Christer Strömholm: Les Amies – Loge in Berlin

Aufgewachsen als Sohn eines schwedischen Offiziers, begann Christer Strömholm 1937 in Dresden Malerei zu studieren. Entgegen der Auffassung seines Professors solidarisierte er sich allerding sehr bald mit Künstlern, deren Werke von Nazis als „entartet“ diffamiert wurden. Er verließ Deutschland, nahm wenig später am Spanischen Bürgerkrieg teil und kämpfte schließlich bis 1945 gegen den Faschismus in Skandinavien. Nach dem Krieg lebte er in Paris und während sich die französischen Existenzialisten philosophisch gegen tradierte Lebensentwürfe und Geschlechterrollen wandten, begann er als Fotograf zu arbeiten.

Christer Strömholm verbrachte in dieser Zeit viele Tage und Nächte in der rauhen Vergnügungswelt zwischen Place Pigalle und Place Blanche und lernte dort in den 1950er-Jahren auch die transsexuellen Night-Birds der Szene kennen. Herrschenden gesellschaftlichen Konventionen entgegen, folgten sie sich selbst und ihrer tiefen Sehnsucht nach Vollkommenheit und Schönheit. Christer Strömholm wurde ihr Freund und als Fotograf gelang es ihm, sie in Bildern festzuhalten, die nicht von deprimierender Verhöhnung, von Prostitution und der dauernden Angst vor Übergriffen zeugen, sondern ihren romantischen Lebenstraum feiern. Heute sind seine Aufnahmen der Les Amies de Place Blanche Fotografie-Geschichte.

1965 zog Christer Strömholm einen Teil dieser Motive auf Hartfaserplatten auf, stellte sie in einem Kaufhaus in Stockholm aus und provozierte damit selbst in seiner liberalen Heimat einen Skandal. Suzannah & Sylvia, Hôtel Pierrots, 1962 in Paris (Bild [Quelle: Loge]) fotografiert, ist eine der damals gezeigten Arbeiten und bis heute das Dokument einer besonderen künstlerischen und kuratorischen Haltung.

Eröffnung: Dienstag, 11. September ab 19.00 Uhr
Anschliessend bis 27. Oktober: Montag – Samstag 10.00 – 19.00

Loge
Friedrichstraße 210 (Checkpoint Charlie)
D-10969 Berlin