Kunst nicht mehr nur den Superreichen zugänglich gemacht, sondern öffnet sich einer noch größeren Anlegerschaft.

Schätzungsweise sollen auf diese Weise in den nächsten zehn Jahren mehr als zehn Milliarden Dollar zusätzlich in den Kunstmarkt fließen. (2)

Jedoch scheint diese Art der Wertanlage nur etwas für diejenigen zu sein, die keinen Wert auf die Lust des Entdeckens, den persönlichen Kontakt mit Künstlern sowie Kunstliebhabern legen und die von den „Experten“ vorsortierte Ware akzeptieren.

  1. Herstatt, Claudia: Fit für den Kunstmarkt. Hantje Cantz. Ostfildern, 2007, S. 88
  2. Dossi, Piroschka: Hype. Kunst und Geld. Deutscher Taschenbuch Verlag, München. 2007. 4. Auflage8, S. 36